Mit der Wirklichkeit kommt selbst eine relativ blühende Phantasie nicht immer mit. Da dachte ich. mir doch schon seit langem, wie nützlich es wäre, wenn man sich nicht nur wie bisher gegen Regen im Urlaub versichern könnte, sondern auch gegen Kummer in der Liebe. Und dann lese ich in der Süddeutschen Zeitung, das gäbe es schon, und zwar in England. Dort können sich auch junge Männer mit 12 000 Mark dagegen versichern, daß ihnen auf der Urlaubsreise nach Italien nicht die Braut, die ihnen eben noch ihre Zuneigung versichert hatte, von einem glutäugigen Italiener abspenstig gemacht wird. Wie im Vergleich dazu die Prämiensätze bei Urlaubsreisen in andere Länder (sagen wir: Grönland, Schottland oder die Oberpfalz) liegen, erfuhr man leider nicht. Übrigens: diese Versicherungen beziehen sich nur auf Verlobte. Von Ehepaaren ist nicht die Rede. Vielleicht scheut hier selbst die erfindungsreichste Versicherung vor dem Risiko zurück. Aber gerade auf diesem Gebiet sehe ich noch enorme Möglichkeiten.

Zunächst könnten sich Junggesellen, die sich ihrer Sache nicht mehr so ganz sicher fühlen, dagegen versichern, von Eheaspirantinnen harpuniert und dann aufs Standesamt geschleppt zu werden. Kommt es aber doch zum Äußersten, läßt sich das Geschick nicht mehr abwenden, sollte man sich wenigstens gegen einen Reinfall schützen können. Mit einer obligatorischen Haftpflichtversicherung gegen Schäden, die man dem anderen bei Verkehrsunfällen zufügt, ist es leider nicht getan. Hier kommt man wahrscheinlich mit einer kostspieligen Vollkaskoversicherung gegen Totalschäden noch am billigsten weg. Auch gegen Fahrerflucht, hier meist im Sinne von Beifahrerflucht, sollte man sich versichern lassen. Und natürlich auch dagegen, daß besagter Beifahrer sich nicht nur durch ständiges Reden und durch Kritik an den Fahrkünsten des Fahrzeughalters mißliebig macht, sondern sich dann auch noch – obwohl höflich dazu aufgefordert – energisch weigert, das Fahrzeug zu verlassen.

Auch wenn man nicht gleich an die beute- und sonst angeblich so lustigen Italiener denkt, kann einem im Urlaub allerhand passieren, wogegen man sich nach Möglichkeit wappnen oder besser noch: versichern sollte. Da ist man jahrelang in einen friedlichen, abgelegenen Ort im Gebirge gefahren, den man vor seinen Bekannten so geheimhielt, daß man sogar darauf schweren Herzens verzichtet hatte, von dort Ansichtskarten zu verschicken – und wie man wieder mal dort ankommt, da findet seit neuestem ein Jazz-Festival mit anschließendem Ball-Krawall statt. Oder der Ort ist über Nacht von Menotti für Opernfestspiele entdeckt worden, und allabendlich kann man wegen „Aida“ oder„Lucia di Lammermoor“ nicht einschlafen.

Oder man läßt sich dagegen versichern, im Urlaub Bekannte, gar Kollegen oder noch schlimmer: seinen Chef zu treffen. Oder dagegen, daß einem Bekannte, nachdem man eben Aquanta di bagno stolz für sich ausfindig gemacht hatte, versichern, dort führen sie schon seit fünf Jahren nicht mehr hin, weil der Ort so nachgelassen habe. Oder dagegen, daß man dort, selbst nicht unbegleitet, die eigene Frau trifft, die ihrerseits, was man gar nicht schätzt, ebenfalls nicht unbegleitet ist.

Wenn man nur daran denkt, wie viele Pannen tagtäglich möglich sind, gegen die man nicht versichert ist, kann einem angst und bange werden. Daher rührt ja wahrscheinlich auch ein Teil der Unsicherheit in dieser Welt. Das hört sich so schön an: Lebensversicherung – und soll doch gar nicht wörtlich genommen werden. Wo könnte sich einer dagegen versichern, daß sein ganzes Leben mißrät?

Diese Versicherung gibt es noch nicht und gewiß auch nicht eine andere – nämlich eine gegen sich selbst, gegen die eigenen Dämlichkeiten. Und gerade hier würde manch einer gewiß hohe und höchste Prämien nicht scheuen.