DIE ZEIT

Initiative in Berlin?

Das Treffen von Cadenabbia vom September 1962 zwischen Konrad Adenauer und Willy Brandt war, so vermutet man in Berlin, für die künftige Politik gegenüber der DDR von großer Bedeutung.

Da waren’s nur noch drei...

Wer Schleswig-Holsteins neuer Regierungschef sein wird – das ist nach der Landtagswahl vom vergangenen Sonntag fürwahr keine Preisfrage mehr.

Der Traum von deutscher Gloria

Daß Deutschland eine Nation sei, eine große Nation – die Erinnerung daran war bei vielen Bürgern dieses geteilten Landes vergessen, begraben unter schrecklichen Erinnerungen.

Schlacht um die EWG

Krieg ist erklärt worden!“ So beschreibt der Labour-Abgeordnete Richard Crossman die innenpolitische Situation Großbritanniens nach der Abreise der Commonwealth-Regierungschefs.

Ferhat Abbas sagt: Zusammenarbeit

Den Betrachter aus der Ferne erinnert die politische Szene Algeriens bisweilen an ein amerikanisches Rodeo: ein Spiel, in dem die starken Männer ihre Kräfte messen.

Sisyphus-Qualen in New York

Chruschtschow hat Kennedy einen unfreiwilligen Dienst erwiesen. Bis zu den amerikanischen Parlamentswahlen werde er in Berlin stillhalten, ließ er in der Moskauer Kuba-Erklärung verlautbaren.

Zeitspiegel

Das Politbüro der chinesischen KP hat zugegeben, daß China in einer Wirtschaftskrise steckt. In einem Aufruf im Parteiorgan Rote Fahne erklärt die Parteiführung, daß der Fortschritt in der Industrie solange zurückstehen müsse, bis die ausreichende Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln gesichert sei.

Siebzig Themen für das Konzil

Seltsame Veränderungen entdeckt, wer in diesen Tagen den Petersdom betritt: Das mittlere Längsschiff ist von den Tribünen für das Zweite Vatikanische Konzil verstellt, das am 11.

Ring frei in der Beethovenhalle

Dicke Rauchschwaden umhüllten die Köpfe der Bonner Stadtväter, die sich am vergangenen Freitag zu einer außerordentlichen Sitzung des Hauptausschusses und des Ausschusses für Leibesübungen im Raatssaal versammelt hatten.

Gespaltene Persönlichkeit

Der höchste Beamte des an Bremen angrenzenden Landkreises Osterholz, Oberkreisdirektor Gottschalk, ist ein dem Zwiespalt verschiedenartiger Pflichten ausgelieferter Staatsdiener.

Post-Gedenktage

Mit einer Sondermarke gedachte die Bundespost im August des 79. Deutschen Katholikentages in Hannover. Überrascht wird dadurch niemand, denn die Post widmet seit Jahren ein Gutteil ihrer Sonderbriefmarken kirchlichen Jubiläen und Veranstaltungen.

Die ungemütliche Grenze

Unsere dänischen Nachbarn sind ihrem Finanzminister gram. Sie grollen ihm, weil er ankündigte, er werde den liberalen dänischen Einfuhrbestimmungen für Schnaps und Wein Fesseln anlegen.

„Freie Fahrt“ nach Leningrad

Nun werden also doch – trotz mancher Anfeindungen und Querschüsse – etwa zwanzig junge Hamburger im Frühjahr 1963 nach Leningrad reisen.

Auch Lenin war ihr Leser

Die Prawda der amerikanischen Führungskreise“ – dieses Etikett hat der Journalist Richard Rovere jüngst in einem vieldiskutierten Aufsatz über Amerikas herrschende Klasse der Zeitschrift Foreign Affairs angehängt.

Zeitfragen

In einem Augenblick, da durch die deutschen Zeitschriften ein großes Rauschen geht – die Schwingen des Pleitegeiers – von der Gründung einer neuen zu reden, auch nur das Für und Wider, namentlich das Wider, zu erwägen, zeugt von Feuereifer auf einer Brandstätte.

Die nicht gehaltene Rede

Seit Karl Barth den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels beinahe bekommen hätte und dann doch nicht bekommen durfte, seit vier Jahren also, hat es eine solche Aufregung nicht mehr gegeben.

Wer konferiert da eigentlich?

Eröffnet wird die Frankfurter Buchmesse alljährlich mit einem Unternehmen, das „Pressekonferenz“ heißt. Es muß sich dabei um eine jener zahlreichen Fehlübersetzungen aus.

Drei kühne Neulinge

Ist dies eine Zeit für Verlagsgründungen? Zwingt der Wettbewerb um den Leser, geführt gegen die unaufhaltsam weiter steigenden Herstellungskosten, .

Vom bitteren Anfang zum guten Ende

Keine Messe, die nicht die bisher größte, wäre: diese, die vierzehnte, präsentierte auf einer Fläche von 22 000 Quadratmetern in fünf Hallen die Produktionen von 2112 Ausstellern aus 32 Ländern, von Argentinien bis zur UdSSR.

Warum kommen sie?

Wir hatten uns das so schön eingeteilt: Der eine macht Belletristik, der andere Kinder- und Jugendbücher, Sachbücher der dritte.

Nr. 39 vom 25. September 1952: Teurer Spaß

Während bei den Manövern in Westdeutschland dem Vernehmen nach eine erfreuliche Zusammenarbeit zwischen alliierten Abteilungen und der verkehrsregelnden deutschen Bereitschaftspolizei stattfindet, wird in Niedersachsen den Jägern ein Waffenschein für Jagdflinten ausgehändigt, auf dem warnend der Artikel 7 des Gesetzes Nummer 24 der alliierten Oberkommission zitiert wird: „Im Falle eines mit Überlegung vorgenommenen Versuchs der Wiederaufrüstung kann auf Freiheitsstrafe, für die kein Höchstmaß besteht, unter Einschluß lebenslänglicher Freiheitsstrafe und auf Geldstrafe bis zu einer Million DM erkannt werden.

