Ein hochschulpolitischer Sommer zeigte Ansätze zu Neuem und ließ das meiste beim alten

Von Peter Hemmerich

Kommt man nach einem Studienaufenthalt in England wieder ins deutsche Hochschulmilieu zurück, so reibt man sich die Augen: So seltsam erscheint einem all das, was doch nur beim alten geblieben ist. Was haben diese Sommermonate für die „neuen Universitäten“ gebracht: ein paar Neuigkeiten zwar – und doch fast nichts, gemessen an der Not.

In Bochum ist ein Grundstein gelegt worden, für die Ruhr-Universität. Von der Vergabe von Bauaufträgen hat man indes nichts vernommen. Baustop? Oder überlegt man sich gar, den Grundstein in Bochum aus- und in Dortmund wieder einzubuddeln?

In Bremen fehlt es nicht an schönen Worten, aber die Finanzierung ist so ungeklärt wie eh und je: Aus Bonner Sicht mag einem ja auch die Zumutung, dem nahezu bankerotten Ländchen eine Hochschule aus Bundesmitteln hinzustellen, einigermaßen hart erscheinen.

Eher schon einen Meilenstein auf dem Weg zur Mehrung der Universitäten könnte man darin erblicken, daß eine der bestehenden Hochschulen eingegangen ist: die Hochschule für Sozialwissenschaften in Wilhelmshaven. Entgegen den Empfehlungen des Wissenschaftsrats hat diese kleine, periphere Hochschule sich im Strudel bremisch-niedersächsischer Landespolitik den kommunalen Prestige-Prioritäten Hannovers und Braunschweigs und, last but not hast, der Majorisierung durch die „traditionelle“ niedersächsische Landesuniversität Göttingen nicht erwehren können. Die Wilhelmshavener Reste wurden Göttingen angegliedert, ungeachtet der Tatsache, daß Wilhelmshaven strukturell die modernste Hochschule Deutschlands war, geschichtet unter Aufgabe des „Fakultäten-Prinzips“ etwa nach dem Muster der Harvard School of Advanced Studies – Grund genug für die Deutsche Rektorenkonferenz, Wilhelmshaven zu einer „Fachschule“ zu degradieren.

Der Wissenschaftsrat hat in diesen Wochen seine „Anregungen zur Gestaltung neuer Hochschulen“ vorgelegt. Diese „Anregungen“ tragen nur allzu deutlich die Zeichen des überspannten Kompromisses, was um so trauriger ist, als ihre Umsetzung in die Realität wiederum ein Kompromiß sein muß. Also der Kompromiß eines Kompromisses.