Johann Evangelist Kapfingers Wochenmagazin „aktuell“ ging nach 14 Monaten an Geldmangel ein

München

Von Niederbayern aus sollte das bedrohte Abendland vor seinem Untergang bewahrt werden – heraus kam ein Rattenschwanz der verschiedenartigsten Prozesse und der Fibag-Skandal.

Am 8. Juli 1961 informierte die „Passauer Neue Presse“ ihre Leser: „Dr. Kapfinger startet das Wochenmagazin ‚aktuell‘.“ Johann Evangelist Kapfinger griff persönlich zur Feder und verkündete: „Lange habe ich gezweifelt, ob die Politiker und Journalisten, die derzeit ein wahres Kesseltreiben gegen mich veranstalten, Verbrecher oder minderwertige Deutsche sind, die ins Narrenhaus gehören.“

Seine Zweifel, fuhr Kapfinger fort, seien jedoch behoben worden: „... fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Bei Gott, ich hatte es nicht mit Schwachsinnigen zu tun ... Nun ist meine Geduld zu Ende. SPD-Genossen, jetzt wird zurückgeschlagen. Jetzt wird euch die Maske vom Gesicht gerissen. Der heutige Tag ist für mich ein stolzer Tag.“ Denn fortab erscheine „aktuell“‚ das sich „mit seiner ehrlichen Gesinnung und seiner offenen Sprache bald einen festen Platz in der deutschen Publizistik erobert haben wird.“

Genau 14 Monate später, Ende letzter Woche, gab die „Passauer Neue Presse“ wesentlich unauffälliger bekannt, „aktuell“ habe sein Erscheinen eingestellt. Diesmal verzichtete Kapfinger auf persönliche Erklärungen im Jubelton.

In der ersten „aktuell“ Ausgabe wurde das Abendland beschworen, auch die Solidarität der freien Welt und die christliche Kultur. Die letzte Nummer, die auf den Markt geriet, warb mit einer reichlich proportionierten Superblondinen in sehr knapp, sitzendem Badeanzug auf dem Titelblatt für diese hohen Werte. Daneben das Versprechen, „aktuell“ fasse wieder ein heißes Eisen an.