Ferienauftakt mit Blut und Gewalttat. Das Fernsehen entläßt Deutschlands Stadtbewohner mit Schrecknissen in die Seebäder und Bergdörfer: mit Raskolnikoffs Beilhieb, Pirandellos Lippen-Carzinom, Foresters Zyankali-Trunk für einen heimgekehrten Neffen, O’Farralls „Größtem Prozeß“ und Nobiles Eisschollen-Drama; zwischendurch zum Ausspannen ein Dokumentarbericht über „Die Lebenslänglichen“. Irgend jemand in den Studios muß eschatologisch oder apokalyptisch gestimmt sein.

Das bewegende Ereignis der Woche waren wenige Minuten, während derer etwas Graues, Flackerndes und Pfeifendes auf dem Bildschirm statthatte: Die ersten transatlantischen Direktübertragungen mittels eines „Telstar“ genannten Weltraumkörpers.

Das unfertige Begebnis wird demnächst eingehender und technisch zufriedenstellender zu besichtigen sein. Dies hier aber war der Auftakt: Man wohnte – wieder einmal – dem Beginn einer neuen Epoche bei. Das gab zu mancherlei Meditationen Anlaß, von denen einige sozusagen geschichts-philosophischen, andere mehr zeitkritischen Charakters waren. Einige bezogen sich auf die groteske Diskrepanz zwischen der staunenswerten Übermittlungsmethode und der Banalität des Übermittelten.

Zum erstenmal in der Geschichte sprechen zwei Kontinente von Angesicht zu Angesicht über Tausende von Kilometern hinweg miteinander. Was aber haben sie sich mitzuteilen? Zwei Postminister krächzen sich Komplimente zu, und Frankreich düpiert England, indem es verabredungswidrig zweitrangiges Nachtleben über den Atlantik transportiert ... lupus