Als die größte deutsche Zechengesellschaft, die Gelsenkirchener Bergwerks-AG, Essen, im vergangenen Jahr ihre Dividende auf 10 % – auf das vergleichsweise sehr hohe Kapital von 485 Mill. DM – heraufsetzen konnte, sah es eigentlich so aus, als hätte das Unternehmen die Kohlenkrise gemeistert. Ein planmäßiger Verzicht auf die unrentable Kohlenförderung – der sich in einer weit über dem Durchschnitt liegenden Leistungssteigerung in den Zechenbetrieben niederschlug – und ein forcierter Ausbau der anderen Konzernbereiche, der Kraftwirtschaft und der Mineralölverarbeitung versprachen auch die Gewähr dafür zu sein, daß die Vorjahrsdividende keine Eintagsfliege blieb. Die Erfolgsbilanz der GBAG, der Lohn eines echten unternehmerischen Konzeptes zur Anpassung an die Strukturänderungen am Energiemarkt ist in der Tat sehr eindrucksvoll, und dennoch ist die Rechnung nicht ganz aufgegangen; denn der heute zu zahlende Preis für die bessere Zukunft ist nicht eben klein. Für 1961 muß jetzt der Essener Energie-Konzern die Dividende auf 9 % senken und, um den dafür erforderlichen Betrag „über“ zu haben, die Rücklagen um 29,2 Mill. DM erleichtern. Zwar sind „alle zulässigen Möglichkeiten zur Minderung des steuerpflichtigen Einkommens vorweg genutzt worden“ – und dafür waren ganz ansehnliche Summen aufzubringen –, aber das ändert schließlich nichts an der Tatsache, daß die Dividende zu einem guten Teil aus den Reserven gezahlt wird. Freundlicher wird das Bild indessen sogleich, wenn man berücksichtigt, daß die Sonderbelastungen, die zu diesem Schritt geführt haben, nicht von ewiger Dauer sein werden.

Der Ertragsrückgang, den die GBAG im Geschäftsjahr 1961 zu verzeichnen hat, ist, wie die Verwaltung erklärt, ausschließlich auf der Kohlenseite entstanden. Zum erstenmal seit Jahren sind die Förderkosten wieder – um 5 % – gestiegen. Höhere Löhne und Gehälter sowie der Mehrverbrauch an Material bei höheren Preisen haben ihren Tribut gefordert. Ob sie indessen den weiteren eindrucksvollen Leistungsanstieg in den Gelsenberg-Zechen völlig aufgezehrt haben, ist eine durchaus offene Frage; denn gleichzeitig ist das Bergbauergebnis durch Teilwertabschreibungen und Stillstandskosten der stillgelegten Bochumer Zechen erheblich belastet worden. In den als außerordentlicher Aufwand verrechneten Sonderbelastungen des Konzernergebnisses von insgesamt 59 Mill. DM – denen nur 30 Mill. DM außerordentliche Erträge gegenüberstehen – stecken 23,3 (31) Mill. DM Teilwertabschreibungen und 13 (9,8) Mill. DM Stillstandskosten. Das ist der Preis, den das Unternehmen für die Anpassung an den Markt zunächst einmal zahlen muß. Ab 1963 werden diese Beträge jedoch erheblich zusammenschrumpfen und dann auch die Ergebnisrechnung der Zechen wieder entscheidend entlasten.

Immerhin ist der Anteil des Bergbaus an dem auf 55 (90) Mill. DM zurückgefallenen erwirtschafteten Ergebnis des Konzerns auf 40 (69) % gesunken. Auf Gelsenberg Benzin entfallen 44 (22) % und auf den Handel 16 nach 9 %. Die Ergebnisverschlechterung bei der Kohle konnte allerdings im Ölgeschäft – trotz anhaltender Expansion – nicht ausgeglichen werden. Sowohl beim Heizölabsatz als auch beim Benzin waren weitere Erlöseinbußen zu überwinden. Selbst wenn man berücksichtigt, daß in dem Ergebnis von Gelsenberg Benzin wiederum 14,6 (14,2) Mill. DM für die Erdölsuche in Libyen verrechnet worden sind, festigt sich erneut der Eindruck, daß auch das Ölgeschäft kein reines Honigschlecken ist.

Guter Hoffnung ist allerdings die Essener Verwaltung, daß sich das einmal, und zwar in absehbarer Zeit, ändern wird. Wie Vorstandsvorsitzer Bergassessor Hans Dütting erneut vor der Presse erklärte, werden die Gewinne in der Mineralölindustrie nahezu ausschließlich beim Rohöl erzielt. Dütting nannte Gewinnmargen von 30 bis 40 DM je Tonne. An diesem süßen Wein glaubt die GBAG sich auch bald laben zu können. Die zusammen mit der Mobil Oil of Kanada betriebenen Erdölbohrungen in Libyen – für die Gelsenberg bisher 66 Mill. DM aufgewendet hat – haben in diesem Frühjahr zwei gute Funde ergeben. Man habe zu berechtigten Hoffnungen Anlaß, daß weitere Funde gemacht werden, und voraussichtlich könne schon 1963 eine Testförderung aufgenommen und mit ersten Lieferungen von 150 000 t an Gelsenberg Benzin gerechnet werden. Das Libyen-Abenteuer sei damit günstiger verlaufen als man zwischendurch einmal geglaubt habe, hieß es in der Pressekonferenz.

Zweifellos steigen die Ertragschancen des Unternehmens mit der Aussicht auf eine eigene Rohölbasis. Die anhaltende Expansion der Mineralöltochter, die hinsichtlich der Ertragsentwicklung gewissermaßen auch als Vorleistung anzusehen ist, kann sich dann bezahlt machen. Aber auch für die Zechengruppe sieht der Ausblick – wenn auch noch nicht kurzfristig – besser, aus als die Gegenwart. Wenn die hohen Stillegungskosten einmal geschluckt sind, ist der Weg wieder frei für eine echte Ertragsrechnung, und dabei braucht die GBAG gewiß keinen Vergleich zu scheuen. Nmn.