FÜR alle Kunstliebhaber –

Wolf Stubbe: „Die Graphik des Zwanzigsten Jahrhunderts“; Rembrandt Verlag, Berlin; 320 S. mit 40 Farbtafeln und 423 einfarbigen Abb., 85,– DM.

ES ENTHÄLT eine Gesamtdarstellung der Graphik, die erst Mitte des vorigen Jahrhunderts den entscheidenden Schritt tat: von der mehr dienenden (und reproduzierenden) Funktion zu einer autonomen und souveränen Kunstgattung.

ES GEFÄLLT, weil der Autor, ein glänzender Kenner der Materie (er ist Direktor des Kupferstichkabinetts der Hamburger Kunsthalle), seinen Gegenstand umfassend beleuchtet – unter dem Aspekt geistiger Impulse und Motive, der Techniken und Stile. Es gefällt vor allem, weil Wolf Stubbe so gründliche Analysen der Graphiken gibt, daß damit andere künstlerische Erscheinungen mitbeleuchtet werden – weit über das engere Gebiet der Graphik hinaus. Bei seiner Methode ist es (um ein Beispiel zu nennen) selbstverständlich, daß Fragen der „Abstraktion“ oder „Gegenständlichkeit“ mitbehandelt werden, ohne in die Starre bloßer Theorien zu geraten: Sie bestehen bei jedem konkreten Fall gleichsam erneut ihre Feuerprobe. Es ist ein Buch für Kenner, Liebhaber, Fanatiker: vor allem für alle, die bereit sind, einiges an Energie aufzubringen – um der Kunst auch einiges abzufordern. R. D.