Soe, München

Ende Juli machte die ZEIT ihre Leser auf den Bezirksgeschäftsführer der oberbayerischen FDP, Altschäffel, aufmerksam, dem absolut seriöse und angesehene Leute nachsagten, er habe Heuss einen „Trottel“, einen „alten Depp“, Euch „Schwein“ genannt. Des weiteren, so schrieben wir, lägen beim bayerischen FDP-Vorsitzenden Haas seit vielen Monaten, teilweise schon seit Jahresfrist, eidesstattliche Erklärungen vor, in denen Altschäffel notorisch antisemitischer Äußerungen bezichtigt werde, ohne daß Haas einen Grund gesehen habe, den Bezirksgeschäftsführer etwa seines Amtes zu entsetzen.

Daraufhin übersandte uns Haas einen Brief: Der Landesschlichtungsausschuß der bayerischen FDP werde diese Vorwürfe „ehestens“ überprüfen. Reichlich spät, entgegneten wir, der Mann hätte beurlaubt und die Angelegenheit schon längst untersucht werden müssen. Drei Tage später beurlaubte die FDP Altschäffel tatsächlich.

Zur Untersuchung gegen Altschäffel kam es nun nicht mehr. Die Partei und ihr Funktionär einigten sich in der Form, daß Altschäffel die FDP verließ. Möglicherweise halten manche Freien Demokraten diese Lösung für elegant. Sie aber wußten seit rund einem Jahr von den Dingen, denen sie jetzt erst nachgehen wollten, und daß auch nur, veil sich die Öffentlichkeit für diesen FDP-Funk:ionär zu interessieren begann. Ein derartiger Habitus sprengt sogar den weitesten Rahmen liberaler Großzügigkeit und ist gefährlich – nicht nur für die betroffene Partei.