HEIDELBERG (Ottheinrichsbau im Heidelberger Schloß):

„Weisgerber“

Das Werk von Albert Weisgerber, geboren 1878 in St. Ingbert, gefallen 1915, ist noch nie so umfassend gezeigt worden wie jetzt in Heidleberg. Fast 150 Arbeiten (die Hälfte des überhaupt Vorhandenen) sind bis zum 15. Oktober ausgestellt. Theodor Heuss schreibt über den Maler: „Die erste Begegnung – ein Faschingsabend in München, 1905... Wenn ich ihn in München wiedersah, waren es die Sebastian-Bilder, waren es biblisch-religiöse oder mythologische Stoffe, die ihn reizten, nein, quälten, bewegten, begeisterten; in wieviel Studien oder farbigen Skizzen bemühte er sich um eine Amazonenschlacht...“ Der Begriff des deutschen Vorkriegsexpressionismus ist zu eng für diese ausgreifende Begabung. In der (abgebildeten) Kompositionsskizze zur „Rast der Amazonen“ ist nicht nur barocke Bewegtheit, sondern auch das Erbe von Marées, die grobe Gelassenheit, die klassische Attitüde. In der „Vorstadt mit Sitzender Frau“ von 1914 ist schon Carrá und die pittura metafisica vorweggenommen. Georg Poensgen, der Direktor vom Kurpfälzischen Museum Heidelberg, hat die Ausstellung arrangiert. Sie müßfe dem Maler einen festen Platz nicht unter den Avantgardisten, sondern unter den bedeutenden deutschen Malern nach 1900 geben.

BASEL (Kunsthalle): „Arp“

Vor zwei Jahren hatten wir in Deutschland eine grobe Arp-Ausstellung, die durch viele Museen wanderte. In diesem Jahr, zu seinem 75. Geburtstag am 16. September, wurde eine noch größere Ausstellung veranstaltet. Sie hat in Paris angefangen und ist jetzt, leicht abgewandelt, bis Mitte Juli in Basel. Dann geht sie weiter nach Kopenhagen, Stockholm und London. Sie umfaßt auch frühe Arbeiten, aus der Dada-Zeit, Kollagen, Reliefs, hauptsächlich aber das plastische Werk, die Skulpturen in Marmor und Bronze aus den letzten 20 Jahren. Jean Arp oder Hans Arp, in Strasburg geboren, zweisprachig aufgewachsen, ist auch als Bildhauer Humorist und Mystiker. Er bildet plastische Träume, die vom Anorganischen ins Organische und weiter ins Psychische wachsen und wuchern: Pflanzengriffel – Tanzende Blume – Frucht eines Steines – Träumender Stern – Wolkenhirt, Die Formen sind weich, geschmeidig, pflanzenhaft. Der späte Arp ist gar nicht aggressiv, sondern für Harmonie, Versöhnung zwischen Naturform und Abstraktion. „Die Kunst soll sich in der Natur verlieren... Wie Wolken fliegen die Gestalten der Welt ineinander“, schreibt Hans Arp, der Dichter der „Wortträume und schwarzen Herzen“, in „Unser täglicher Traum“. g. s.