H. W., Kiel

Der Fall Reinefarth, der seit einigen Jahren schon die Öffentlichkeit bewegt und außerdem zwei Staatsanwälte der Flensburger Staatsanwaltschaft in Bewegung hält, ist immer noch nicht abgeschlossen. Zweihundert Zeugen sind im Laufe der Untersuchungen gegen den früheren SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei Heinz Reinefarth vernommen worden. Wie groß die Zahl der Zeugen ist, die noch vernommen werden müssen, läßt sich nach Angaben des Kieler Justizministeriums vorerst nicht absehen.

Reinefarth, Landtagsabgeordneter der Gesamtdeutschen Partei und Bürgermeister von Westerland, wird verdächtigt, bei der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes im Juli 1944 und den damit verbundenen Morden an polnischen Zivilisten beteiligt gewesen zu sein. Vor vier Jahren begann das erste Ermittlungsverfahren. Es wurde nach zwei Monaten mit der Begründung eingestellt, nach dem vorliegenden Material bestehe kein begründeter Verdacht einer strafbaren Handlung.

Dann aber wurden in US-Archiven die Anlagen zum Kriegstagebuch der 9. Armee gefunden. Sie wurden von dem Lüneburger Historiker Dr. von Krannhals durchgearbeitet. Das Ergebnis dieser Studien erschien dem schleswig-holsteinischen Landtag so gravierend, daß er die Immunität Reinefarths aufhob. Und seitdem wird wieder ermittelt. Auch die zentrale Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg hat sich eingeschaltet und umfangreiches polnisches Aktenmaterial zur Verfügung gestellt. Weitere Dokumente sollen folgen.

Reinefarth indes ist immer noch wohlbestallter Bürgermeister von Westerland auf Sylt...