CDU-Studenten blasen jetzt zum Angriff auf Professor Heydorn

G. Z., Frankfurt/Main

Mitten im sommerlichen Frieden der Semesterferien ist die Hochschulgruppe Frankfurt des Ringes Christlich-Demokratischer Studenten zum Angriff gegen den Präsidenten des Rates der Hochschule für Erziehung Frankfurt am Main, Professor Dr. Heinz Joachim Heydorn, angetreten. Plötzlich entsann sich das CDU-Blatt „spontan“, daß der prominente „Linke“ im Mai am Ostermarsch der Atomwaffengegner teilgenommen hatte. Heydorns besondere Art der Friedensliebe ist freilich noch nie ein Geheimnis gewesen. „Ich habe stets aus voller Überzeugung am Ostermarsch teilgenommen und auch den Aufruf unterzeichnet “, erklärte der Professor. Warum also die späte Aufregung?

Die CDU-Studenten erinnerten sich indes nicht nur an Heydorns Ostermarsch, sondern auch daran, daß vor einem Vierteljahr den Professor ein Schreiben erreicht hatte, das hochachtungsvoll von „Studenten der Hochschule für Erziehung an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt/Main“ unterzeichnet worden war. Diesen Brief druckten sie in der „spontan“-Nummer 3 im Auszug ab und erklärten die Notwendigkeit dieser Publikation damit, daß er bisher nur einem „relativ kleinen Personenkreis bekannt“ geworden sei.

Das war eigentlich auch kein Wunder, denn jenes Schreiben, das in „spontan“ ein „Offener Brief“ genannt wird, trägt außer dem Hinweis, daß es sich bei den Verfassern um „Studenten der Hochschule für Erziehung“ handelt, keinerlei Namen, die für den Inhalt verantwortlich zeichnen. Den Grund solcher Art Anonymität verrieten die Schreiber in ihrer Schlußbemerkung: „Sie werden verstehen, daß dieser ‚Offene Brief, den wir zunächst nicht veröffentlichen werden – leider – nicht namentlich unterschrieben werden kann, zumal uns bekannt ist, daß Sie auch nach Ihrem Ausschluß aus der SPD noch über die besten Beziehungen zu Ihrer vorgesetzten Behörde verfügen.“ Tatsächlich macht Heydorn keinen Hehl daraus, mit dem hessischen Kultusminister nach wie vor gut befreundet zu sein. Ihm jedoch zu unterstellen, er würde seine „guten Beziehungen“ zum Wiesbadener Ministerium gegen Studenten seiner Hochschule ausnützen, die politisch anderer Meinung sind als er, hat Heydorn bei der ganzen Sache beinahe am meisten betroffen.

Das Ziel des christlich-demokratischen Sommermanövers ist jedoch recht eindeutig: Im Fettdruck hebt „spontan“ hervor, man halte es einfach für unmöglich, „daß der Präsident einer Hochschule in der Bundesrepublik, an der der Lehrer-Nachwuchs ausgebildet wird, einem Personenkreis angehört, bzw. diesen in aller Öffentlichkeit unterstützt, der die demokratische Grundordnung zu Gunsten einer kommunistischen Diktatur. untergraben und beseitigen will...“ Mit anderen Worten: Wer Ostern marschiert, hat bei uns nichts zu suchen, denn bei den Ostermärschen der Atomwaffengegner handle es sich ganz eindeutig um eine kommunistisch gelenkte Aktion. Man könne kaum annehmen, daß Heydorn über die tatsächliche politische Einstellung der Ostermarschierer nicht orientiert sei. „Da Sie diese Gruppe aktiv unterstützen, muß man zu dem Schluß kommen, daß auch Sie dafür marschiert sind, daß der Sozialismus kommunistischer Prägung auf Gesamtdeutschland ausgedehnt wird.“ Und man beeilt sich hinzuzufügen, ein „demokratisch, humanistisch und sozial denkender Angehöriger der Intelligenz“ könne aus innerer Überzeugung nicht für ein totalitäres Herrschaftssystem eintreten, es sei denn, er verspräche sich von dessen Verwirklichung persönliche Vorteile. Deshalb wird denn auch Heydorn gleich gefragt, ob er eventuell den Posten eines Kultusministers einer „Volksdemokratischen Sowjet-Republik Deutschland“ für erstrebenswert halte.

Nun hätte sich Ratspräsident Heydorn über „spontan“ weniger erregt, wenn nicht die Deutsche Presse-Agentur angesichts der sommerlichen Nachrichtenflaute glaubte, die Zeitung der Christlich-Demokratischen Studenten in Frankfurt auswerten zu müssen. Das geschah mit dem Vorspann, daß sich „in einem Offenen Brief Studenten der Hochschule für Erziehung“ gegen die politische Haltung des Präsidenten gewandt hätten. Dabei wurde nicht versäumt, die Meldung mit dem Hinweis zu ergänzen, daß Heydorn wegen seiner Sympathien für den Sozialistischen Deutschen Studentenbund zusammen mit seinem „Marburger Gesinnungsfreund“, Professor Wolfgang Abendroth, aus der hessischen SPD „entfernt“ worden sei. Erst nachdem die „Ostermarsch-Gesinnung“ so in das Licht der Öffentlichkeit gerückt worden war, nahm Heydorn zu dieser Affäre Stellung. Zunächst legte er Wert darauf, einen Beitrag zur Begriffsbestimmung des „Offenen Briefes“ zu liefern: „Es fehlt die feststellbare Autorschaft.“ Er habe im Mai dieses Jahres ein anonymes Schreiben ohne Datum erhalten, in dem vorgegeben wurde, es sei von Studenten der Hochschule verfaßt. „Ich persönlich halte es für ausgeschlossen, daß sich Studenten unserer Hochschule für eine solche Handlungsweise hingeben.“

Der SDS-Förderer Heydorn hält die Methode, ein anonymes Schreiben als „Offener Brief“ zu deklarieren und es nach einer solchen Verwandlung zu veröffentlichen, für „nicht besonders fein“. Deshalb brachte jetzt die Institutssekretärin einen Einschreibebrief an die Deutsche Presse-Agentur zur Post, in dem Ostermarschierer Heydorn um eine Richtigstellung des Sachverhaltes bittet. Bisher wartet er jedoch vergeblich darauf.