Reisen macht süchtig. Wer erst einmal auf den Geschmack gekommen ist, möchte immer mehr und immer weiter reisen. Wilhelm Scharnow, der sehr früh ein passionierter Reisender wurde, hat aus dieser Begeisterung einen Beruf gemacht. Mit 28 Jahren gründete er im Jahre 1925 in Bremen ein Reisebüro, heute, mit 65 Jahren, leitet er eines der größten Reiseunternehmen, das organisierte Urlaubsreisen anbietet. Sonderzüge, die seinen Namen tragen, fahren durch Europa und bringen Millionen von Menschen zu ihren Ferienzielen. Er ist Initiator der Gesellschaftsreise im großen Stil. Seit aber der Anteil der Gesellschaftsreise mit nur zehn bis fünfzehn Prozent am gesamten Fremdenverkehr viel geringer geworden ist, als man gemeinhin annimmt, hat das Scharnow-Unternehmen in überquellender Fülle ständig Urlaubsvorschläge neuen Stils produziert. Wer den Schwund persönlicher Entfaltungsmöglichkeiten in unserer Zeit beklagt, wird durch den steilen Aufstieg dieses Unternehmens widerlegt.

Wilhelm Scharnow hatte die Umsicht und das Glück, sich in dem großen „Haus der Reise“ in Hannover mit einem ideenreichen Mann, mit Walter Kahn, zu liieren; beiden Männern ist gemeinsam, daß sie dynamischen Geschäftssinn mit missionarischen Träumen vereinen. Die Scharnow-Reisen GmbH betont bei jeder Gelegenheit ihre besondere Verantwortung für die Erholungsuchenden, sie legt großen Wert auf Auswahl und Anleitung der Reiseleiter. Das Unternehmen organisierte auch seit langem die sogenannten „Hobby-Reisen“, und sie hat in Übereinkunft mit der evangelischen Kirche im vorigen Jahr zum erstenmal ein Sonderangebot für Gemeinschaftsferien evangelischer Kirchengemeinden gemacht.

Auch für 1962 und 1963 wurde schon wieder Neues angeboten mit sehr fernen Zielen, denn in der Bundesrepublik, die immer noch 56 von je 100 deutschen Urlaubsreisenden wählen, gibt es kaum mehr einen Platz, den man nicht durch Scharnow oder ein anderes großes Reiseunternehmen erreichen könnte. Selbst entlegenste Dörfer wurden von den Unternehmen aufgespürt, einbezogen und oft in ihrem Charakter völlig verändert. Das neue Programm „Deutsche besuchen Deutsche“ wurde seit Jahren sorgfältig vorbereitet: es ist der gefühlsbetonte Versuch, Urlaubern einen vierzehntägigen Aufenthalt als Gast bei deutschen Farmern im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika zu vermitteln, daran angehängt ist noch eine 14 Tage lange Safari von Windhuk in das Etoscha-Wildschutzgebiet. Start am 1. September. Auch die Erschließung der USA als Touristenland für Europäer, die von den Amerikanern tatkräftig begonnen wurde, wird das Scharnow-Unternehmen wesentlich fördern. Es hat vom 1. Oktober an Gruppenreisen zu erheblich verbilligten Pauschalpreisen zunächst nach New York und Florida ausgeschrieben.

Mutmaßungen über Wilhelm Scharnow wird es in diesen Tagen viele geben, um seine Handlungen und Motive einzukreisen. Der von seinem eigenen Unternehmen herausgegebene Geburtstagsartikel liest sich wie ein Hofbericht. Nehmen wir einen Satz daraus wörtlich: „Wilhelm Scharnow ist zwar Kaufmann, aber von der Art, die dienen und nicht nur verdienen will.“ E.