HANNOVER (Heckentheater Herrenhausen):

Kleists „Prinz Friedrich von Homburg“

Die Sommerspiele im Großen Garten zu Herrenhausen – Schauspiel, Oper und Ballett – dauern bis Mitte August. Als Neuinszenierung dieses Jahres wurde das Kleist-Drama ins Gartentheater transportiert, zumal „ein Garten im altfranzösischen Stil“ vom Dichter für die ersten und letzten Auftritte des „Prinzen von Homburg“ vorgeschrieben ist. Dem regieführenden Intendanten Walter Heidrich wird von der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung bestätigt, „daß er alle Möglichkeiten, die der einzigartige Freiluftraum bereithält, seiner Inszenierung zugute kommen“ ließ (Bühnenbild: Jost Bednar). An der geistigen Erhellung des Textes spürte man, „wie intensiv er mit den Schauspielern gearbeitet hatte.“ Aus dem Stammensemble der Landesbühne ragten besonders drei Gäste hervor: Jürgen Wilke vom Wiener Burgtheater ließ „in seiner idealistischen Jünglingsgestalt... etwas Überwirkliches anklingen.“ Ebenso bewundert wird von der Hannoverschen Presse Gustav Fröhlich, der in seiner Vaterstadt Hannover nun den Großen Kurfürsten spielt. Für den Kritiker der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung dagegen „mangelte es Fröhlich an der Ausstrahlung, und auch sprachlich wirkte er häufig zu dürr“. Einhellige Zustimmung fand Rudolf Birkemeyer (Kassel) als Oberst Kottwitz. Bemerkenswert war die Verwendung einer vergessenen Bühnenmusik von Heinrich Marschner aus dem Jahre 1821, komponiert für eine Dresdner „Homburg“-Aufführung. Im ganzen erscheint die Herrenhäuser Freilichtaufführung der Hannoverschen Presse als „eine wahrhaft würdige, nachträgliche Feier zum Kleist-Gedenkjahr“.

HEIDELBERG (Städtische Bühne):

„Champagnerlily“ von Scarnicci und Tarabusi

Auf der unternehmungsfreudigen Heidelberger Bühne, die unter der Leitung von Claus Helmut Diese steht und deren Spielplan wiederholt aufmerken ließ, wurde gegen Spielzeitende ein italienisches Musical in Deutschland vorgestellt. Es stammt von einem in Italien berühmten Komiker- und Autorenpaar und dem Jazzkomponisten Luttazzi. „Eigentlich eine Schauspielburleske, ein moderner Schwank mit Jazz- und Balletteinlagen“, berichtete Die Welt. Aber „was da an Situationen entsteht, mit Verwechslungen, mit totalem Quatsch ... das ist so legitim heiter und schmetternd schmalzig oder jazzknallig, daß einem oft der Atem stockt. Manchmal drohte die Aufführung im Lachen zu ersticken“.