Wirtschaft

Heißes Eisen

Das heiße Eisen der Umsatzpublizität der deutschen Wertpapierbörsen ist von den Börsenvorständen recht zaghaft angefaßt und — fürs erste — wieder fallengelassen worden.

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DIE ZEIT

Die Mauer respektieren?

Des amerikanischen Außenministers Dean Rusk Vorschlag, den Zwischenfällen an Ulbrichts Mauer durch Viererbesprechungen ein Ende zu bereiten, fand in Berlin besorgten Widerhall.

Unsere Zeche

Die Rechnung des Bergarbeiterführers Heinrich Gutermuth ist aufgegangen. Seine Drohung mit dem Streik der Kumpel in den Kohlenrevieren an Rhein und Ruhr hat genügt; der Streik selbst war nicht mehr nötig.

Keine Extratouren an der Seine

Es war kein Zufall, daß der amerikanische Außenminister nach Europa kam, noch gerade bevor der Bundeskanzler nach Frankreich fährt.

Sonderbründelei oder Partnerschaft?

Die Frage ist nicht akademisch; sie ist akut. Sie hat seit zwei Jahren jede NATO-Konferenz beherrscht; sie stand jetzt wieder im Hintergrund der Reise Dean Rusks durch Europa; und sie wird uns in den kommenden Monaten unaufhörlich beschäftigen.

wer....was....wo....warum....

• BERLIN – Walter Ulbricht hat sich gegen die von den Westmächten vorgeschlagenen Viermächteverhandlungen über die Einstellung der Zwischenfälle an der Berliner Mauer ausgesprochen.

Zeitspiegel

Die Reise durch Rumänien hat den sowjetischen Ministerpräsidenten offenbar sehr angestrengt. Westlichen Korrespondenten fiel auf, daß der 68jährige Chruschtschow müde und abgespannt wirkte.

Vor dem parlamentarischen Sündenfall?

Seit Chruschtschow sein Berlin-Ultimatum gestellt hat, beflügelt ein Begriff die Phantasie der Politiker in der Bundesrepublik: große Koalition.

Warten auf die Zeit nach Nehru

Dr. Adenauers Erklärung an die Adresse jener, die ungeduldig die Frage seiner Nachfolge zu lösen wünschen und denen er kürzlich zurief: „Sie müssen mich schon noch bis auf weiteres ertragen!“, fand jetzt in Indien eine Parallele, als Ministerpräsident Nehru die Frage beantworten sollte, ob es nicht höchste Zeit sei, seinen „Thronfolger“ zu designieren.

Der Fibag-Kompromiß

Die SPD verdammt Dahlgrüns Bericht über die Arbeit des Untersuchungsausschusses

Inonüs letzte Chance

Wieder einmal mußten die türkischen Generäle vernehmlich mit den Säbeln rasseln, wieder einmal mußte Ministerpräsident Ismet Inonü damit drohen, sich endgültig auf das Altenteil zurückzuziehen – erst da billigten die widerborstigen Führer der bisherigen Oppositionsparteien (Neue Türkei und Nationale Bauernpartei) Inonüs Koalitionsbedingungen.

Wer will was von wem?

Über Ulbrichts Kreditwünsche an die Bundesrepublik wurde bei dem Besuch des amerikanischen Außenministers Dean Rusk in Bonn nicht viel gesprochen.

Der letzte Schrei nach Versöhnung

Als Abderrahmane Farès seine Pariser Gefängniszelle mit seinem Arbeitszimmer in Rocher-Noir vertauschte, um als Präsident der Provisorischen Exekutive von Algerien zu wirken, stand sein Entschluß fest: Er wollte der Mann der Versöhnung sein.

Persönlichkeiten, nicht nur Interessenten

In der vorigen Ausgabe der ZEIT hatte Dr. Hans-Helmut Kuhnke unter dem Motto „Männer, nicht nur Gremien!“ gesagt, Professoren seien zu schade als Eideshelfer der Politik.

Die Revolte der Kurden

Seit fast einem Jahr rebellieren die Kurden im Irak. Die Regierung in Bagdad hat mit allen Mitteln versucht, den Aufstand niederzuschlagen.

Gegenwind für Kennedy

Die Kennedy-Regierung hat eine schwere innenpolitische Niederlage hinnehmen müssen: Das Repräsentantenhaus des Kongresses „tötete“, wie man hier sagt, eine Gesetzesvorlage, der die Regierung hohen Vorrang gegeben hatte – die „Farm-Bill“.

