„Sehnsucht der Frauen“ (Schweden; Verleih: Atlas): Wie eine Synopsis der früheren Werke „Schiff nach Indien“, „Durst“, „An die Freude“ und „Sommerspiel“ und zugleich wie eine Vorwegnahme der späteren Arbeiten „Sommer mit Monika“, „Eine Liebeslektion“ und „Frauenträume“ mutet dieser 1952 entstandene Film Ingmar Bergmans an. In vier Episoden, am Fall vier verheirateter Frauen und eines jungen Mädchens, das noch an die grenzenlose Liebe glaubt, belegt Bergman seine (trotz allem nach Hoffnung trachtende) resignierende Einsicht, daß jede Sehnsucht in Entsagung mündet, daß dem frühen Verlangen nach Glück die spätere Bescheidung mit dem Kompromiß folgt. Die Liebesaffären und Ehegeschichten der vier Frauen, Meisterstücke der Rückblende, legen Zeugnis dafür ab. Die Flucht des Mädchens mit seinem Geliebten in ein Reich scheinbarer Freiheit wird durch den Kommentar eines der enttäuschten „Erwachsenen“ als romantisch-ironisch definiert. Aller beharrlich geübten privatesten Psychologie zum Trotze macht dieser Film dennoch Frustration und Entfremdung, und zwar nicht nur im Bereich des Erotischen, als grundsätzliche gesellschaftliche Zustände kenntlich. Er tut es vor allem da, wo Bergman die thesenhaften Dialoge meidet und den scheinbar puren Ironiker hervorkehrt, Situationen erfindet, die einen glücklichen Ausgang vermuten lassen und sich doch nur als elegantere Formen des alten Leerlaufs erweisen.

„Brot und Blut“ (Spanien; Verleih: MGM): Blubo-Assoziationen nicht verschmähend, verkehrt der deutsche Titel das Thema dieses entmythologisierenden Films ins Gegenteil. Juan Antonio Bardem ist jener kritische Moralist geblieben, den wir aus „Hauptstraße“ und „Tod eines Radfahrers kennen. Ist es bedauerlich, daß „Die Rache“, der ohnedies zensurgestutzte dritte Teil seiner Trilogie, uns noch nicht erreichte, so beweist das, was wir jetzt sehen, daß Bardem nicht versöhnlicher geworden ist. Voll Trauer und Zorn wird die Geschichte der Toreros Reyes und Alvarez erzählt, die mehr als den Stier ihren Manager Marcos fürchten. Er nimmt sie aus und spielt sie hoch, solange ihm und seinen korrupten Kreaturen das Glück lacht. Er läßt sie fallen, wenn sein Profit fraglich wird. Im Augenblick, da Alvarez an sein Privatleben denkt und sich entgegen den Wünschen des Managers mit seiner Geliebten trifft, wird er ebenso abgehängt wie vor ihm schon Reyes, der angesichts seines letzten Kampfes die Nerven verlor. Doch während nun Alvarez ohne des Managers Rückendeckung in die Arena tritt, wird Marcos vom rachetrunkenen Reyes erdolcht. Nimmt sich das im Moment wie ein rechtes Melodram aus, so umgreift es zugleich veristisch die Pole ratloser Resignation und nutzloser Revolte, zwischen denen sich das Leben und Handeln der Helden vollzieht. Doch kennt der Film noch eine andere Ebene. Dem Toren. Reyes wird der Schlachthofarbeiter Paco entgegengestellt, der nicht auf die Gunst der Autoritären und intriganten setzt und nicht Torero sein möchte. – Format hat sich Bardem diesmal an seinem Landsmann Buñuel orientiert. Doch weiß er mit den Möglichkeiten des Makabren, die der Fabel sehr wohl innewohnen, noch nicht immer überzeugend umzugehen. rpk