SÜDDEUTSCHER RUNDFUNK

Robert Pinget, französischer Romancier und Dramatiker, schrieb dieses Stück für den Süddeutschen Rundfunk. Gebracht wurde es in der Sendereihe „Das Hörspiel der Avantgarde“.

In einem Zwiegespräch wird ein alter Mann nach früheren Vorgängen befragt und bohrt sich langsam durch ein Stück nicht eben wichtiger Vergangenheit. Er hatte einmal einen einsamen Schriftsteller kennengelernt. Den besuchte er anfangs Tag für Tag und führte ihm freundschaftlich den Haushalt. Dem andern wurden die Besuche aber lästig. Sie sahen sich daraufhin seltener und endlich gar nicht mehr.

Nach dem Vorwort der umsichtigen Hörspielredaktion handelt es sich hierbei um ein Beispiel für die Unmöglichkeit, die Wahrheit zu finden, und jeder Versuch, in diesem Gespräch ein eindeutiges Bild von den Geschehnissen zu erhalten, mißlinge immer wieder. Sollte es tatsächlich Pingets Absicht gewesen sein, dies darzustellen, so ist ihm das nur annähernd geglückt.

Der alte Herr nämlich antwortet auf die klaren Fragen zwar bedächtig, zeichnet aber ein recht deutliches Bild. Nur die Ursache der Abneigung seines früheren Bekannten bleibt ihm fremd. Dies aber liegt mehr am Mangel an Einfühlsamkeit als an einem den Menschen schlechthin eigentümlichen Unvermögen, der Wahrheit habhaft zu werden.

Die Form ist recht anspruchslos. Allerdings kann dies (man weiß das ja nie so recht) ein besonderes Raffinement des Autors sein. H. K.