Köln

Unter Kölner Erde mag man zwar ebenso gut liegen wie unter dem Boden irgendeiner anderen Stadt, verschieden ist nur der Preis, für den man begraben wird. Und in Köln ist der Tod teuer. Das errechnete jetzt die hiesige Steinmetzen-Innung. Die Bestattung in einem „Grab nach eigener Wahl“ und der Erwerb des Nutzungsrechts für dreißig Jahre kostet in Köln 450 Mark. In Düsseldorf zahlt man für das gleiche Grab mit Bestattung 307 Mark und darf es zehn Jahre länger benutzen. In Frankfurt erhebt die Stadtverwaltung für Begräbnis und vierzigjährige Benutzung zwar 530 Mark, bleibt aber immer noch billiger als Köln: Hier kostet das Grab – umgerechnet auf den Jahresdurchschnitt – 15 Mark, in Frankfurt 13,28 Mark und in Düsseldorf gar nur 7,68 Mark.

Diese Rechnung diente den Steinmetzen nur als zusätzlicher Beweis für ihre Behauptung, die Preise auf den Kölner Friedhöfen seien zu hoch. Ihr besonderer Ingrimm aber richtet sich gegen die „Erlaubnisgebühr für Grabgedenkzeichen“. Diese Gebühr kassiert die Stadt von denjenigen Leidtragenden, die sich entschlossen haben, ihren Verstorbenen mit einem Denkmal zu ehren.

In einem geharnischten Protest an 22 Ritsmitglieder erklärten die Steinmetzen nun, diese Erlaubnisgebühr dürfe „auf keinen Fall dazu dienen, in Form einer Luxussteuer die übrige Friedhofshaltung zu finanzieren“. Die außergewöhnlich hohe Gebühr wird nach dem Rauminhalt der Grabdenkmäler errechnet. Eine Liegeplatte von 60 Zentimeter Breite kostet 36 Mark Erlaubnisgebühr. Bis vor zwei Jahren betrug die Gebühr für die gleiche Platte nur 10,80 Mark. Für ein aufrechtstehendes Denkmal bezahlte man früher einheitlich 21,60 Mark, heute wird 0,1 Kubikmeter mit 40 Mark berechnet. Ein Stein von einem Kubikmeter kostet demnach 400 Mark. – „So lohnt die Stadt ihren Bürgern Treue und Fleiß“, grollt Josef Heuter, stellvertretender Obermeister der Kölner Steinmetz-Innung. „Ein Leben lang mußten die Toten Steuern bezahlen. Als Dank dafür zieht ihnen die Stadt im letzten Moment noch das Hemd über die Ohren.“

Die höchste Erlaubnisgebühr, die bisher auf einem Kölner Friedhof bezahlt wurde, betrug 1440 Mark für einen Gedenkstein von 3,6 Kubikmetern, der sich über vier Grabstellen erstreckt. Vor zwei Jahren hätte er nur 86,40 Mark gekostet.

In anderen Städten ist das billiger. Für stehende Gedenkzeichen in Holz oder Eisen berechnet Düsseldorf 10 Mark, Frankfurt für Grabmale bis 1,50 Meter Höhe 3 Mark, für jede weitere 50 Zentimeter Höhe nochmals 3 Mark. Vor kurzem lieferte Josef Heuter einen Grabstein von 25 Zentimeter Stärke auf einen Landfriedhof in der Nähe von Köln. Die Gebühr dafür betrug 5 Mark. Für den gleichen Stein hätte die Friedhofsverwaltung von Köln 240 Mark verlangt. „Das ist doch glatter Nepp“, schimpft der Steinmetz, dessen Zorn durch die Beschwerden der Leidtragenden immer wieder von neuem angefacht wird. Er nennt die Gebühr eine „indirekte Totenverehrungsteuer“, mit der die Kölner Friedhöfe ihr Defizit ausgleichen wollten. Das Defizit ist dem Kölner Steinmetzen auch ganz verständlich. „Ein Friedhof ist genauso ein Kulturbetrieb wie ein Theater“, sagt er, „und Kulturstätten sind immer zuschußbedürftig. Aber die Zuschüsse müssen dem allgemeinen Steueraufkommen entnommen werden, mit ihnen dürfen nicht nur die Trauernden belastet werden.“

Die Kölner Friedhofsverwaltung verteidigt die Höhe der Gebühren mit anderen Argumenten. Sie meint, mit dieser Gebühr würden nicht nur die Kosten für die Registrierung und Bearbeitung des Antrages gedeckt. Im Preis inbegriffen sei auch die Pflege der Friedhofswege und die jährliche Oberprüfung der Denkmäler auf ihre Standfestigkeit. Da platzte den Steinmetzen nun vollends der Kragen, denn sie sehen in der „Überprüfung auf die Standfestigkeit“ einen Angriff auf ihre Handwerkerehre. „Wenn wir das Ding verdübeln, dann steht das fest“, versicherte mir Josef Heuter. „Wenn die Arbeiter der Friedhofsverwaltung allerdings mit der Schulter dagegen rennen und das Grabmal mit Gewalt losrappeln, dann sind wir machtlos.“