Von Hans Gresmann

Der General aus Texas, ein Mann von vielgerühmter Tapferkeit, kennt sich auf Kampfstätten aus. Im Zweiten Weltkrieg kommandierte er – als Oberst – eine kanadisch-amerikanische Fallschirmjägereinheit in Italien, Frankreich und Deutschland. Korea dann: Im Bilde festgehalten ist die Szene; da General Maxwell D. Taylor ihm einen hohen Orden an die Feldbluse heftet. Ruhm, Auszeichnungen, Aufstieg – Edwin A. Walker war ein Offizier, den die Armee bewunderte.

Nun ist der General auf einer neuen Kampfstätte erschienen. Und er ist vor die Bajonette geraten. Es waren Bajonette amerikanischer Soldaten.

Vor fünf Jahren geschah es schon einmal, daß Truppen im Auftrag des Präsidenten – damals war es der Republikaner Eisenhower – in den amerikanischen Rassenstreit eingriffen. Es ging, wie heute, darum, das Recht/der Farbigen auf gleiche, gemeinsame, integrierte Erziehung durchzusetzen. Der Schauplatz hieß: Little Rock in Arkansas. Und der Name des Kommandierenden Zwei-Sterne-Generals war: Edwin Walker.

Vor ein paar Tagen wurde eben dieser Mann an einer Straßensperre in der Nähe des Universitätsgebäudes von Oxford im Staate Mississippi festgenommen. Er war aus Dallas in Texas, wo er gegenwärtig lebt, herbeigeeilt und hatte jedem, der es hören wollte, erklärt: „Letztes Mal“ – und er meinte Little Rock – „habe ich auf der falschen Seite gestanden. Diesmal stehe ich auf der richtigen Seite, und ich werde dort stehenbleiben!“

Dieser Erklärung folgte ein düsterer Aufruf, worin er die Bürger des Südens zu einer großen Erhebung aufforderte: „Zehntausend Mann aus jedem Staat – greift zur Fahne!“ Auf die Frage, ob diese Freischärler auch zu Waffen greifen sollten, meinte Walker, das zu entscheiden müsse jedem Bürger selber überlassen bleiben. Die Bundesjuristen in Washington meinen heute, daß dieser Appell dem Versuch doch nahegekommen sei, die Regierung der Vereinigten Staaten mit Gewalt zu stürzen. –

Aber Walker beließ es nicht bei Aufrufen. Er setzte sich an die Spitze jener randalierenden Weißen, die die Immatrikulierung des Negers Meredith zu verhindern versuchten. Es scheint erwiesen, daß er selber zwei Attacken gegen Bundespolizisten anführte, die das: Verwaltungsgebäude der Universität bewachten, Die Rolle als selbsternannter Rebellenkommandant dauerte allerdings nicht lange. Es kam die Verhaftung, es kam jener ungewöhnliche Auftritt, da der Exgeneral von Soldaten „at bayonet point“ – mit vorgehaltenem Bajonett – abgeführt wurde.