Auf dem Markt der Goldmünzen hat es in den letzten Monaten nicht unerhebliche Schwankungen gegeben. Dabei veränderten sich die Preise keineswegs gleichmäßig, sondern recht unterschiedlich. Gold ist also nicht gleich Gold. Wer einen Teil seiner Ersparnisse in Gold anlegen will, darf Gold nicht in jeder Form erwerben, sondern muß auch hier eine sorgfältige Auswahl treffen. Dafür möchte ich Ihnen, meine verehrten Leser, einig; Hinweise geben. Weitere werden demnächst folgen.

Der Kaufkraftschwund der D-Mark hat sich in den letzten Jahren beschleunigt. Die Fachleute streiten sich darüber, ob man bereits von einer Inflation sprechen soll oder nicht. In wesentlichen ist das ein Spiel mit Worten. Die einen meinen, wenn sie von Inflation Sprecher, die Währungskatastrophen nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg; die anderen finden, daß auch schon eine schleichende Geldentwertung, wie wir sie in den letzten Jahren hatten, eine Inflation ist. Wir wollen uns hier darüber nicht Streiter, sondern untersuchen, welche Möglichkeiten der Sparer hat, dem jährlichen Geldwertschwund auszuweichen. Das ist durch das Konten oder Rentensparen so lange möglich, wie der Zinssatz die jährliche Entwertungsquote übersteigt. Allerdings muß man bereits heute den größten Teil des Zinserlöses dem Kapital zuschlagen, um seiner vollen Wert aufrechtzuerhalten.

Auch die Anlage in Aktien (bzw. Investmentzertifikaten) gilt gegen die Kaufkraftentwertung als „sicher“. Dennoch haben diese Papiere nach der letzten Baisse ihren Nimbus, „das Sparpapier“ zu sein, eingebüßt. Der Sparer hat nämlich erfahren müssen, daß es noch größere Risiken gibt als die jährliche Entwertungsquote der D-Mark Und wie steht es mit dem Grundbesitz? Auch er ist nicht frei von Risiken. In einigen Gegenden sind die Grundstückspreise bereits rückläufig Liebhaberpreise sind nur noch unter Schwierigkeiten zu erzielen. Im übrigen ist das Ausweichen in Immobilien immer nur einem kleinen Teil der Sparer möglich. Eine gewisse Hilfsstellung geben die Immobilienfonds.

Bei der Suche nach Sicherheit sind viele Sparer auf das Gold gestoßen. Gold ist wertbeständig – das ist immer wieder zu hören. Das trifft zu wenn man über Jahrzehnte denkt, sonst jedoch nicht. Gold ist eine Ware wie jede andere auch, Sie unterliegt Preisschwankungen. Gold ist kein geeigneter Schutz gegen die jährliche Kaufkraftdurchlöcherung. Das wäre es nur, wenn es im gleichen Tempo an Wert gewinnt, wie die Kaufkraft abnimmt. Von dieser Regelmäßigkeit kann jedoch keine Rede sein. Zuzugeben ist, daß manche Goldmünzen in den vergangenen Jahren sehr viel schneller teurer geworden sind, als die D-Mark entwertet wurde. Aber das ist keine Gesetzmäßigkeit, sondern eine Folge gewisser Markteinflüsse, die mit Währungsfragen kaum etwas zu tun haben.

Bedenken Sie immer, meine verehrten Leser, daß Gold einen großen Nachteil hat: Es verzinst sich nicht! Deshalb kostet es seinen Besitzer jährlich 5 bis 6 % an entgangenen Zinsen. Dieser Satz vermindert sich jedoch um den Betrag, den der Konten- und Rentensparer jährlich dem Kapital zur Aufrechterhaltung seines Wertes zuschlagen muß. Nach den gegenwärtigen Verhältnissen bleibt beim Gold ein Minussatz von 2 % jährlich, der sich noch durch Gebühren für Lagerung, Versicherung usw. erhöhen kann. Um diese Beträge müßte der Goldpreis jährlich steigen, wenn die Rechnung des Goldbesitzers aufgehen soll. Aber das ist nicht korrekt genug ausgedrückt. Man soll deutlich sagen, daß es „den Goldpreis“ für den Normalanleger gar nicht gibt. Er ist gezwungen, Gold in der einen oder anderen Form zu erwerben. Wenn er „richtig liegen“ will, müssen die Preises seines speziellen Goldbesitzes steigen.

Wer Goldbarren besaß, ist in den letzten Jahren nicht gerade glücklich gefahren. Ende 1960 kostete der 1000-Gramm-Barren 5175 DM,

Ende 1961 waren es nur noch 4910 DM, jetzt wird dieser Barren bereits zu 4880 DM abgegeben. Also ein reines Verlustgeschäft. Die DM-Aufwertung hat den Goldbesitzern einen Streich gespielt! Aber bleiben wir bei den Barren. Über den Kilo-Barren haben wir schon gesprochen. Für die kleineren Barren sind zur Zeit folgende Abgabepreise gültig: 500-Gramm-Barren 2452 DM, 100-Gramm-Barren 505 DM, 50-Gramm-Barren 255 DM, 20-Gramm-Barren 108 DM, 10-Gramm-Barren 55 DM. Wenn man berücksichtigt, daß die amtliche Goldparität zur DM für 1 kg Feingold 4510,60 DM beträgt, kann man sich ausrechnen, daß der Aufpreis für den Kilo-Barren rund 379 DM ausmacht. Dieser Aufschlag steigt prozentual, je kleiner der Goldbarren wird. Beim 10-Gramm-Barren (Baby-Barren) macht er bereits rund 22 % zur Goldparität aus. Das ist mehr als bei einigen im Händel befindlichen Goldmünzen. Wer Goldbarren erwirbt, rechnet in der Regel langfristig mit steigenden Goldpreisen. Er spekuliert auf eine allgemeine Goldpreiserhöhung. Seit Jahren sind die Goldproduzenten bemüht, eine solche durchzusetzen, wobei sie mit Recht darauf hinweisen, daß ihre Produktionskosten von Jahr zu Jahr steigen, der Goldpreis dieser Bewegung jedoch nicht folgt. Wegen der Bindung der Dollarparität an den Goldpreis würde seine Änderung Währungsprobleme aufwerfen, an die zur Zeit niemand gern herangehen möchte. Hinzu kommt, daß einer der Hauptnutznießer der Goldpreiserhöhung die Sowjetunion wäre, also auch die Politik in dieser Frage eine wichtige Rolle spielt. Immerhin machen sich die Goldspekulanten Hoffnungen auf eine Heraufsetzung des Goldpreises bis zu 100%. Das wäre ein Gewinn, auf den es sich zu warten lohnt.