Auch im vergangenen Geschäftsjahr hat die Ferrostaal AG Essen, wieder ihren ausgeprägten Familiensinn bewiesen. Das Essener Handelshaus, eine hundertprozentige Tochter der Gutehoffnungshütte, hat der Muttergesellschaft wiederum einen ansehnlichen „Verwandtschaftszoll“ entrichtet. Der an die GHH abgeführte Gewinn von 4,73 (4,56) Mill. DM entspricht immerhin einer Dividende von fast 30 %. Der Zuschuß an die Konzernkasse ist sogar noch höher ausgefallen als im Vorjahr. Und das, obwohl Ferrostaal weniger verdient hat als im Geschäftsjahr 1960. Während im vergangenen Jahr neben der Abführung an die Muttergesellschaft auch noch ein Spielraum vorhanden war, aus dem erwirtschafteten Ertrag die eigenen Reserven zu stärken, verzichtet die Essener Tochter diesmal völlig zugunsten der Konzernkasse. Den in einer Pressekonferenz gemachten Ausführungen von Vorstandsvorsitzer Dietrich Wilhelm von Menges – der als gleichzeitiges Vorstandsmitglied der Gutehoffnungshütte Mutter und Tochter in einer Person repräsentiert – war zu entnehmen, daß Ferrostaal diesmal bewußt den ganzen Gewinn an die Holding abgeführt hat. Die GHH blieb also von dem Ertragsrückgang ihrer Handelsgesellschaft unberührt. Daß das Ferrostaalgeschäft im Berichtsjahr schlechter gewesen ist als 1960, ist unverkennbar; allerdings darf auch der Abstand zum vorigen Geschäftsjahr nicht überbewertet werden. So ist vor allem bei dem Umsatzrückgang auf 461,28 (520,45) Mill. DM zu berücksichtigen, daß sich bei einem Unternehmen, das im Großanlagengeschäft tätig ist, gewisse Schwankungen aus den Abrechnungsterminen ergeben. Dafür ist bei Ferrostaal besonders der Vergleich der Jahre 1960 und 1961 typisch. Vorstandsvorsitzer von Menges führte auch den erheblichen Ertragssteuerrückgang des Berichtsjahres – auf 3,6 (5,7) Mill. DM – mit darauf zurück, daß das Vorjahr durch die Abwicklung einiger langfristiger Großgeschäfte begünstigt worden sei. Was darüber hinaus echt auf das Konto Verschlechterung geht, wurde mit den Folgen der DM-Aufwertung – das Unternehmen ist immerhin mit rund 50 % seines Umsatzes auf Export eingestellt –, mit allgemeinen Kostensteigerungen und mit einer zu Buch schlagenden Verschärfung des Wettbewerbs begründet. Die steigende Konkurrenz spürte das Unternehmen besonders auf dem Eisen- urd Stahlmarkt. Zwar habe die Ferrostaal AG sowohl im Inland als auch im Export ihre Positionen gehalten, aber der Preisdruck hat seine Spuren hinterlassen. Aus der Ertragsrechnung ist abzulesen – urd Vorstandsvorsitzer von Menges hat es bestätigt –, daß die Handelsspanne nicht unerheblich zurückgegangen ist. Die Differenz zwischen Umsatterlösen und Aufwand für bezogene Waren und Fremdleistungen ist auf 19,15 (24,31) Mill. DM gesunken. Das entspricht 4,15 nach 4,63 % im Vorjahr. Wenn diese Rechnung – die alle Konzernumsätze gleich behandelt – auch gewisse Vorbehalte verdient, so zeigt sie doch immerhin deutlich genug die Tendenz. Interesse verdienen die Auffassungen des Ferrostaalhauses zur Exportsituation der deutschen Industrie. Dietrich Wilhelm von Menges warnte nachdrücklich davor, auf den – berechtigten – Erfolgen der Vergangenheit auszuruhen. Die Handelsmarke „Made in Germany“ sei nicht mehr unerreicht. Im Gegenteil, so führte er aus, zu einer Zeit, wo die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Export-Industrie durch unangemessene Kosten Steigerungen sinke, sähen sich die im Ausfuhrgeschäft tätigen Unternehmen einer Exportoffensive der USA und Japans gegenüber, die „staatlich stark gefördert werde“. Weiterhin sei mit einer zunehmenden Konkurrenz der Ostblockstaaten zu rechnen. Die nachlassende Konkurrenzfähigkeit des deutschen Außenhandels gelte es behutsam zu beheben, wenn man es nicht auf eine Krise des Exports, verbunden mit Zahlungsbilanzschwierigkeiten in ein oder zwei Jahren ankommen lassen wolle. Nmn