DIE ZEIT

„...empfängt Sie Frankreich”

Natürlich, die Kommunisten haben es nicht unterlassen können: zum Empfang des deutschen Kanzlers in Paris haben sie ihre Störtrupps angewiesen, „spontan“ den Schrei: „Pas de Nazis à Paris!“ auszustoßen.

Sowjet-Besuch

Hamburg ist – laut „Rheinischer Merkur“ – der Ort, wo „einige Einzelgänger oder Fraktionen fortfahren, eine Politik der Provokation zu treiben“.

Flucht hinter den Feind

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß hat eine beklagenswerte Art, seine ministeriellen Ungeschicklichkeiten noch durch persönliche Taktlosigkeit zu verbrämen.

Ein neuer „Fall“

Generalbundesanwalt Frankel hat seine Dienstgeschäfte bis auf weiteres niedergelegt. Eine unabhängige Untersuchungskommission soll die gegen ihn erhobenen Vorwürfe genau prüfen.

Durch die Hintertür

Unvereinbar mit dem Grundgesetz – das ist des Bundeskanzlers Meinung über die Rechtsform der Anstalt „Zweites deutsches Fernsehen“.

Sir Harrys „Bombe“

Vor zwei Jahren versicherte Postminister Bevins dem Unterhaus: „Sir Harry Pilkington besitzt alle Eigenschaften, um diese wichtige Aufgabe im öffentlichen Interesse zu erfüllen.

wer....was....wo....warum....

Die Selbstreinigung der deutschen Justiz ist damit weiter gediehen – aber in keiner Weise abgeschlossen. Noch steht nicht fest, was mit jenen Richtern und Staatsanwälten geschehen soll, die nicht freiwillig ausgeschieden sind.

Zensur unter Genossen

In der Sowjetzone steht gegenwärtig der Sowjetfilm Schlacht unterwegs nach dem Roman von Galina Nikolajewa im Mittelpunkt einer großen Propagandakampagne.

Zeitspiegel

Mit Eiern „argumentierten“ einige Engländer gegen Landsleute, die ihrerseits gegen die Anwesenheit deutscher Panzertruppen in Wales protestierten.

Unabhängig – aber wohin führt der Weg?

Überschäumende Freude im einen Lager, Bitterkeit, Melancholie im andern. Während sich die Algerier muselmanischer Religion mit kaum gezügeltem Temperament die endlich gewonnene politische Unabhängigkeit genießen, packen die Algerier europäischer Herkunft weiterhin ihre Koffer und belagern die Flugplätze von Algier und Oran.

Bonns jüngster Staatssekretär

Im Garten des Einfamilienhauses Grüner Weg26 zu Bad Godesberg steht ein Kaninchenstall; hinter dem Maschengitter mümmelt ein silbergrauer Chinchilla bedächtig vor sich hin.

Koalitions -Verdruß

Verdrossen, einer über den anderen verärgert, sind die Bonner Koalitionspartner in die Parlamentsferien gegangen, nachdem sie am vorletzten Sitzungstag in der Fibag-Affäre gegeneinander gestimmt hätten.

„Recht“ in Südafrika

Das schon vor seiner Verkündung berüchtigte „Sabotagegesetz“ Südafrikas (ZEIT Nr. 21) ist jetzt in Kraft getreten. Angeblich zur Abwehr kommunistischer Umtriebe geschaffen, sieht das Gesetz für fast jede Störung der öffentlichen Ordnung Strafen von fünf Jahren Gefängnis bis zum Tode durch Erhängen vor.

Warten auf Moskau

In zwei Ostblockstaaten sind die seit langem angekündigten Parteikongresse verschoben worden: der 12. Kongreß der tschechoslowakischen KP, der im Oktober stattfinden sollte, wurde auf Anfang Dezember vertagt, und der 8.

Die Mauer-Strategie der SED

Insgesamt 44 Jahre Zuchthaus verhängte das Oberste Gericht der DDR am vergangenen Mittwoch gegen drei Westberliner und zwei Ostberliner.

Verfeindet mit den Nachbarn

Auch nach der letzten Debatte im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ist der Kaschmir-Konflikt, der seit vierzehn Jahren das indischpakistanische Verhältnis auf das schwerste belastet, von einer Lösung so weit entfernt wie in all den Jahren zuvor.

