Josef Müller-Marein: „Der Entenprozeß“

Stürmisch hebt es an und doch klassisch makellos mit einer Invocatio: „Bändige, o Muse, meinen Zorn“ (aber nein, nichts wird gebändigt, und weiter grollt es und raucht:) „nun, da ich die Feder ergreife, auf daß ich im Kampfe für zwei arme, liebliche Kreaturen nicht über das Maß hinausgehe und große Beleidigungen aus mir herausschleudere, anstatt kleine Beleidigungen.“ Wie bitte? Kleine Beleidigung gen herausschleudern? Das ist also wohl gar kein ernsthaftes Buch, das ist alles doppelbödig und zwiegesichtig und damit höchst suspekt! Soll man etwa auf den Arm genommen werden? Wenn man es recht bedenkt, ja; denn, diese beiden armen, lieblichen Geschöpfe sind eben nicht zwei schutzbedürftige Waisenmädchen, sondern Enten, Moschusenten. ... Ob so etwas hierzulande „ankommt“? Die Bestsellerlisten der letzten Wochen sind eigentlich eher dafür. Die Dichter und Denker unter den Rezensenten haben selbstverständlich zu sagen:„Albernheiten.“ Die Leute der Mitte, über allen Wassern schwebend, finden: „Recht nett...“ Andere allerdings bemühen sich redlich, probieren diese ungewohnte Kost, finden, daß man doch finden müßte, das sei pikant. Und dann gibt es ein paar Einsame, die sind gerührt, weil sie gar nicht gedacht hätten, daß es diese Art Buch auch in Deutschland gibt.

Sbg. in der „FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG“:

Wer unter uns hatte in den letzten Jahren noch Veranlassung, beim Lesen eines Buches laut aufzulachen? Hier schreit man vor Lachen, man stößt erstickte Laute aus, man röchelt und kann vor Lachtränen nicht weiterlesen ... Der Autor wird allerlei Nörgeleien von den Vertretern des blutigen Ernstes, die ja bei uns wohl immer in der Mehrzahl sein werden, in Kauf nehmen müssen. „Enten!“ wird mancher Tief- und Klugschwätzer abschätzig rufen. Gewiß, die Größenunterschiede sollten nicht geleugnet werden, aber wer uns mit einer kleinen, aber guten Sache so zum Lachen bringt, der erweist den Mitmenschen einen größeren Dienst, als wenn er sie vermittels gequälter Prosa von der Literatur fortscheucht. Ehe die Heiterkeit in der deutschen Literatur verboten wird, wollen wir noch einmal über den „Entenprozeß“ Tränen lachen.

„NEUE RHEIN-ZEITUNG“:

... vergeblich wartet man auf Humor oder auch nur auf Witz, den eine Groteske schließlich erkennen lassen müßte.

rb in „OMNIBUS“ (BRAUNSCHWEIG):