Den Namen „Rheingold“ hat der Zug von seinem Vorgänger übernommen; alles andere ist neu – ein technisches Prunkstück, das den Reisenden auf der Strecke Hoek van Holland – Basel einen nach bisherigen Maßstäben ungewöhnlichen Komfort bietet, vielleicht noch wichtiger:eine willkommene Zeitersparnis. Nur noch acht Stunden und 45 Minuten benötigt der Zug für die Fahrt; dort, wo es die Streckenverhältnisse zulassen, braust „Rheingold“ mit 160 Stundenkilometern dahin (sein Vorläufer brauchte noch ungefähr zwölf Stunden). Stolz sprach der Präsident der Bundesbahn, Professor Oeftering, von einer „Caravelle der Bahn“. Das soll, so heißt es, keine Übertreibung sein, denn, so verspricht die Bundesbahn, dieser Komfort könne in etwa acht Jahren bei allen Fernschnellzügen selbstverständlich sein Voilà.

Drei Vorzüge machen den neuen „Rheingold“ interessant: Schnelligkeit, ohne daß man es merkt, weil die Wagen fast stoßfrei laufen; Behaglichkeit und die technische Einrichtung, die vor allem beim Speisewagen imponiert: die Wirtschaftsräume (Buffet, Küche, Spülraum) sind in drei Ebenen angeordnet, also räumlich getrennt. Elektrische Aufzüge für Speisen und Geschirr sowie Wechselsprechanlagen verbinden sie. Der Speiseraum, durch eine Glaswand geteilt, teakholzverkleidet, hat hell bezogene Sitze mit Armlehnen, dicke Teppiche liegen auf dem Boden, rundum Panoramascheiben, öffnen kann man die Fenster nicht – eine Klimaanlage sorgt für Temperatur und gute Luft.

Der Clou des Zuges ist der Aussichtsraum mit 22 Sitzplätzen (für die man nicht zusätzlich zu zahlen braucht). Die Glaskuppel ragt etwa vierzig Zentimeter über die normale Dachhöhe hinaus, so daß man auch nach vorn oder hinten blicken kann. Die Sicherheitsscheiben sind „goldbedampft“: das verhindert allzu starke Hitzeeinstrahlung. Eine Einschränkung ist zu vermerken: Der Aussichtswagen verkehrt nur auf der Strecke Dortmund – Basel. Die Kurswagen nach München (Mailand) werden südlich Duisburg an den „Rheinpfeil“ gehängt. Ein anderer Kurswagen verbindet Hoek mit Chur.

Man braucht wohl nicht hervorzuheben, daß der Zug nur die erste Wagenklasse führt, aber wohl dies: Eine Oberstewardeß und drei Stewardessen bemühen sich um die Gäste. Sie beherrschen mindestens drei Sprachen – wer viel unterwegs ist, weiß ja, daß die linguistische Arglosigkeit der Zugbegleiter in manchen internationalen Zügen Stauner macht. G. H.