DIE ZEIT

Kreml-Donner

Die offiziellen Erklärungen aus Moskau werden drängender, drohender. Am Dienstag der vorigen Woche forderte Chruschtschow in seiner Rede vor dem „Weltfriedenskongreß“ kategorisch den Abzug der alliierten Truppen aus Westberlin.

Nach dem Sündenfall

Verwundert reibt man sich die Augen: Wie am Aschermittwochmorgen alle Faschingssünden, die eben erst begangen wurden, jäh bereut werden, so scheint auch über die Sünden, die eben noch an unserer Währung und Wirtschaft begangen worden sind, in Bonn plötzlich Reue ausgebrochen zu sein.

Mit de Gaulles Bombe leben

Wir müssen mit der französischen Bombe leben! Auf diese resignierend-realistische Formel laufen offenbar die Überlegungen hinaus, die seit neuestem in Washington angestellt werden und die einen Prozeß ankündigen, den man vielleicht schon als eine strategische „Neuorientierung“ bezeichnen darf.

Geht Strauß nach Bayern?

Unmittelbar bevor am Dienstag der FIBAG-Ausschuß zusammentrat, um die heikle Materie erneut zu prüfen, diesmal allerdings infolge beträchtlicher Verbitterung seiner sozialdemokratischen Mitglieder unter ungünstigeren Vorzeichen für Strauß als beim ersten Start – unmittelbar vorher begann die große Aufwertungsaktion für den Bundesverteidigungsminister.

Wolken über der Genfer Konferenz

Vor der Wiederaufnahme der Genfer Abrüstungs- und Versuchs-Verzichtsverhandlungen hat zwischen Washington und Moskau der bereits zum Ritual erhobene Austausch von Bezichtigungen stattgefunden.

Zeitspiegel

Hauptmann Kong Le, der mit seinem Fallschirmjägerbataillon die Revolte gegen die alte prowestliche Regierung von Laos angeführt hatte und später auch die Pathet-Lao-Truppen kommandierte, wird neuer Oberbefehlshaber der Königlich Laotischen Armee.

Ärger mit Bürgermeister Kressmann

Ein geheimnisvoller Ausspruch geistert seit Tagen durch Berlin. Er stammt vom Senator für Bundesangelegenheiten Klaus Schütz und richtet sich gegen den SPD-Genossen Willy Kressmann, den Bezirksbürgermeister von Berlin-Kreuzberg.

Genossen an die Front

Walter Ulbricht, der Partei- und Staatschef der Zone, hat vier Mitglieder des Politbüros der SED in das Präsidium des Ministerrats geschickt und außerdem Willi Stoph zum 1.

Ulbricht und seine „Stasis”

Das Motorschiff Danmark ist das Fährschiff der Strecke Gedser – Warnemünde und hat Platz für rund tausend Passagiere. Bei der Überfahrt in der Nacht vom 6.

Der König und Freund Konradin

Unter den großen satirischen Zeitungen der Welt nimmt der in Paris erscheinende „Canard enchaîné“ („Gefesselte Ente“) eine besondere Stellung ein.

Professor Hahn: Ein Fazit

Am 12. Juli wurde dem bekannten Bankier und Währungspolitiker, Professor L. Albert Hahn, in Marburg der Ehrendoktor rer. pol.

Seydoux verließ Bonn

Der Botschafter Frankreichs in Bonn, Seydoux de Clausonne, hat die Bundesrepublik verlassen. Er wird seine Regierung nun bei der NATO vertreten.

Bauern streiken

Die Ostblockländer stehen in diesem Sommer vor einer Ernährungskrise sehr großen Ausmaßes. Die Ernte in einem halben Dutzend Länder Osteuropas droht katastrophal schlecht auszufallen.

Schleswig-Holstein: Reinefarth wartet ab

Der Fall Reinefarth, der seit einigen Jahren schon die Öffentlichkeit bewegt und außerdem zwei Staatsanwälte der Flensburger Staatsanwaltschaft in Bewegung hält, ist immer noch nicht abgeschlossen.

