Ein Experte, gibt der Große Brockhaus an, sei ein „Sachverständiger“, eine Expertise eine „sachverständige Begutachtung“.

Mochte eine solche Auffassung bislang gegolten haben – ab jetzt ist sie überholt, wie ein Blick in die jüngsten Ausgaben der „Weltkunst“ beweist. Die „Weltkunst“, ein Händlerorgan, wird in München herausgegeben.

In der letzten Mai-Ausgabe der „Weltkunst“ erschien ein Inserat der Galerie Rindermarkt in Zürich, bestehend aus der Wiedergabe eines Porträts mit der Unterzeile „Rembrandt, Selbstbildnis. Gr. 42 x 29 cm. Exp. Martin Porkay München“. Und wer im Münchner Telefonbuch nachschlägt, findet Martin Porkay auch tatsächlich mit der Berufsangabe „Kunstexperte“. Der Fall scheint also klar: Ein Experte stellte eine Expertise aus, die zum Bestandteil des offerierten Gemäldes geworden ist.

Um wen es sich bei Martin Porkay handelt, weiß man mittlerweile sowieso: Anfang dieses Jahres nannte er ein Bild, das die Staatliche Galerie Stuttgart als Rembrandt angekauft hatte, einen „Schund“, eine „plumpe Fälschung“, „höchstens 50 Jahre alt und nur ein paar hundert Mark wert“. Die Stuttgarter indessen hatten 3,65 Millionen dafür ausgegeben; nun erschraken sie, verteidigten sich ziemlich ungeschickt und überstellten schließlich das Gemälde nach Brüssel, wo es zur Stunde immer noch von Spezialisten auf seine Echtheit hin geprüft wird.

Dieser negativen Porkay-Expertise war allerdings eine ungemein positive des gleichen Experten vorausgegangen: Nur wenige Wochen vor seinem Verriß hatte er die Neuerwerbung in enthusiastischen Briefen gelobt als „zu den echten und sehr wertvollen Selbstporträts des großen Meisters“ gehörend.

Freilich, um „sachverständige Begutachtungen“ handelte es sich in beiden Fällen schwerlich: Briefe sind keine Expertisen und Pressekonferenzen ebenfalls nicht. Außerdem kann sich auch der größte Experte irren und seine Ansicht flugs korrigieren. Wenn aber eine Kunsthandlung ein Bild inseriert und sich ausdrücklich auf eine Expertise beruft?

In der letzten Juni-Ausgabe der „Weltkunst“ findet der aufmerksame Leser, genau zwischen der redaktionellen und der Anzeigen-Abteilung, eine „Erklärung“ von Martin Porkay: „Ich erkläre hiermit, daß ich das fragliche Bild als echten Rembrandt niemals expertisiert habe. Ich habe nur in einer geringfügigen Darlehensangelegenheit eine Identifizierungserklärung gegeben, welche aber nicht als Expertise betrachtet werden dürfte.“