Wieder Diefenbaker

Als John G. Diefenbaker 1957 mit überwältigender Mehrheit zum 13. Ministerpräsidenten Kanadas gewählt wurde, da sagte er voller Stolz und Erleichterung: „Das war wie in der Nacht von Waterloo!“ Damals konnte der Parteichef der Konservativen aufatmen: Nach einem harten Kampf hatte er die Liberalen aus dem Feld geschlagen.

Berlin: Das Gesetz der Mauer

Boxweltmeisterschaft, Filmfestspiele – Berlin war am Wochenende Treffpunkt internationaler Prominenz. 88 Mark kostete ein Ringplatz im Olympiastadion, wo „Bubi“ Scholz kämpfte und verlor.

Verdächtig

Glaubwürdigkeit ohne papierenen Nachweis zu erreichen, ist schwierig, oft unmöglich. Mündliche Beteuerungen gelten nichts. Wehe dem also, der sich zum Beispiel ohne „Arbeitsnachweis“ in der Hamburger Staatsbibliothek ein Buch auszuleihen gedenkt.

Bayern: Der teure „Prozeßhansl“

Auf der Anklagebank vor dem Schöffengericht München nahm am Dienstag der letzten Woche ein bislang vollkommen unbescholtener Mann Platz, der 47jährige Verleger Horst Walther, beschuldigt, den Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß beleidigt zu haben.

Nordrhein-Westfalen: Bücher auf dem Fließband

Im Dienstzimmer des Bonner Universitätsprofessors Viktor Burr steht eine pompöse Blattpflanze, das Geschenk zweier Amerikanerinnen „als Dank für die hervorragende bibliothekarische Betreuung“.

Igor Strawinskij in Hamburg

So sah man ihn denn von Angesicht zu Angesicht, erlebte ihn am Dirigentenpult und begegnete ihm auf zwei Empfängen, im Hamburger Rathaus und, am Nachopern-Abend, im Hotel „Vier Jahreszeiten“, wo er wohnte.

Was blieb übrig vom Nymphchen Lolita?

Für sich allein genommen, lohnte der Film „Lolita“ nicht, daß man viel Aufhebens von ihm machte: Manchmal ganz witzig, nie besonders fesselnd, wäre er auch nicht besser oder schlechter als all die Lula- oder Lolu-Streifen, die unsere Kinoleinwände mit konventioneller Langeweile bedecken.

Freispruch für Nero

Von den schrecklichen Grausamkeiten des römischen Kaisers Nero haben wir aus der Schulzeit so viel im Gedächtnis behalten, daß wir rassereinen Bluthunden gern seinen Namen geben.

Schwache Stellen des Deutschunterrichts

Wer wie Professor Killy die Lektürepläne der höheren Schulen, die Hilfsmittel (Literaturgeschichten) und neuerdings auch die Aufsatzerziehung kritisch angreift, der trifft, wenn auch nicht gerade „ins Zentrum der gegenwärtigen Bedrängnis des Gymnasiums“, so doch in die Weichteile des Deutschunterrichts an den höheren Schulen.

Kleiner Kunstkalender

Diese Ausstellung ist die achte „unter den Auspizien des Europarates“. Die Ausstellungen, Musterbeispiele internationaler Zusammenarbeit der Ministerien, Museen und Wissenschaftler, werden jedes Jahr in einem anderen Land veranstaltet und wollen das Bild einer Epoche unter gesamteuropäischem Aspekt und in maximaler Breite, vom Gemälde bis zum Kunstgewerbe, demonstrieren.

Kunstexperte

Mochte eine solche Auffassung bislang gegolten haben – ab jetzt ist sie überholt, wie ein Blick in die jüngsten Ausgaben der „Weltkunst“ beweist.

Zeitmosaik

Joyce hat kein „Experiment“ gemacht, sondern er hat den „Ulysses“ geschrieben. Eliot hat kein „Experiment“ gemacht, sondern er hat das „Waste Land“ geschrieben.

Prominenter Leitartikler

Heute steht unter dem Druck der latenten sowjetischen Drohung auf dem Weg zu Europa das Militärische, wenigstens optisch, im Vordergrund.

Musik im Widerstreit: Kann man Musik hineintun – ja oder nein?

Wo denn? Wo habe ich denn in Her ersten „Runde“ geschrieben, Abendroth möge die „Zwölftöner“ deshalb nicht, weil er als Komponist anderer Richtung sich „zu wenig beachtet“ fühle? Ich habe das nie und niemals geschrieben, jamais, never, dreimal njet! Das wäre ja –, um im Abendrothschen Bilde der „Runde“ zu bleiben – ein „Tiefschlag unterhalb der Gürtellinie“.

