Der Herr stand auf einem Erdhügel. Er trug ein Sommersakko ohne Revers, zu seiner Rechten war eine Sumpfzypresse, dahinter ein Trompetenbaum, aber der Götterbaum dazwischen war verschwunden.

Ich war schon über eine Stunde in dem mitten in der Stadt gelegenen Botanischen Garten in Hamburg gewesen und kam gerade von den Beeten mit den „Kräutern der Hamburger Aalsuppe“, der „Nordischen Heide“, den „Madonnen-Lilien“ und dem alten „Niederdeutschen Bauerngarten“ Der Herr auf dem Hügel sagte: „Sehen Sie mal dort kommt das neue Pflanzenschauhaus hin, und die eine Brücke, über die so viel gestritten wurde, ist fertig, und die neue folgt, und stellen Sie sich das vor: Im nächsten Frühjahr kann man vom Dammtorbahnhof bis zum Millerntor durch Grün laufen. Das haben wir dann alles der ,IGA’ zu verdanken.“ Der Herr meinte die Internationale Gartenbauausstellung, die 1963 in Hamburg stattfindet.

„Aber so viele Bäume müssen deshalb fallen?“ fragte ich.

„Das sind meistens fremdländische Bäume, die hier sowieso nicht sehr alt werden; sie sind viel kurzlebiger als Eichen!“

Eine alte Dame auf einer Bank sagte zu mir: „Ich kannte noch die alten Friedhöfe in der Jungiusstraße, wo jetzt die Ernst-Merck-Halle steht, und den Zoo ganz in der Nähe. Ich kannte die Bäume schon, als sie ganz klein waren.“

„Es fallen aber nur ein paar von denen, die damals noch klein waren“, sagte der Herr „und die Botaniker kommen auch zu ihrem Recht, denken Sie an das im Bau befindliche Pflanzenschauhaus – und die älteren Leute haben noch den alten Teil vom Botanischen Garten – und die jüngeren haben den Grünzug bis zum Millerntor.“ Er sagte wirklich Grünzug.

„Manche Beete sehen aus wie Gräber“, sagte die Dame, „und ich habe mir hier jetzt ausgemalt, wie ich in Ohlsdorf einmal liegen möchte.“