Von Helmut Arndt

In der vorigen Ausgabe der ZEIT hatte Dr. Hans-Helmut Kuhnke unter dem Motto „Männer, nicht nur Gremien!“ gesagt, Professoren seien zu schade als Eideshelfer der Politik. Ihm antwortet heute ein Professor: Dr. rer. pol., Dr. jur. Helmut Arndt ist Ordinarius für Volkswirtschaftslehre an der Freien Universität Berlin und Autor eines dreibändigen Werkes „Die Konzentration in der Wirtschaft“. Er gehört der Konzentrationskommission des Wirtschaftsministers an.

Der Artikel „Männer, nicht nur Gremien!“ von Dr. Hans-Helmut Kuhnke packt heiße Eisen an. Seine Frage lautete: Werden durch die Errichtung wissenschaftlicher Gremien politische Fragen gelöst, oder werden nur politische Entscheidungen umgangen? Ist es nicht an der Zeit, Persönlichkeiten heranzubilden, die zu Entscheidungen bereit sind, anstatt immer wieder neue Gremien zu konstruieren, mit denen der Kredit der Wissenschaft verbraucht oder sogar mißbraucht werden kann?

Wichtig ist zunächst, zwischen politischen und wissenschaftlichen Fragen zu unterscheiden. So wenig es möglich ist, bei politischen Fragen in die Arme von unabhängigen Sachverständigen zu fliehen (die hierbei nur mißbraucht werden können), so unglücklich wäre es auch, wissenschaftliche Fragen den Politikern zu überlassen. Aber: im Falle etwa der Krankenkassenreform ist der Rat der Wissenschaftler durchaus am Platz – freilich kann er auch hier die von den Politikern zu treffende politische Entscheidung nicht ersetzen.

Mir scheint, daß Kuhnke zwei Fragen, die nichts miteinander zu tun haben, in ebenso eleganter wie verführerischer Weise verbunden hat: erstens, ob Professoren nicht zu schade seien als „Eideshelfer für Politiker“; zweitens, ob in der Bundesrepublik nicht eine Furcht vor Interessenten herrscht, die unberechtigt ist und die dazu führt, daß Menschen grundlos zu „Interessenten abgestempelt werden.

„Jeder“, so schreibt Dr. Kuhnke, „belehrt jeden, und jeder verdächtigt jeden.“ Es wäre, so fügt er hinzu, „eine Illusion, anzunehmen, daß von diesem – im gewissen Sinne demokratischen – Kampf aller gegen alle ausgerechnet eine Gruppe ausgenommen wäre und womöglich hoch und erhaben über diesem Treiben stände und dort gehalten werden konnte“.

Kuhnke hat mit der Verkoppelung der beiden Fragen den Eindruck erreicht, als ob er sich gegen den Mißbrauch von Professoren für Interessentengruppen wende, während es ihm im Grunde darum geht – und dies wird gegen Schluß des Artikels ganz offen ausgesprochen – „den Sumpf des Mißtrauens in zäher Arbeit Meter um Meter trockenzulegen, anstatt uns an Strohhalme zu klammern, die uns doch nicht tragen können“. Wobei er offenbar zu den „Strohhalmen“ der Vergangenheit die Generäle und zu denen der Gegenwart die Professoren zählt: „Die heute vielfach genährten Hoffnungen unseres Volkes auf die ‚Professoren‘ würden ebenso enttäuscht werden und für die Vertreter der Wissenschaft Gefahren heraufbeschwören, die nicht geringer wären als die, denen sich auf einmal die Generäle ausgesetzt sahen.“