Danke, danke“, wehrte Herr Kuhlert meine Gratulation bescheiden ab, „es war auch viel Glück mit im Spiel.“

Herr Kuhlert ist der Leiter der „Aktion Bremse“, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die weitere Ausbreitung des Tourismus, wenn nicht zu verhindern, so doch wenigstens einzudämmen, wenn nicht einzudämmen, so doch wenigstens den Teilnehmern das Leben im Urlaub gehörig zu vergällen. Meine Gratulation galt der Tatsache, daß diesem Bemühen heuer offenbar einige aufsehenerregende Erfolge beschieden waren.

„Wir haben einfach unsere Methoden umgestellt“, sagte er zur Erklärung. „Früher haben wir uns zu sehr auf natürliche Mittel und auf freiwillige Helfer stützen müssen. Hinter uns standen keine mächtigen Gruppen als Verbündete. Die Züchtung von Quallen und stacheligen Unterwassertieren etwa war ein ziemlicher Mißerfolg. Touristen vermehren sich um ein Vielfaches hurtiger als Quallen. Auch gelingt es nur noch selten, ganze Ortschaften durch das von unermüdlichen Mitarbeitern ausgestreute Gerücht „Haie gesichtet!“ schlagartig zu räumen. Touristen sind ein hartgesottenes Geschlecht und lassen sich heutzutage weder von verdoppelten Preisen noch von unfreundlichem Personal noch vom Lärm italienischer Kofferradios und Motorräder in die Flucht schlagen.“

„Was kann man denn überhaupt noch gegen Touristen ausrichten?“ wollte ich von Herrn Kuhlert wissen.

„Ohne die Hilfe und Mitarbeit der Behörden und großer Verbände wie der Gewerkschaften: gar nichts. Sie aber haben sich eben in diesem Jahr zu unserer grenzenlosen Freude sehr verständnisvoll gezeigt.“

„Woran denken Sie da besonders?“ fragte ich.

„In erster Linie an die wundervollen Straßensperren. Unsereiner kann sich ja kaum vorstellen, wie schwer es sein muß, die notwendigen oder weniger notwendigen Bauarbeiten an der Autobahn oder an Landstraßen erster Ordnung so zusammenzufassen, daß sie alle in die Reisezeit fällen. Das bedarf einer gewaltigen organisatorischen Kraftentfaltung. Aber das Problem wurde bewältigt, nicht zuletzt, weil auch die Städte – vor allem solche, die zu Durchfahrten bevorzugt werden – prächtig mitgezogen haben und ihrerseits durch Umleitungen von ungeheurer Vielzahl und Variationsbreite das ihre dazu beigetragen haben, eine Autofahrt in den Urlaub zu einer wahren Hölle zu machen. Uns sind Fälle bekanntgeworden, wo auswärtige, vor allem ausländische Touristen oft tagelang eine Stadt umkreist haben, ohne den Weg in die Innenstadt zu finden, und umgekehrt. Das war uns ein Anlaß, solchen Städten Ehrenpreise zuzuerkennen, deren Umleitungen besonders verwirrend und folgenreich waren. So was kann ja fast ins Künstlerische hineinreichen.“