Soll ein Tunnel oder eine Brücke England mit dem Kontinent verbinden? Die technische Debatte ist in vollem Gange. Eines freilich bereitet offenbar beträchtliche Schwierigkeiten: Die Antwort auf die Frage, wie breit der Kanal eigentlich an seiner schmälsten Stelle sei.

Laut Großer Herder (Band I, A bis Bitterwasser) ist der „Ärmelkanal, auch bloß Kanal genannt, französisch La Manche, englisch Channel“, an seiner schmälsten Stelle – zwischen Calais und Dover – 28 Kilometer breit. Abweichender Ansicht ist Brockhaus. Nach seiner Auskunft liegt die kürzeste Tunnel- oder Brückenstrecke zwischen Cap Gris Nez und Dover, wo der Kanal 32 Kilometer breit sei. Laut Meyer hingegen nähern sich die beiden Küsten nur auf 33 Kilometer und dies keinesfalls zwischen Dover und Calais, zwischen denen 37 Kilometer Wasser liegen.

Angesichts der Schwierigkeiten deutscher Lexika, sich im Kanal zurechtzufinden, mag der verwirrte Planer englische und französische zu Rate ziehen; die Anlieger müßten es ja besser wissen. In Wirklichkeit jedoch ...

Die Encyclopaedia Britannica zählt von Dover nach Calais 22 Meilen, das sind 35,2 Kilometer. Dem tritt Chambers gleich doppelt entgegen: Er mißt unter dem Stichwort „English Channel“ 21 Meilen zwischen Dover und Cap Gris Nez, gibt aber die schmälste Stelle des Kanals unter „Dover, Strait of“ mit 18 Meilen an. Das französische Grand Dictionnaire nimmt zwischen Dover und Calais 48 Kilometer Distanz an. Larousse unterbietet diese Angabe um volle 17 Kilometer.

Die Schwierigkeiten scheinen also groß zu sein. Immerhin sind auch schon gewisse Fortschritte zu verzeichnen. Seit im vorigen Jahrhundert zum erstenmal der Tunnelplan ventiliert wurde, hat sich die Kanalgeographie fortentwickelt. Das Grand Dictionnaire von 1890 gab für die Strecke Dover–Calais 43 Kilometer an; für die Strecke Calais–Dover jedoch 30 Kilometer... K. G.