KASSEL (Staatstheater):

„Die Räuber“, Oper von Giselher Klebe

1957 hat sich der damals 32jährige Giselher Klebe mit seinem Opernerstling, der wörtlichen Vertonung von Schillers gekürztem Drama, als Talent der Musikbühne empfohlen. Doch seit der Uraufführung in Düsseldorf waren „Die Räuber“ als Oper nicht nachgespielt worden. Neue Erfahrungen Klebes mit dem Metier (ein Einakter „Die Ermordung Cäsars“, die Kleist-Oper „Alkmene“) bewogen den Autor, der jetzt Kompositionslehrer an der Detmolder Musikakademie ist, zur Neufassung seines ersten Bühnenwerkes. Sie beschränkte sich auf die Kürzung der Rezitative, Betonung des Gesanglichen durch zwei neukomponierte Arien und auf die technische Vereinfachung allzu komplizierter Partien. Nach dem Urteil der Stuttgarter Zeitung sind Klebes „Räuber“ dadurch „für das Repertoire höchst brauchbar“, nach Ansicht der FAZ „nicht repertoirefähiger geworden“. Der Kritiker der FAZ hätte „eine fundamentale Umarbeitung der Musik zu den drei ersten Akten“ gewünscht, weil „nicht zu überhören war, daß dieses Werk in einem kompositorischen Frühstadium. begonnen worden ist“, daß ihm „eine präzise Einschätzung der Wahrnehmbarkeit und Wirkung komplizierter Tonstrukturen... noch gefehlt hatte“. In der Süddeutschen Zeitung wird an Hand der Kasseler Premiere darauf hingewiesen, daß in der vereinfachten Fassung „dieses Werk auch von kleineren Bühnen überzeugend bewältigt zu werden vermag“. Ein junger Kapellmeister, Theodor Greß, bot seine erste eigene Einstudierung. Reinhold Schubert (Regie) „ließ im Stil eines sozusagen verfremdeten Verdi agieren“. (Bühnenbilder: Ekkehard Grübler). „Die beachtliche Aufführung fand den Beifall des Premierenpublikums, den sie verdient hatte.“

DARMSTADT (Landestheater):

„Heinrich der Beglücker“ von Julius Meier-Graefe

Das einzige Theaterstück des bedeutenden Kunsttheoretikers hatte in Frankfurt am Main 1918 seine Ur- und Letztaufführung erlebt. Die Ausgrabung durch die literaturkundige Darmstädter Intendanz weckte – nach dem Bericht der Frankfurter Rundschau – die Erwartung, es „werde ein sensationeller Vorläufer der Ionesco und Genossen aus der zweiten Taufe gehoben“. Gerhard F. Herings Inszenierung „schien zunächst ganz angestrengt zu beweisen, das Spiel von ‚Heinrich dem Beglücker‘ sei eine perfekte Studie des absurden Theaters“. Doch der Autor selber habe diese Konzeption zerschlagen. Günther Rühle (FAZ) sieht den Standort Meier-Graefes in der Nähe Carl Sternheims und das Verdienst Herings darin, daß „der Gegensatz der Figuren und ihrer Substanz zu ihrer Sprache und ihren Posen“ inszeniert worden sei: eine Quelle von Komik. Das Stück richtet sich „aus dem Widerspruchsgeist von 1917 gegen die Beglückerideologie der Generaldirektoren, denen sich die Schönheit der Welt im Schmelzofen symbolisierte“. Meier-Graefes Heinrich ist ein solcher Beglücker, in allen drei Akten immer derselbe. Drei Frauen dienen „als Vehikel für die Bloßstellung des Beglückers“ (Dinah Hinz, Lizzi Reisenberger und Sonja Karzau). Siegfried Wischnewski zeichnete das „monochrome Porträt eines Mannes, dem das industrielle Pathos den Mund füllt und den Leerlauf seiner Seele enthüllt“. Jac