Möglich, daß der kommende Schachweltmeister Tigran Petrosjan heißt – die Russen haben nun einmal dank ihrem riesigen Vorrat an Schachbegabungen und der staatlichen Förderung, die sie genießen, die erste Reihe der Elite gepachtet.

Der jetzt 33jährige Petrosjan erlangte durch den ersten Platz im Kandidatenturnier von Curaçao das Recht, den Weltmeister Botwinnik herauszufordern. Der Kampf wird wohl bald über die Bühne gehen, und wenn Petrosjan es schafft, haben wir einen neuen Kaiser der 64 Felder.

Er ist nicht ein solches Ungeheuer an Schachgenialität wie Lasker oder Aljechin, sondern ein immens sicherer und vorsichtiger Spieler, als Stratege wie als Taktiker gleich präzise, und er erzielt auf Turnieren oft ein Resultat ohne jegliche Verlustpartie, so in Kopenhagen vor zwei Jahren, in Stockholm Anfang 1962 und jetzt in Curaçao. Trotzdem darf man ihm nicht, wie so manchem Remismatador, Wagemut und Unternehmungsgeist absprechen; eine Partie aus dem Kopenhagener Turnier 1960, die er als Schwarzer gegen den dänischen Meister Borge Anderssen gewann und die wir hier wiedergeben, spricht für die Kraft und Brillanz seines Stils, mit der er einen Gegner bewältigt, ohne daß dieser einen direkten Fehler macht – was immer für den kennerischen Nachspieler den größten Genuß bedeutet.

Also – Weiß: Anderssen; Schwarz: Petrosjan.

1. d2–d4 Sg8-f6

2. c2–c4 g7–g6

3. Sbl–c3 Lf8-g7