Düsendiplomatie in Mexiko

Die mexikanische Nationalhymne ist dissonant. In die weiche, harmonische Melodie schmettern plötzlich Trompeten, deren harte Kadenzen ein ganz anderer Komponist geschrieben zu haben scheint.

Trügerischer Friede?

In der Nacht zum Sonntag fielen Schüsse im Hof des Gefängnisses von Usumbura, der Hauptstadt des neuen afrikanischen Staates Burundi.

Beamte auf Abwegen?

Das Personal der Deutschen Bundespost wird den Betriebsablauf nicht ‚bewußt‘ durch ‚Dienst nach Vorschrift‘ erschweren, sondern es wird seine Pflicht tun.

„Zitieren Sie mich ruhig!“

Ich habe daher wenig zu meiner Entschuldigung vorzubringen. Allenfalls eines: Meine öffentlich, auch in den USA, in England, Frankreich, Spanien und Italien gedruckt verbreitete Behauptung: „Ich liebe die Deutschen“ zwingt mich dazu, mich mit ihnen zu identifizieren.

Schauplatz Berlin

Alles scheint sich nach der Münchner Konferenz wunderbar beruhigt zu haben. Man trinkt wieder täglich seinen Kaffefe bei Schmitt, ärgert sich über Kleinigkeiten und ist geneigt, im Alltag auf- und unterzugehen.

Zeitfragen: Zum Lachen oder Weinen?

Es ist, finde ich, ein sehr ernstes Zeichen, daß wir uns heutzutage schon so diebisch freuen, wenn zur Abwechslung einmal eine Maschine einen Blödsinn macht, nicht nur immer wir.

Ludwig Marcuse:: Othellos Indizien-Beweis

Die Theaterkritik pflegt drei Kategorien von Dramatikern verschieden zu behandeln. Klassiker werden kaum besprochen; Analyse und kritische Wertung gibt es nur für die Aufführung.

Kleiner Kunstkalender

Bestiarium meint nicht das mittelalterlicheTierbuch, den „Physiologus“, nicht Hagenbecks Tierpark, nicht Brehms Tierleben, sondern den Zoologischen Garten eines Imaginären Museums.

Kassiber

Der Wärter, ein dürrer, grauhaariger Mann mit langem Schnurrbart, ging neben mir durch den halbdunklen Gang. Vor einer Tür ohne Klinke blieb er stehen, öffnete mit dem Drücker und sagte: „Dreißig Minuten.

Wie sich die Fragen gleichen

Die Krise, in der sich die Freie Demokratische Partei seit langem befindet, hat tiefe, in ihrer geistigen Struktur wurzelnde Ursachen.

Zeitmosaik

Die ersten drei Bände einer Sammlung ausgewählter Werke Bertolt Brechts (neben fünfzehn Stücken theoretische Schriften) werden in Kürze in der Sowjetunion erscheinen.

Was gilt die deutsche Literatur im Ausland ? (9): Die Italiener vermissen die Weltanschauung

Die von Goethe verkündigte Weltliteratur ist heute da. Ob sie seinen Forderungen entspricht, das ist eine andere Frage. Es kann nicht die Rede davon sein, behauptete Goethe, „die Nationen sollen überein denken, sondern sie sollen nur einander gewahr werden, sich begreifen, und wenn sie sich wechselseitig nicht lieben mögen, sich einander wenigstens dulden lernen“.

Wolfgang Ebert:: Wege zu Kraft und Schönheit

Wer mich heute sieht, der glaubt nie und nimmer, daß ich einmal dünn und lang war wie eine Bohnenstange. Meine Mutter vermutete ganz verschreckt, daß meine inneren Organe wohl nicht ganz mitgewachsen sein könnten, und darum zog sie mit mir von einem Arzt zum anderen, die ihrer Ansicht nach aber allesamt nichts taugten, weil sie erklärten, mir wie auch meinen inneren Organen fehle gar nichts, und darum sei weder mir noch ihr zu helfen.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT Werke und Schicksale von Le Corbusier, Mies van der Rohe und Frank Lloyd Wright; die Auseinandersetzung dreier grundverschiedener Neuerer mit einer Welt, die lieber beim alten bleibt; Niederlagen, Siege und Hoffnungen der modernen Architektur; eine Menge Information über Vorgänger, Lehrmeister, Kollegen, Art Nouveau, De Stijl, Bauhaus und sehr viel über unsere Welt und was sie in den letzten sechzig Jahren durchgemacht hat.

