Die Ilseder Hütte, Peine, hat ein schwaches Jahr hinter und einige schwierige Jahre vor sich. Dieser Montan-Konzern, der schon viel länger als die ehemaligen „Reichswerke“ im Raum westlich und südlich von Braunschweig die hier vorkommenden Eisenerze verhüttet, gehört zu den Unternehmen, die für 1961 ihre Dividende kürzen. Die Börse reagierte auf die Ankündigung des Vorstandes, statt einer Vorjahresdividende von 10 % nur noch 8 auszuschütten, mit einem Kursrutsch um etwa 20 Punkte.

Von der Rendite her gesehen ist diese Aktie eine der interessantesten, denn trotz Dividendenkürzung liegt die Verzinsung bei knapp 6% gegenüber 4,5 % vor einem Jahr. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, daß den Aktionären eine erneute Dividendenkürzung zugemutet werden könnte. Als Dr. Rasch, Vorstandsmitglied, auf einer Pressekonferenz in Peine nach den Aussichten im kommenden Jahr gefragt wurde, sagte er, daß mit einer Dividendensenkung gerechnet werden müsse, wenn das Ergebnis der noch vor uns liegenden bzw. noch nicht abgerechneten acht Monate des Jahres 1962 nicht besser werde als das der ersten vier Monate.

Auf der anderen Seite wurde die Möglichkeit einer Kapitalerhöhung (heute 140,4 Mill. DM) im Zuge des beträchtlichen Investitionsprogramm! der nächsten Jahre nicht mehr so strikt für ausgeschlossen gehalten wie noch vor einem Jahr. Schließlich berechtigen auch der Substanzwert des Konzerns und seine solide Bilanzstruktur dazu, die gegenwärtig geschwächte Ertragskraft nicht zu pessimistisch zu sehen. Das Anlagevermögen wurde zum 31. 12. 1961 mit 397,5 Mill. DM ausgewiesen, nach Zugängen von 52,5 (einschl. Anzahlungen auf im Bau befindliche Anlagen) und Abschreibungen in gleicher Höhe. Von den nicht geringen Rücklagen in Höhe von 165 Mill. DM entfallen – wie im Vorjahr – 124 Mill. DM auf die freie Rücklage.

Der Ertrag des Konzerns verminderte sich von 14 auf 11,3 Mill. DM. Er wäre noch niedriger, wenn nicht die Teilauflösung der Rücklage für die LAG-Vermögensabgabe 3,1 Mill. DM beigesteuert hätte. Der Vorstand machte keinen Hehl daraus, daß der Verschlechterung der Erlössituation 1961 eigentlich sogar eine Kürzung der Dividende auf 6 % entsprochen haben würde.

Wie kommt es, daß die Ilseder Hütte nach jahrelangen guten Dividenden mit einem Mal auf die zweitletzte Position der westdeutschen Montan-Unternehmen abgerutscht ist? Das Bild wäre günstiger bei diesem Vergleich, wenn die Ilseder Hütte wie die meisten Montan-Unternehmen der Bundesrepublik ihr Geschäftsjahr mit dem 30. September abschließen würde. Das vierte Quartal 1961 war nämlich bei den westdeutschen Eisen- und Stahlerzeugern offenbar das ungünstigste. Dieser Zeitraum wird sich bei den meisten Unternehmen erst im Geschäftsjahr 1962 auswirken.

Zwar wäre es möglich gewesen, die Rücklagen noch stärker anzugreifen, um eine Dividendenkürzung für 1961 zu vermeiden. Das hätte jedoch die Sorgen um die Finanzierung des großen Ausbau- und Modernisierungsprogramms nur noch vergrößert. Von 1962 bis 1964 wird die Ilseder Hütte für diese Vorhaben insgesamt 420 Mill. DM aufzubringen haben. Der Vorstand legte vor Journalisten dar, daß sich dieses Programm nur in dieser Höhe oder überhaupt nicht durchführen lasse. K.D.