Glaubwürdigkeit ohne papierenen Nachweis zu erreichen, ist schwierig, oft unmöglich. Mündliche Beteuerungen gelten nichts. Wehe dem also, der sich zum Beispiel ohne „Arbeitsnachweis“ in der Hamburger Staatsbibliothek ein Buch auszuleihen gedenkt. Nicht, daß man ihn verdächtigte, er löge, nein: Er wird nur höflichst darauf hingewiesen, daß sein Vorhaben eben unmöglich sei.

So jedenfalls erging es der – noch nicht volljährigen – Tochter eines freien Schriftstellers, als sie sich um ein Buch bemühte. Da sie eine „Arbeitsbescheinigung“ ihres Vaters nicht vorlegen konnte – wie sollte er schon nachweisen, daß er arbeitet! –, seine Unterschrift für diesen amtlichen Fall aber nicht galt, und da sie einen anderen, überzeugenderen Bürgen nicht so schnell zur Hand hatte, wurde sie eben nicht bedient.

Auf ihre Frage, wie es denn zum Beispiel Heinrich Böll und seinem Nachwuchs im gleichen Fall erginge, wurde ihr kurz und bündig mitgeteilt: „Ja, da machen wir eben eine Ausnahme.“ Zwar wurde ihr so nicht die Weisheit des begehrten Buches zuteil, dafür aber „Weisheiten fürs Leben“, nämlich, daß es nur zwei Möglichkeiten gibt: „ordnungsgemäß“ oder sehr, sehr berühmt. Und: „Freiberufler“ sind verdächtig. S.