Von Josef Müller-Marem

Oben links auf dem Briefbogen steht der Name: Prof. Dr. Dr. Theodor Oberländer. Und dann folgen die gedruckten Worte „Bundesminister für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte“ mit dem handschriftlichen Zusatz „a. D.“. Und danach wird der Adressat genannt: Dr. Theo Sommer, Redakteur ... Und jetzt Oberländers graziös-hintergründiger Text im Wortlaut:

Ihren Namen und den Hinweis auf Ihren Artikel verdanke ich dem Bundespresseamt.

Ich halte es für wenig fair, als Angestellter einer Zeitung, deren Chefredakteur einer der führenden nationalsozialistischen Journalisten war (nachzulesen in dem Buch von Ziesel „Der Rote Rufmord“) andere nach 30 Jahren nationalsozialistischer Betätigung zu bezichtigen. Das ist ein Angriff gegen Ihren Chefredakteur und so auch von vielen, die Ihren Beitrag gelesen haben, verstanden worden.

Es ist ferner ein Zeichen mangelnder demokratischer Gesinnung, nach 30 Jahren Menschen politischen Irrtum vorzuwerfen, das sollte einem Mitarbeiter eines demokratischen Blattes nicht passieren. Es ist ein Zeichen von Leichtfertigkeit, sich von einem Studenten, der meinen Vortrag nicht verstanden hat, falsch informieren zu lassen und dadurch zu völlig falschen Schlüssen zu kommen.

Das Schema, Feindlage, eigene Lage, Entschluß gilt heute in der Wirtschaft so wie früher bei Generalstäben. Die Frage: Was soll ich, was will ich, was kann ich, galt für die Bundesrepublik, aus ernster Sorge für den Mangel ihrer Bereitschaft, für die Freiheit zu kämpfen. Das hat mit „tiefbraun und reaktionär“ nur bei Leuten zu tun, die Angst haben. Oder wollen Sie behaupten, die Bundesrepublik sei „tiefbraun“, weil ich auf sie dieses Schema anwand?

Ich habe nie behauptet, daß Entwicklungshilfe abzulehnen ist, sondern, daß sie gegeben werden muß nach einer sozialen Dringlichkeitsskala, bei der Düngerfabriken und Entwässerungen, angesichts einer täglichen Zunahme der Menschheit um 96 000, an der Spitze stehen müssen.