Am 25. Februar dieses Jahres feierte er seinen achtzigsten Geburtstag; am 20. September saß er, anläßlich der Buchmesse in Frankfurt, morgens um halb zehn zwischen Buchhändlern und Autoren am Stand des Hegner-Verlages und am folgenden Morgen um halb vier zwischen zwei sich streitenden Hitzköpfen; in einer Bar; am 24. September starb er in Lugano, wenige Stunden nach der Rückkehr von jener Buchmesse, jener Bar.

"Mitten aus einem erfüllten; Leben abberufen" – das Klischee bekommt eine leicht unheimliche Wirklichkeit angesichts solcher Daten. Und auch die zu den Klischees gehörigen Superlative müssen genannt werden: Jakob Hegner war der letzte, große Vertreter einer Generation und Gattung deutscher Verleger, diedurch Namen wie Ernst Rowohlt, Samuel Fischer, und den nach Amerika emigrierten Kurt Wolff gekennzeichnet wird und die jetzt endgültig keine Wirklichkeit mehr ist, sondern Geschichte zu werden beginnt.

Hegner war Schriftsteller, Übersetzer, Drucker und Verleger – eine in ihrer, Idealität und ihren Dimensionen mittelalterlich anmutende Formel für einen Menschen und sein Werk. Die eigene, die deutsche Sprache interessierte ihn ebenso wie die fremde, die er ins Deutsche übertrug; der Drucksatz eines Buches ebenso sehr wie der Inhalt desselben; seine Autoren genauso wie die Schutzhüllen, in die er sie verpackte.

Zwei Dingen allerdings galt seine ganz besondere Liebe und Mühe: der Pflege des christlichen Schrifttums, das sich für den Konvertiten vorwiegend im katholischen Schrifttum repräsentierte. Bruce Marshall, Edzard Schäfer, Reinhold Schneider, Hans Urs von Balthasar, Martin Buber, Georges Bernanos und Francis Jammes gehörten zu seinen Autoren, und die auf seine Veranlassung zustandegekommene Aufführung von Paul Claudels "Verkündigung" (1913) trug wesentlich dazu bei, diesen Dichter überhaupt in Deutschland bekannt zu machen.

Hegners anderes großes Verdienst war die Schaffung eines neuen Buchstils, der beharrlich allen Fortschritt und alle zum Kauf anreizende Illustration und Ausstattung ignorierte, und, in Anlehnung an alte Vorbilder deutscher Druckkunst, seine Wirkung nur aus der Qualität des Materials und der Typographie bezog.

1882 in Wien geboren, Schulkamerad Stefan Zweigs, machte Jakob Hegner 1899 als Philo-, sophiestudent in Leipzig erste Bekanntschaft mit der literarischen Welt, leitete mit seinem Freund René Schickele das "Magazin für Literatur" und gründete dann in der Dresdener Künstlerkolonie Hellerau einen eigenen. Verlag. Er gab in Wien, während des . Ersten Weltkrieges die Zeitschrift "Summa" heraus, und erwarb sich nach dem Krieg durch die sorgfältige typographische Gestaltung seiner Bücher den Titel "Erster Drucker Deutschlands". 1936 siedelte er nach Österreich über und floh dann nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten und nachdem sein Eigentum beschlagnahmt worden war nach England.

Mit Otto Walter gründete er, nach Ende des Krieges, in der Schweiz den "Summa Verlag, Olten", 1949 folgte die Neugründung des Jakob-Hegner-Verlages in Köln.