Bonn, Mitte Juli

Der Botschafter Frankreichs in Bonn, Seydoux de Clausonne, hat die Bundesrepublik verlassen. Er wird seine Regierung nun bei der NATO vertreten. Aber man hört, daß dies wohl nur ein Übergangsposten sein dürfte und daß er schließlich am Quai d’Orsay oder noch einmal an einem wichtigen Auslandsplatz eine neue Aufgabe übernehmen werde.

In den vier Jahren seiner Bonner Tätigkeit hat sich Botschafter Seydoux um die deutsch-französische Verständigung sehr verdient gemacht. Der Beginn war für ihn nicht leicht. Damals betrachtete man in Bonn den Staatschef, der kurz vorher in Frankreich die Macht übernommen hatte, mit Reserve, wenn nicht mit Besorgnis. Aber de Gaulle hat in Seydoux einen geschickten, überzeugenden Interpreten gehabt.

Der Botschafter ist durch die Schule François-Poncets gegangen. Bei ihm gewöhnte er sich als junger Diplomat in Berlin an harte diplomatische Arbeit. Und er hat diesen Arbeitseifer – nicht selten zum Mißvergnügen seiner Untergebenen – bis heute beibehalten. François-Poncet ist ihm auch in der charmanten, witzigen, oft selbstironischen Art, sich zu geben und zu den Dingen Stellung zu nehmen, Vorbild geblieben, Da er seine Aufgabe in Bonn wohl als die Krönung seiner Lebensarbeit betrachtete, verließ Seydoux ungern Deutschland, wo er aufrichtige Freunde zurückläßt.

Zu seinem Nachfolger wurde Roland de Margerie ernannt, der seinen Dienst im August antreten wird. Er stammt wie Seydoux aus einer Diplomatenfamilie und hat, wie er, lange in Berlin gelebt. Auch Margerie arbeitete unter François-Poncet. Er kennt die deutschen Probleme sehr genau. R. S.

In Hamburg verabschiedet sich in diesen Tagen der französische Generalkonsul Fernand-Laurent von seinen vielen Freunden, die ihm seit Jahren vorausgesagt haben, daß er, wenn es mit, rechten Dingen zugehe, eine bedeutungsvolle diplomatische Karriere vor sich habe. Er geht auf einen Posten, der guten Willen, Objektivität und Fingerspitzengefühl voraussetzt: Er geht als Erster Botschaftsrat an die neue französische Botschaft in Algier.

Mit einem Lächeln eigenwillige Courage verbinden zu können, das ist – wie mir scheint – die hervorragende Eigenschaft dieses von Grund auf gebildeten, stillen und tatkräftigen jungen Diplomaten aus dem feinen XVI. Bezirk von Paris, dieses Mannes, der über sozusagen hanseatische Zurückhaltung verfügt und doch vor Jahren (1959) mit elegantem Protest energisch eingriff, als François Mauriac an neue „Hakenkreuze“ glaubte, die über Hamburg und Deutschland wehen sollten.

Merci, Monsieur Fernand-Laurent! Sie haben viel dafür getan, daß die deutsch-französische Freundschaft Wirklichkeit wurde! M..-M.