Er mußte jeden Augenblick kommen. Es war schon nach halb zwölf. Meist kam er schon um elf. Einmal ganz kurz, das ist sein Klingelzeichen. Ich hätte mir längst eine neue Klingel anbringen lassen, doch er hatte gesagt: Ich mag die alten viel lieber, da muß einer erst den richtigen Punkt finden. Und er erzählte, es gäbe in seinem Bezirk mindestens noch zwanzig alte Klingeln im Parterre, wo er mal am oberen Rand des Knopfes, oder am unteren, oder zeitlich drücken müßte, um einen vollen Ton zu bekommen.

Und wie er immer ging ... Ob er die Knie jemals richtig durchdrückte? Seine Schuhe mußten zehn Jahre halten, denn er setzte die Hacke und Sohle gleichzeitig auf.

Vielleicht war er im Urlaub? Und sein Vertreter mußte sich erst einarbeiten. Aber ich hatte zu ihm gesagt: Wenn Sie in Urlaub gehen, dann sagen Sie Ihrem Vertreter, er solle die Briefe einfach unter der Tür durchschieben und nicht erst klingeln. Und unter der Tür war nichts durchgeschoben worden.

Einmal hing aus der Seite seiner Tasche der Arm einer Puppe heraus. Sie war mit der Paketpost gekommen und beschädigt worden, aber er brachte sie, obgleich das der Paketzusteller hätte machen müssen, und er entschuldigte sich bei dem kleinen Mädchen, dem die beschädigte Puppe gehörte.

Die Verkäuferin vom Schreibwarengeschäft nebenan hatte mir erzählt: „Er könnte die Briefe ja ruhig irgendwo hinlegen, aber er übergibt sie mir persönlich, und wenn ich einmal viel zu tun habe, legt er sie auf die Kasse und sagt noch extra, wie viele es sind.“

Jetzt klingelte er. „Es ist heute später geworden“, sagte er.

Auf seinem linken Ärmel war ein Posthorn eingestickt.