11-4-33

Zürich

hauptpostlagernd

Lieber Max,

Dank für Ihren Brief vom 7. hujus. – In diesem hier steht nichts Eiliges, Sie können ihn also an der plahsch lesen, wenn Sie Zeit haben. Ich möchte mich auf diesem Wege nur ein bißchen mit Ihnen unterhalten.

Der Anwaltsbrief, den ich Ihnen geschickt habe, ist keine Ausnahme. Die Juden haben sich nicht nur gedemütigt, sondern sie haben ... also man kann das mit keinem appetitlichen Bild sagen, was sie getan haben. Und nun kommt die Hauptsache: es nützt ihnen gar nichts. Das Berliner Tageblatt ist expropriiert – Lachmann-Mosse hätte also auch in Schönheit zu Grunde gehn können. „Ich bin stolz darauf, daß ich a Jud bin – wenn ich nicht stolz bin, bin ich auch a Jud – da bin ich schon lieber gleich stolz!“ – Nichts davon ...

Greul: natürlich laufen viele alte Waschweiber herum und übertreiben. Insbesondere ist die Sache auf ein falsches Geleis geschoben: wer protestiert eigentlich für die zahllosen, zerschlagenen und eingesperrten Arbeiter, die an die Sache geglaubt haben und die nun dafür büßen, daß sich Rußland um sie einen Dreck kümmert? Kein Mensch. ... Anbei einiges Material. Vieles wird wohl wahr sein. Aus der Wiener Arbeiter-Zeitung und der Prager Presse geht hervor, daß Arbeiter systematisch geprügelt worden sind – es war also alles darauf eingerichtet: Prügelzimmer, Prozedur, zum Schluß schriftliche Erklärung: „Die Behandlung war gut.“ Dann haben sie manchem dieser armen Luder noch eine Mark für Verpflegung abgezogen.