Paradies ohne Trinkgeld

Eine Notiz, die in Kürze in allen japanischen Hotels und Restaurants zu finden sein soll, schließt mit den Worten: „... alle Extra-Trinkgelder werden von der Geschäftsführung zurückgezahlt.“ Auf Beschluß des japanischen Transportministeriums soll die „ausgestreckte Hand“ nach dem Trinkgeld, die sich erst als Folge des Tourismus auch in Japan eingebürgert hat, gesetzlich verboten werden. „Trinkgeldfreies Paradies“ soll Japan sein, so wie es früher war, als sich Zimmermädchen und Kellner noch voller Entsetzen gegen jeden Penny sträubten, den ihnen dankbare Gäste in die Hand drücken wollten – so wie es auf dem Lande noch heute ist, wo ein Lächeln als Dank genügt. Die Regierung hat sich für ihre Maßnahme nicht zuletzt von den für 1964 vorgesehenen Olympischen Spielen in Japan anregen lassen, die wieder unzählige Touristen ins Land bringen werden. Wieviel andere neue schlechte Manieren mit ihnen kommen (oder von cleveren Leuten für sie ausgedacht werden), das wird sich zeigen.

Schnitz-Baum

Schachmatt auf Reisen

Förster Hansen, Herr im Forstrevier des Ostseebades Kellinghusen, hat ein großes Herz für alle. Zum Beispiel hat er mit Hingabe den 1,9 Kilometer langen „Natur-Pfad“ noch einladender gemacht. Botanisch interessierte Urlauber finden an den schönsten Bäumen und Sträuchern Namensschilder; zoologisch Interessierte können hinter einem Gatter Wildschweine erspähen; für die Kinder wurden ein Kletter- und ein Balancierbaum, Reisigzelte, Schaukeln, eine Wippe aufgebaut. Einen ganz außergewöhnlichen Dienst jedoch hat er den Liebespaaren erwiesen mit einem Baum, genannt Schnitz-Baum. Darin dürfen sich dieselben nun – mit amtlicher Befugnis und ohne sich des Frevels schuldig zu machen – verewigen, öffentlich privilegierte Narretei oder: Es muß alles seine Ordnung haben. So hören wir schon den launigen Reiseleiter vorm Baum ein Halt gebieten und rufen: „Und nun, verehrte Ferienreisende, schnitzen wir uns alle, die wir uns lieben, in den Schnitz-Baum ein...“ Warum nur den Geist? Auch die Muskeln kann das Schachspiel üben. Ein Riesenschachbrett mit „überlebensgroßen“ Figuren, für wartende Reisende und Müßiggänger in den Stuttgarter Bahnhofsanlagen gebaut, lädt dazu ein. Gehfaule Denker empfehlen ein Moped zur Bewältigung der Entfernungen auf dem etwa vier mal vier Meter großen Steinspielfeld. Ein hübscher Einfall und eine Gelegenheit mehr, den Zug zu verpassen oder „schachmatt“ auf Reisen zu gehen.

Gesichert

Eine neue „Energiequelle“ für Campingfreunde und Wohnwagenbesitzer sind „Flaschengasabfüllstationen“. Es gibt sie bereits im gesamten Gebiet der Bundesrepublik. Das Abkochen am Straßenrand wird so, auch wenn die Gasration plötzlich ausgegangen ist, zum Kinderspiel: Der Energieplan in der Tasche weist den Weg zur nächsten „Flaschengastankstelle“. Und dann: kurz tanken und schon wieder abkochbereit! Damit ist dem Campingfreund auch die vorletzte Gefahr eines unvorhergesehenen Ereignisses genommen. Es muß doch zu schaffen sein, seine Erfindungsgabe ganz zu entlasten.