Berlin: Die Geisterbahn von Westberlin

Letzthin überraschte die Direktion der sowjetzonalen „Reichsbahn“ die Westberliner mit der Nachricht, daß „alle Berliner zu ihrer Stadtbahn zurückgekehrt“ seien.

Wie unzulänglich ist der Mensch?

Die Informationsflut, der wir ausgesetzt sind, schwillt ständig an. Einen großen Teil der Bilder, Nachrichten und Geräusche ignoriert der Mensch, teils bewußt, teils auch schon deshalb, weil seine Wahrnehmungsorgane sich vor Überlastung schützen.

Minister auf der Schulbank

Seit die britische Regierung ernsthaft die Möglichkeit eines Beitritts zum Gemeinsamen Markt ins Auge faßt, passieren in England die erstaunlichsten Dinge.

Uns haben sie falsch geboren

Dank für Ihren Brief vom 7. hujus. – In diesem hier steht nichts Eiliges, Sie können ihn also an der plahsch lesen, wenn Sie Zeit haben.

Kleiner Kunstkalender

Vor hundert Jahren ist in Kleve der Maler Barend Cornelis Koekkoek (man spricht ihn Kuckuck) gestorben. Er wurde 1803 in Middelburg auf der Insel Walcheren als Sohn eines Marinemalers geboren.

Zeitfragen: Was ist ein Diskussionsregisseur?

Es ist ein großes Manko: das literarische Leben einer Zeit ist kaum je aufgezeichnet worden. Die Literaturgeschichten, welche dem vergangenen und gegenwärtigen Schrifttum gewidmet sind, beschreiben nur einen kleinen Sektor; registrieren fast ausschließlich die Werke der sogenannten schönen Literatur, die sich durchgesetzt haben, nebst Biographischem.

Wolfgang Ebert:: Ich war dabei

Eines Tages werden sie ihren Kindern und Kindeskindern Rede und Antwort stehen müssen. Eines Tages wird es kein Ausweichen, kein Drumrumreden geben.

Musik im Widerstreit: Zwölftontechnik – Verarmung der Musik

Also, das mit den „falschen Karten“ ist ein gefährliches Wort: Falsche Karten im Spiel setzen Mogelei voraus; aber unser Streitgespräch glänzt doch gerade durch schöne Offenheit! Sprechen wir darum lieber von Mißverständnissen, denn die können auch ungewollt sein.

Zeitmosaik

Den neugestifteten Hersfeldpreis für Schauspieler“ erhielt Hans Caninenberg für die Darstellung des Grafen Leicester in Schillers „Maria Stuart“.

Ein kritischer Querschnitt

Stürmisch hebt es an und doch klassisch makellos mit einer Invocatio: „Bändige, o Muse, meinen Zorn“ (aber nein, nichts wird gebändigt, und weiter grollt es und raucht:) „nun, da ich die Feder ergreife, auf daß ich im Kampfe für zwei arme, liebliche Kreaturen nicht über das Maß hinausgehe und große Beleidigungen aus mir herausschleudere, anstatt kleine Beleidigungen.

Literaturgespräche

Denn natürlich – wir alle wissen’s seit Jahren – steht es schlecht um die deutsche Literatur. Wir haben uns daran gewöhnt, von einer Literaturkrise zu sprechen.

Alte Lieder für eine neue Zeit

Hätte die Oktoberrevolution sich die Treue der Poeten des Aufbruchs bewahren können, wäre sie deren visionären Spuren gefolgt, so erschiene sie uns längst mit tief religiösen Zügen, die der Betrachter nach vierzig Jahren, von der Dichtung auf die Politik verwiesen, nur als konservierte und ein wenig fatale Rudimente erkennen kann.

Der Lebenslauf eines Haudegens

Im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts gibt es keine Literatur, die sich der spanischen vergleichen könnte, keine politische Macht, die an Ausdehnung Spanien gleichkäme.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT eine Gesamtdarstellung der Graphik, die erst Mitte des vorigen Jahrhunderts den entscheidenden Schritt tat: von der mehr dienenden (und reproduzierenden) Funktion zu einer autonomen und souveränen Kunstgattung.

