NORDDEUTSCHER RUNDFUNK

4. Juli, das Hörspiel:

Anbruch der hundert Tage: Napoleon verläßt Elba und landet in Südfrankreich. Die blauweißrote Lawine wächst im Zustrom der überlaufenden Bourbonentruppen und rollt unaufhaltsam gen Paris. Bei Luwig XVIII. eintreffende Depeschen künden vom nahenden Unheil und versetzen den erschlafften Hof in einen gemäßigten Alarmzustand.

Hans Kyser, dessen Hörspiel „Ankommt eine Depesche“ zuerst 1931 in Berlin gesendet wurde, entwirft die turbulente historische Szenerie mit überraschend aktuellen Bezügen; die Akteure der Handlung werden aus den üblichen heroisierend-verklärenden Bereichen herabgeholt in eine geradezu lächerliche Mittelmäßigkeit. Hier sind gewichtige geschichtliche Vorgänge in lockere, balladeske Formen gebracht worden, in denen eine reimende Kommentatorin und ein „Moniteur“ ebenso ihren Platz finden wie der leicht vertrottelt wirkende korsische Demagoge und der Pariser Straßenmob.

Regisseur Fritz Schröder-Jahn zog alle Register funktechnischer Möglichkeiten, wobei er mit sicherer Hand die ironischen Akzente zu verteilen wußte; hin und wieder geriet er allerdings in die Nähe des allzu Geräuschvollen. kr