Mein Buch des Monats: Betroffenheit und schwebende Anmut

Es geht heute nichts mehr verloren; kein unbekannter Hölderlin steigt, verspottet, in die Metro; kein verkleideter Büchner wandert vergeblich über die Märkte; kein Stifter bittet in der Mansarde um Stundung der Miete.

Unser Seller-Teller

Auffällig an diesem Seller-Teller, der in seiner Mischung jedem etwas bietet, ist eigentlich nur zweierlei: daß Boschkes Buch über die Entstehung der Welt und des Lebens, im April sofort an erster Stelle, im Mai schon wieder subliminal und hier nicht mehr verzeichnet, von neuem erscheint; und vor allem, daß ein nun wirklich noch ziemlich junger deutscher Autor, Debütant dazu und Anhänger einer Form, der im Buchhandel allgemein wenig Popularität nachgesagt wird, sich in wenigen Wochen durchgesetzt hat – und das, obwohl es ganz mit rechten Dingen zuging und obwohl seinen skurrilen, sich fortschreitend verspinnenden Geschichten alle reißerischen Qualitäten abgehen: die Rede ist von Reinhard Lettau.

Die Bekämpfung der Ganoven

Verbrechensbekämpfung ist ein weites Feld – eine „unabsehbare Front, von der Gesetzgebung bis zur nachgehenden Fürsorge, von der Sozialpolitik bis zur Tiefenpsychologie“ (Richard Lange).

Herrin des Palazzo dei Leoni

– schildert sie mit einer ebenso drolligen wie originellen Schnoddrigkeit ihre aus Deutschland nach Amerika eingewanderte und dort zu großem Reichtum gelangte Familie.

ZEIT–Berichte aus der Forschung

Alle Witzeleien seiner Kollegen haben den australischen Genetiker Glen McBride nicht davon abhalten können, zwei Jahre lang täglich viele Stunden in Schweineställen zu verbringen, um die Sozialordnung der Ferkel zu studieren.

Wozu Atomkraftwerke?

Die Briten haben ernst gemacht mit der friedlichen Nutzung der Atomenergie. In diesen Tagen soll das zweite kommerzielle Atomkraftwerk, die Reaktorstation in Bradwell, Essex, an das Elektrizitätsnetz des Landes angeschlossen werden.

Tornado – unbezwungene Naturgewalt

Ein französischer Meteorologe von der Universität Clermont, Dr. Jean Dessens, hat kürzlich in der englischen Zeitschrift „Nature“ über eine sonderbare Entdeckung berichtet, die er im Verlauf von Versucher, in den Pyrenäen machen konnte.

Theater

„Ganz am Ende der Spielzeit brachte die Deutsche Oper eine Neuinszenierung, deren Wert vieles übertrifft, was die vergangenen Monate auf die Bühne stellten.

Funk

So etwas gab es bei uns noch nie! Die Originalproduktion eines Hörspiels in einer uns völlig fremden Sprache – japanisch – wurde mit sparsamen deutschen „Zwischentiteln“ gesendet.

Fernsehen: Moralitäten am Mittwoch

Die westliche Welt ist ziviler geworden. Als wir Schulbuben waren, hatten wir uns selbst und die Hand zu erheben, wenn Haydn und Horst Wessel, brüderlich vereint, aus dem Lautsprecher kamen.

„Goldener Bär“ für England

Den „Goldenen Bären“ erhielt der britische Film „Nur ein Hauch Glückseligkeit“ von John Schlesinger. Den „Silbernen Bären“ für die beste Regie bekam der italienische Regisseur Francesco Rosi für „Der Fall Salvatore Giuliano“.

Wall Street traut dem Frieden nicht

Die letzten Wochen haben gezeigt, wie abhängig alle wichtigen Aktienmärkte der Welt von der New Yorker Börse geworden sind. Bislang erwiesen sich Hoffnungen auf eine selbständige „Linie“ der europäischen Börsen als falsch und verfrüht.

„Wir sind hier nicht im Bundestag...“

Der Fortschritt war unverkennbar: Statt der wackligen Stühle in einer halbfertigen Fabrikhalle standen gepflegte Sitzmöbel zur Verfügung, statt der Limonade aus Tüten konnten die Aktionäre zwischen gekühltem Fruchtgetränk und heißem Kaffee (mit oder ohne Zucker) wählen, und das Podium, auf dem vor dezent grauen Vorhängen Vorstand und Aufsichtsrat saßen, war mit Hunderten von gelben und roten Rosen gesäumt.

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