Geißler im bunten Trikot

Die Deutschen werden in Frankreich populär. Erst Adenauer, jetzt Altig. Und diese Parallelen! Die gleichen Anfangsbuchstaben und zudem noch den ersten des Alphabets, und beide sind Kölner! Aber Rudi Altigs Wiege stand in Mannheim am Rhein, höre ich rufen; mag Köln den Adenauer behalten, wir wollen unseren Altig.

Russen mit Konkurrenz

Die Turn Weltmeisterschaften von Prag haben gezeigt, wie stark auch in den nicht meßbaren Sportübungen die menschliche Leistung noch zu verbessern ist, Aber die Turner der Sowjetunion stehen nicht mehr allein.

„Dolce vita“ der Sportfunktionäre?

Vor einigen Monaten hatte ich in einem Beitrag auf die Tendenz verwiesen, die sich unter den Spitzenfunktionären manchen Sports geltend macht, diktatorisch in die persönliche Entscheidungsfreiheit des einzelnen Sportmanns einzugreifen und in ihrer eigenen Tätigkeit ein Äquivalent zum „Spesenkonto“ des Industriekaufmanns zu sehen.

Gekrächze

Ferienauftakt mit Blut und Gewalttat. Das Fernsehen entläßt Deutschlands Stadtbewohner mit Schrecknissen in die Seebäder und Bergdörfer: mit Raskolnikoffs Beilhieb, Pirandellos Lippen-Carzinom, Foresters Zyankali-Trunk für einen heimgekehrten Neffen, O’Farralls „Größtem Prozeß“ und Nobiles Eisschollen-Drama; zwischendurch zum Ausspannen ein Dokumentarbericht über „Die Lebenslänglichen“.

Theater

Die Zusammenstellung von drei Offenbach-Einaktern durch den inzwischen verstorbenen Renato Mordo, die von vielen Bühnen akzeptiert worden ist – „Die Verlobung bei der Laterne“, „Die kleine Zauberflöte“, „Die Insel Tulipatan“ – war als letzte Düsseldorfer Premiere bemerkenswert durch den jungen Dirigenten Carlos Kleiber.

Film

„Genosse Münchhausen“ (Deutschland; Produktion: Satir-Film): Wolfgang Neuß, bekannter Kabarettist mit Filmambitionen, stellt nunmehr sein im „Alleingang“ und mit abenteuerlichen Finanzierungsmethoden hergestelltes satirisches Opus „Genosse Münchhausen“ der Öffentlichkeit vor.

Funk

Friedrich Wilhelm Abel hielt sich zehn Tage in Jugoslawien auf: in Zagreb, Split, auf der Insel Chwar, in Dubrovnik und Belgrad.

Die Wiedergeburt der Loge in der Zinswohnung

„Und selbst die Musik der Wirtshäuser, welche den einen fröhlich, den anderen rasend macht, sie ruft in mir einen tiefen Ausbruch andächtiger Gefühle hervor.

Moskau klopft an die EWG-Tore

Die kommunistisch beherrschte Welt gerät bei wachsenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten erstmals in die Defensive: seit 1949 kennt der Sowjetblock nur den trägen Schritt der Wirtschafts-Koordinatoren des Comecon (Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe) – daneben demonstrieren die Länder der EWG den Bewohnern Osteuropas die Lebenskraft und das politische Wachstum in einer freiwilligen, kommandolosen Kooperation.

Bonn soll wieder mal zahlen

Es ist kein Geheimnis mehr: Die deutschen Werften wollen weitere Hilfe vom Staat. Die Werften glauben, ohne weitere staatliche Hilfe dem bevorstehenden Konkurrenzkampf gegenüber dem in anderen Ländern mehr oder weniger subventionierten Schiffbau nicht mehr gewachsen zu sein.

+ Weitere Artikel anzeigen