Von Claus Bartholdt

Es ist kein Geheimnis mehr: Die deutschen Werften wollen weitere Hilfe vom Staat. Die Werften glauben, ohne weitere staatliche Hilfe dem bevorstehenden Konkurrenzkampf gegenüber dem in anderen Ländern mehr oder weniger subventionierten Schiffbau nicht mehr gewachsen zu sein.

Es war eine sorgfältig vorbereitete Aktion. Zunächst stieß der Verband Deutscher Schiffswerften auf seiner Jahreshauptversammlung vor Wochen den einen offiziellen Alarmruf aus. Es folgten die Erklärungen von Vorstandsmitgliedern größerer Unternehmen auf Hauptversammlungen und danach die Veröffentlichung preisgünstiger ausländischer Angebote für Neubauten. Schließlich trafen sich in Bremen die Wirtschaftsminister der vier Küstenländer zu Beratungen.

Die Minister prüften unter anderem die Frage, ob es zur Zeit angebracht sei, eine Enquête über die wirtschaftliche Lage der Werften zu erarbeiten. Wie der Bremer Wirtschaftssenator Karl Eggers erklärte, setzt eine gemeinsame Aktion der vier Küstenländer zugunsten, der Werftindustrie allerdings voraus, daß sich alle Beteiligten „zunächst einmal von dem sich teilweise widersprechenden Material freimachen, das bisher zu dem angesprochenen Thema von einigen Stellen vorgelegt und veröffentlicht wurde“. Da die Minister weitere Erklärungen ablehnten, kann man nur vermuten, um welches „widersprechende Material“ es sich handelt.

Völlig im Widerspruch zu den Erklärungen der Industrie steht eine Resolution, die von den Gewerkschaftsvertretern der freien Ostseeländer Ende Juni auf einer Konferenz gefaßt wurde: Die skandinavischen und deutschen Vertreter der Metallarbeiter wandten sich gegen staatliche Subventionsmaßnahmen.

Den Wirtschaftsministern der Küstenländer wurde ein Vorschlag der Industriegewerkschaft Metall, Bezirksleitung Hamburg, vorgelegt, in dem die Gründung einer Forschungsstelle für die schiffbauwirtschaftliche Forschung angeregt wird. Darin stehen die von Gewerkschaftsseite erstaunlichen Sätze:

„Die Zukunftsaussichten des Schiffbaus können optimistisch beurteilt werden, aber die Werften werden sich in den nächsten Jahren einem stärkeren Wettbewerb gegenübersehen. Die Verschärfung der Wettbewerbssituation wird sowohl durch Schaffung neuer Kapazitäten in der freien Welt als auch durch die Schiffbauproduktion des Ostblocks herbeigeführt werden. Die daraus entstehenden Probleme können nur gemeistert werden, wenn es gelingt, die Schiffbauproduktion wirtschaftlichen zu gestalten und dabei die neuesten Erkenntnisse betriebstechnischer und betriebswirtschaftlicher Forschung anzuwenden. Der einzelne Werftbetrieb ist – auf sich allein gestellt – in den meisten Fällen überfordert, diese Probleme zu lösen.