Gloriole für eine Mutter

Gary, der weiß, daß die Faustregeln der Psychoanalyse heute vielen Lesern geläufig sind, der es sich aber nicht versagen will, bewußt offen und unbefangen zu erzählen, schirmt sich zunächst gegen unerwünschte Durchleuchtung ab: „Ich habt für meine Mutter niemals eine inzestuöse Neigung gehabt.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT alles, was der Herausgeber (der nicht nur Kokoschka-Verehrer, sondern selber ein bekannter Photograph ist) während zweier Jahre in öffentlichen und privaten Sammlungen Europas und Amerikas an Handzeichnungen ausfindig machen konnte; in Zahlen gesprochen: 146 Blätter aus den Jahren 1906 bis 1959.

Soziologie als Mode

Soziologie ist eine Mode. Das weiß jeder. Moden werden gemacht aus Bedürfnissen, die da sind, und aus denen, die sie erst selber hervorrufen.

Im flachsten Land

Wie schreibt man einen modernen Roman, in dem ein Mädchen die Hauptrolle spielt, das nach alter guter Manier und weil es sich in den eigenen Gefühlen noch nicht so recht auskennt den Falschen heiratet und danach in Liebe zum Richtigen entbrennt? Dem Inhalt nach müßte sich so eine Geschichte schön rührend und traurig anhören.

Unschuld als Abenteuer

Die Antike wurde den Deutschen von Goethe nach seinem Bilde geformt, aber da er ihr im Wesen näher stand als im Werk, blieb sie davor bewahrt, als reiner Gymnasiastenschreck fortzuleben.

Auch Worte sind Waffen

anderthalb Jahren hat John F. Kennedy einen * neuen Klang in das weltpolitische Orchester gebracht Adenauers verschmitzte Hausbackenheit, Eisenhowers unbeholfene Wendungen, Macmillans erstarrte Klischees, Chruschtschows erdhafte Ausdrucksweise, de Gaulles memorierte, marmorierte Beschwörungen – sie alle werden übertönt von der Frische seiner Rede, von der Unverbrauchtheit, Klarheit und Direktheit seiner Sprache.

ZEIT-Berichte aus der Forschung

Der Direktor und die Leiter der Abteilungen geben sich die Ehre ...“‚so las man es jüngst auf einer Einladungskarte, derzufolge sich im Bereich der deutschen Hochschule ein zwiefaches Unikum konstituiert hat: Das Institut für Genetik an der Universität zu Köln.

Richtung Zukunft

Man ist sonst nicht gewohnt, aus Spanien Meldungen über fortschrittliche Entwicklungen zu hören, aber dieser Tage kam aus Madrid eine Nachricht, die zukunftsweisenden Charakter hat.

Schuld - eine notwendige Fiktion?

Die Frage, ob der Mensch fähig ist, sich frei zu entscheiden, die wir in unserer letzten Ausgabe an dieser Stelle angeschnitten haben, ist für den Gesetzgeber ein praktisches Problem.

Getriebe werden überflüssig

Die meisten Bewegungen, die wir von Maschinen ausführen lassen, sind im Endeffekt linear. Der Transport zum Beispiel, das Stanzen, Pressen und Pumpen oder die Fadenführung im automatischen Webstuhl sind Vorgänge, die sich aus gradlinigen Bewegungen zusammensetzen.

Es ist nicht nur die Zeit der Krise

Mit einigem propagandistischen Getöse traf „Lolita“ in Europa ein, wenige Tage nach der amerikanischen Uraufführung – ein Film mit so verwackelten Akzenten, daß man sich erstaunt fragt: Hat Vladimir Nabokov, der Autor des „Lolita“-Romans, nicht nur das Drehbuch geschrieben, sondern das fertige Produkt, den Film, wirklich gutgeheißen? Zum mindesten wußte James Mason, der Darsteller des Humbert Humbert, in Berlin davon zu berichten.

Film

„Das Auge des Bösen“ (Frankreich, Verleih: Nora): Claude Chabrols sechster Film zeigt den einstigen Wegbereiter der nouvelle vague erneut auf den Spuren der Identitätsthematik, die er selbst in einer Hitchcock-Monographie als heimliches Zentralthema aus dem Werk des „master of suspense“ herausdestilliert hat.

Funk

In einem Zwiegespräch wird ein alter Mann nach früheren Vorgängen befragt und bohrt sich langsam durch ein Stück nicht eben wichtiger Vergangenheit.

Programmuhr: Ersatz für Dramaturgie

Zum christlichen Feiertag etwas von Hofmannsthal, Großes Welttheater oder zumindest der Jedermann, zum nationalen Gedenktermin was Freiheitliches, Fidelio – wegen des Chores – oder zumindest Don Carlos – wegen des Marquis Posa –, wenn’s mal was Neues sein soll: Egmont.

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