Zeitmosaik

Die Kunst zu schreiben ist nicht weniger schwer als jede andere Kunst, aber weil jeder einen Brief lesen und schreiben kann, glaubt man auch, es schreibe jeder gut genug, um ein Buch zu schreiben.

Coriolan und Luther

Brecht bearbeitete Shakespeare – John Osborne bringt ein historisches Ragout

Robert Neumann:: Kitsch as Kitsch can

Der Verfasser geht aus von der Erkenntnis, daß es einen Typus des unterhaltenden Romans gibt. Kulissen und Kostüme wechseln, die Struktur bleibt erhalten.

Kleiner Kunstkalender

Der Katalog verzeichnet 159 Titel, darunter eine Tapisserie von Lurçat, Skulpturen von Archipenko, Marini, Chadwick und Marcks, Ölbilder von Heckel, Feininger und (weniger wichtig) Poliakoff, Aquarelle von Georges Grosz und Wols (Wolfgang Schulze).

Das Rad der Geschichte zurückgedreht

Es wird wohl nur noch wenige Menschen geben, die jene berühmte Ausstellung des „Sonderbundes“ in Köln im Jahre 1912 (sie rief so viel leidenschaftliche Diskussion über die damals neue Kunst hervor) mit wachen Sinnen miterlebt haben, wie es mir als begeistertem jungen Studenten der Kunstgeschichte vergönnt gewesen ist.

Versuch einer Ästhetik

Es ist sein Ziel gewesen, Kategorien herauszuarbeiten, die eine Beurteilung genialer Leistungen ermöglichen und, fundieren sollen.

Er ist ohne theologischen Habitus

Der Verfasser, Dr. Christoph Rhein, Pfarrer in Berlin, hat über dasselbe Thema auch ein Buch geschrieben: „Paul Tillich – Philosoph und Theologe“, Eine Einführung in sein Denken (Evangelisches Verlagswerk, Stuttgart; 200 S.

Musik und Geld und Nachwuchs

Die Orchestermusiker stoßen Alarmrufe aus. Und Schwindende Geltung der deutschen Musikkultur“ heißt eine Denkschrift, die zum zehnjährigen Bestehen der „Deutschen Orchestervereinigung“ erschien.

An der Grenze des Lebens

Zeitgeschichtliche Darstellungen und Dokumentationen kann man mit einem gewissen Grad von Objektivität bewerten. Tatsachen lassen sich verifizieren, Schlußfolgerungen auf ihre Gültigkeit hin prüfen.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT in zwei Hauptteilen eine klare Übersicht der gegenwärtigen Typen politischer Ordnung und der sich hieraus ergebenden Grundfragen.

Fontane in München

Im Februar 1859 reiste der eben aus England zurückgekehrte Fontane nach München; Paul Heyse hatte dem Stellungslosen angedeutet, das Amt des königlichen Privatbibliothekars wäre demnächst vakant: Wie wir den König und seine Vorliebe für wohlgewachsene, gewandte, reingewaschene Männer kennen, zweifeln wir alle nicht, daß Du ihm mächtig zusagen würdest.

Mit Holzmodellen ist es nicht getan

Das böse Wort vom Morgenthau-Plan geht wieder um. Nicht, daß die Amerikaner jetzt plötzlich zu ihrer Politik des Jahres 1945 zurückkehrten.

Eiweiß aus dem Meer

Wenn die Nahrungsmittel der gesamten Weltproduktion gleichmäßig unter die Menschheit verteilt würden, dann bliebe für den einzelnen kaum mehr als die Hälfte dessen, was er zu seiner Ernährung mindestens braucht.

Theater

Nachdem er im Hamburger Thalia-Theater als Gastregisseur eine kaum diskutable Inszenierung von Shakespeares „Troilus und Cressida“ absolviert hatte, eröffnete Heinz Hilpert zu Hause die Spielzeit mit dem selten zu sehenden „Bogen des Odysseus“ – eine bemerkenswerte Variante im „bundesrepublikanischen Einheitsspielplan zum Hauptmann-Jahr“.

Film

„Nachtzug“ (Polen; Verleih: Neue Filmkunst): Jerzy Kawalerowicz ist von den „Großen Drei“ des polnischen Films der fünfziger Jahre (die anderen: Andrzej Wajda und der verstorbene Andrzej Munk), der im Westen am wenigsten bekannte.

Funk: Zug Nr. 56

Lokomotivführer John, 42 Jahre alt, ist kinderlieb – und nach Dienstschluß immer müde. Lena, 33 Jahre alt, möchte endlich mal mit ihrem Gatten ausgehen.

Fernsehen: Gift für die Röhre

Eine Woche des temperierten Wohlgefallens vorm Bildgerät. Sieht man von einigen Bagatellsachen und der Wiederholung der „Großen Wut des Philipp Hotz“ von Max Frisch ab, blieben drei Dinge, auf die man gespannt war: eine kritische Dokumentation über die außerparlamentarische Macht der „Heimlichen Parteien“ (von Rudolf Radke in Zusammenarbeit mit Professor Eschenburg), eine filmische Untersuchung des „Rauschgifts“ (Peter von Zahn) und schließlich Federico Garcia Lorcas „Sprache der Blumen“ (Inszenierung: Hans Reinhard Müller).

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