Von Hermann Riedle

Als vor einigen Wochen die Wogen des Konkurses über der Willy H. Schlieker Kommandit-Gesellschaft zusammenschlugen, bemühte sich die Werftindustrie schnellstens deutlich zu machen, daß dieser Zusammenbruch nicht als symptomatisch für die Verhältnisse im Schiffbau angesehen werden dürfe. Die damals vom Fachverband veröffentlichte Presseerklärung stellte fest, daß der größere Teil der deutschen Werften moderne Fertigungsmethoden anwende und durchaus internationales Produktionsniveau habe – und zwar ohne durch den Auf- und Ausbau die finanziellen Grundlagen überstrapaziert zu haben (wie die Schlieker-Werft). Damit wurde deutlich gesagt: Das Schicksal der Schlieker-Werft ist nicht einer Krisis im Schiffbau allgemein zuzuschreiben, sondern ist ein „individuelles“ Unglück.

Wenige Wochen später nun flattert uns eine Verlautbarung des Vorsitzers des Verbandes Deutscher Schiffswerften auf den Schreibtisch. Darin wird nachdrücklich und mit beschwörenden Worten die Bundesregierung aufgefordert, der Schiffsbauindustrie Hilfe angedeihen zu lassen. Die heute vorgebrachten Punkte lassen keinen Zweifel aufkommen, daß es den Werften offenbar schlecht geht.

Hauptursache für die ungünstige Lage der deutschen Schiffbauer erkennt man in Fachkreisen in der Überkapazität des Weltschiffbaus, die sich in den letzten Jahren stark ausdehnte und längst nicht mehr von der Nachfrage nach Tonnage getragen wird. Zum anderen sind viele ausländische Staaten dazu übergegangen, ihren einheimischen Schiffbau mit allen Mitteln zu fördern und zu subventionieren. Dies führte zu einer Verzerrung der internationalen Wettbewerbsverhältnisse. Die deutschen Werften nun stellen sich auf den Standpunkt, man sollte ihre Existenz durch die ausländischen Machinationen nicht gefährden lassen, vielmehr durch gleichartige Förderungs- und Schutzmaßnahmen des Staates der eigenen Industrie sofort helfen.

So steht man denn in der Bundesrepublik vor der schwierigen Frage, ob in der Werftindustrie die gleichen Verhältnisse einreißen sollen wie in anderen Wirtschaftszweigen, wo man den Wettbewerbsdruck vom Ausland her durch Vergünstigungen und Subventionen aller Art aufzufangen trachtet und die notleidenden Branchen künstlich auf einen Stand bringt, den sie sonst nicht halten könnten. Denn jeder Wirtschaftszweig, der Protektion fordert, hat meist gute Gründe das zu tun:

Entweder sind die Ausländer durch einseitige Schutz- und Förderungsmaßnahmen in eine bessere Position geraten, die Inländer also zu unrecht in Nachteil gekommen.

oder die wirtschaftliche Entwicklung stellt die Einheimischen vor eine „neue“ Marktsituation, der sie nicht gewachsen sein können – folglich also ihre Existenz, auf dem Spiele steht.