Von Friedrich Schejbal

Wer über Leute lächelt, die erst am 7. ihr Geld von der Bank holen oder am 13. nicht aus dem Hause gehen (falls sie sich das eine wie das andere leisten können), wer also über solcherlei Aberglauben lächelt, den muß ich aus seiner Aufgeklärtheit reißen. Seit gestern ist mir die furchtbare Erkenntnis gewiß, daß die Magie nicht tot ist, nein, daß sie von kühlen Rechnern unserer Zeit wiederentdeckt wurde und geheimniseifersüchtig gehütet wird. Seit gestern sehe ich staunend, daß es eine neue Zahl ist, der Geschäftsleute allgemein, vor allem aber Verlagsleiter und -kalkulatoren huldigen – inbrünstiger huldigen als einst die Abtrünnigen dem goldenen Kalb.

Diese Zahl ist die Zahl 80. Neue Chiffre einer wiedererstandenen, geheimnisvollen Welt.

Es bedurfte auch bei mir erst des Schocks, um mir die Bedeutung der magischen Zahl aus dem Unterbewußtsein ans Licht zu spülen. Aber jetzt lebe ich mit der unumstößlichen Gewißheit: 80 ist eine magische Zahl.

Es begann damit, daß ich letztens anläßlich einer dieser unnützen Reisen nach München, die neuerdings so viele Leute machen, vor einem dortigen Buchladen stehenblieb, der angab, eine „Akademische Buchhandlung“ zu sein. Das große Schaufenster in der altersgrauen Wand mit dem Gußeisenrahmen war dekorativ mit Büchern verschiedenster Verlage vollgestopft, meist billige buntkaschierte Bändchen, aber auch dickleibige Weisheitsschatullen mit steifen Decken.

Es war auf den ersten Blick zu erkennen, daß die Sammlung sich an den Bildungsbeflissenen wandte oder doch an den, der vorgibt, ein solcher zu sein.

Interessiert wanderte mein Blick von der Soziologie im Hosentaschenformat zu Rechtfertigungen russischer Poeten und Wagnerlexika, über Dokumentationen zur bayerischen Geschichte, bis zum Verrat im 20. Jahrhundert.