Wer als Skifahrer im Winter das Gefühl auskostet, im Schuß über einen verschneiten Hang abzufahren, der hat schon eine Ahnung von den Genüssen, die ihn beim Wasserski erwarten. Den Sog des Steilhangs ersetzt im Sommer ein vielpferdiges Rennboot, das man am Zügel hält (genau gesagt: hält man sich wohl am Zügel fest) wie ein römischer Wagenlenker seine Quadriga.

Was man wissen muß: Die Fluten gehen sanft mit einem um, solange man nicht stürzt und die Wasserfläche außerdem glatt wie das Fell eines Tieres ist. Man muß darauf achten, als Anfänger nicht in die Kielwellen seines „Schleppers“ zu geraten. Zählt man jedoch schon zu den Könnern, dann sucht man diese Wellen, tänzelt über den schäumenden Fächer hinter dem Boot, schert links und rechts aus und streift blitzschnell einen Ski ab, um mit dem freigewordenen Fuß auf den anderen überzutreten: So fährt man „Mono-Ski“. Das Wasser wird dabei noch leichter durchschnitten, wenngleich es nun höhere Kunst erfordert, das Gleichgewicht zu halten; zu „wedeln“, daß die Gischt sprüht, oder die übermütigen Kapriolen des Bootsführers oder auch Piloten – denn in Amerika läuft man auch im Schlepptau eines Sportflugzeuges Wasserski – zu parieren. Für ganz besonders Wagemutige gibt es hier außerdem den „Luftski“: die Bretter sind nur noch Start- und Landekufen wie bei einem Wasserflugzeug, und während der vollen Fahrt des Motorboots schwebt der Läufer am Drachen des Halteseils hoch in der Luft.

Es ist schwierig, ein Rezept für den Wasserskilauf zu geben. Man muß einfach üben und immer wieder üben. Theorie nutzt hier wenig. Gewiß ist, daß es geübte Ski- und Schlittschuhläufer leichter auf dem Wasser haben als gänzlich Ungeübte. Ein freundlicher Rat ist, nur gute Bretter mit stoßfestem Belag, bester Bindung und möglichst Metallkiel zu kaufen. Ein hervorragendes Modell kommt aus Italien. Es kostet etliches mehr als die anderen, aber sein Preis macht sich vielfach bezahlt. Auch der Anfänger hat es mit guten Brettern leichter. Für ihn gibt es zahlreiche Fabrikate; die billigsten kosten etwa 85 Mark, die teuersten auf dem deutschen Markt mehr als 220 Mark.

Wer schon recht gut läuft und Varianten liebt, wird vielleicht die kurzen, vorn und hinten hochgezogenen Akrobatik-Skier oder den Teller (der keine Bindung hat) vorziehen. Seine Hersteller versichern, daß man sich darauf sogar während der Fahrt drehen könne. Aber je kürzer, je schmäler die Skier, desto schwieriger wird der Tiefstart vom flachen Ufergrund aus für den Läufer: Wenn das Boot ihn gegen den Widerstand seiner Skier auf die Oberfläche holt. In diesem Falle muß auch das Boot um so stärker sein. Beim „Paarlaufen“ auf dem Wasser braucht man einen Motor von mindestens 45 PS, wenn nicht vom Schlauchboot oder vom Ufer aus gestartet wird (aber dies ist nicht überall erlaubt).

Ein solcher „Trockenstart“ ist leichter als der Tiefstart aus dem Wasser; leichter für das Boot und leichter für den Läufer, der dabei kaum die Fersen benetzen muß. Schwache Boote bringen den tiefstartenden Läufer – wenn er nicht gerade ein Fliegengewicht ist – nur mühsam oder gar nicht zum Gleiten auf der Oberfläche. Er hängt dann wie ein Köder am Schleppseil und wird so gewöhnlich das Opfer schallenden Gelächters, mit dem die Zuschauer seine herkulischen Verrenkungen vom Ufer aus quittieren. Tatsächlich entbehrt es nicht der Komik, wenn dieser arme Anfänger halb untergetaucht noch, wie ein Nilpferd das Wasser durchpflügt und sich verzweifelt müht, die Oberfläche zu gewinnen. Das kostet Muskelkraft, die später beim eigentlichen Laufen so dringend notwendig ist. Hat man sie nicht, dann kann schon schwacher Wellenschlag der Fahrt ein unrühmliches Ende setzen.

Solches Mißgeschick ist dann nicht selten schmerzhaft; dasselbe Wasser, von dem man sagt, es streichele eine Schwimmerin zärtlicher als der behutsamste Liebhaber, wird unerwartet zum brutalen Faustkämpfer: Ein ungeschickter Sturz bei hoher Geschwindigkeit raubt einem zunächst einmal den Atem, und manchmal setzt es blaue Flecken. Ein Glück, daß die Skier in dieser Sekunde dank ihrer Gummibindung schon abgegangen sind und das Weite gesucht haben. Ein Glück aber auch, daß dieses Vergnügen auf dem Wasser nicht ganz so harmlos ist wie das Pingpong-Spiel. Ein bißchen Gefahr ist schon dabei – und das ist auch sein Reiz. Theo Löbsack