Unikum

Der Direktor und die Leiter der Abteilungen geben sich die Ehre ...“‚so las man es jüngst auf einer Einladungskarte, derzufolge sich im Bereich der deutschen Hochschule ein zwiefaches Unikum konstituiert hat: Das Institut für Genetik an der Universität zu Köln.

Unikum einmal, weil die Molekulargenetik, der dieses Institut gewidmet ist, an der deutschen Hochschule seit Jahren um so weniger gepflegt wird, je größere Fortschritte diese Disziplin in den angelsächsischen Ländern erzielt. Wer die Entwicklung verfolgt, der weiß, daß nächst der Eroberung des Weltraumes die chemische Entschlüsselung des Vererbungsvorgangs in der Gewebezelle das erregendste und in seinen möglichen Konsequenzen auch gefährlichste Schauspiel ist, dessen Zeugen wir in diesen Jahren, ja Monaten werden. Die deutsche Hochschule nimmt hieran kaum Anteil, da sie strukturell unfähig ist, neuen Disziplinen Raum zu geben, solange sie die Hochschulreform nicht verwirklicht.

Unikum zum anderen Mal, weil dank der uneigennützigen Initiative des Kölner Botanikers Professor Straub die Universität Köln und die Kultusverwaltung Nordrhein-Westfalen mit einem Projekt vorgeprellt sind, welches – die Empfehlungen des Wissenschaftsrates vorwegnehmend – uns allein geeignet erscheint, die Versäumnisse eines Jahrzehntes der Stagnation wettzumachen: Man hat mit großzügigsten Mitteln junge und jüngste Nachwuchskräfte, wie sie immer noch aus den Max-Planck-Instituten und US-Fellowships hervorgehen, unter der interimistischen Leitung des Deutschamerikaners Professor Delbrück herangezogen. Delbrück hat mit seinem Team das erste satzungsmäßig kollegial verwaltete deutsche Hochschulinstitut aufgebaut. Und alles spricht dafür, daß dieses Institut, welches ungeachtet seiner erst in diesen Tagen erfolgten offiziellen Einweihung schön seit Monaten auf vollen Touren arbeitet, den auf Jahre verloren geglaubten Anschluß an das Weltniveau gefunden hat.

Kernreaktor prüft Alibis

Eine Studiengruppe, bestehend aus Vertretern der kalifornischen Polizeibehörde, der US-Atomenergie-Kommission und der General Dynamics Corporation, bemüht sich gegenwärtig um die Anerkennung der Analyse durch Neutronen-Aktivierung als Beweismittel vor Gericht.

Im Gegensatz zum Fingerabdruck-Verfahren, bei dem man ermittelt, welche Spuren der Verbrecher am Tatort hinterlassen hat, versucht man mit der Neutronen-Aktivierung beim Verdächtigen Spuren der Tat zu finden. Will man zum Beispiel feststellen, ob der vermeintliche Täter einen Revolverschuß abgegeben hat, dann reibt man seine Hände mit einem Wattebausch ab. Die Watte wird in einem Kernreaktor mit Neutronen beschossen und dadurch radioaktiv. Wenn auch nur ein milliardstel Gramm Schießpulver in dem Abstrich vorhanden ist, verrät es sich durch sein charakteristisches Gamma-Energie-Spektrum.