DIE ZEIT

Schatten über Frankreich

Die Fünfte Republik hat nach viereinhalb Jahren ihre erste Regierungskrise – und nicht nur dies. Hinter dem Sturz des Ministerpräsidenten Pompidou steht ein ernster Verfassungskonflikt; aufs neue droht die Staatskrise.

Feste Worte in Bonn...

Im außenpolitischen Teil seiner Rede zeichnete der Bundeskanzler ein düsteres Bild der internationalen Lage. Er wies auf die Ergebnislosigkeit der sich nun schon so lange hinziehenden Verständigungsversuche in der Berlinfrage wie in der Abrüstungsfrage hin.

Zweimal traurige Überraschung

Die letzten Tage waren reich an Überraschungen: Die erste kam aus Washington, wo sich in der vorigen Woche bei den Unterhaltungen, die der Regierende Bürgermeister Brandt geführt hat, herausstellte, daß „der genaue Umfang des Schutzes für den deutschen Zivilverkehr nach Berlin noch formuliert werden muß“, wie die Frankfurter Allgemeine berichtet.

Das Gesetz, nach dem Tito angetreten

Wenn man von Polen nach Jugoslawien reist, ist man darauf gefaßt, dort mit geringen Nuancen die gleiche Überraschung noch einmal zu erleben, nämlich in ein Land zu kommen, dem zwar der äußere Wohlstand fehlt, das sich aber im übrigen gar nicht so wesentlich von westlichen Ländern unterscheidet.

Zeitspiegel

Die Verhandlungen über die Wiedereingliederung Katangas in den Kongostaat ziehen sich in die Länge. Das beruht offenbar nicht nur auf der Nachlässigkeit, daß der Chefdelegierte Katangas zu jeder Sitzung eine Stunde zu spät erscheint.

Warten auf Chruschtschow

Wenn Dean Rusk lacht, verschwinden seine Augen, und er gleicht einem heiteren Buddha. So sah er aus, als er am Sonnabend aus.

wer....was....wo....warum....

Die Meinung der EWG: die Sorgen der Commonwealth-Staaten sind unbegründet. Die Meinung des britischen Verhandlungsführers Heath: Die Zeit drängt weitere Verzögerungen könnten in England und im Commonwealth politische und wirtschaftliche Unsicherheit hervorrufen.

Kleine Tür im Eisernen Vorhang

Die Kirchen müssen ständig Wege suchen, die Barrieren zu überspringen, die uns voneinander trennen, damit die Völker Europas zusammenhalten.

Statistik des Schreckens

Die Bundesregierung hat außer der sowjetrussischen allen ausländischen Missionen in Bonn ein Weißbuch über die Verletzungen der Menschenrechte an der Berliner Mauer und die Vertragsbrüche Moskaus und Pankows in der Berlin-Frage überreicht.

Dunkler Morgen im Süden

Mississippi ist grün. Auf der schmalen Straße nach Oxford nicht viel Verkehr. Wo liegt die Fallschirmjäger- und Infanteriedivision, die den Neger James Meredith bewacht? Kleine Baumwollfelder rechts und links.

Generalssterne, Texashut – und Sträflingskleidung?

Der General aus Texas, ein Mann von vielgerühmter Tapferkeit, kennt sich auf Kampfstätten aus. Im Zweiten Weltkrieg kommandierte er – als Oberst – eine kanadisch-amerikanische Fallschirmjägereinheit in Italien, Frankreich und Deutschland.

Zugetan der Kumpanei

„Die kleineren teutschen Fürsten würden auch wohltun, wenn sie sich weniger mit solchem Gesindel einließen, welches gewöhnlich mit einer Tasche von Plänen und Projecten zum Besten des Landes, zur Beförderung des Handels, zum Flor und zur Verschönerung ihrer Residenzen angezogen kömmt, redliche Diener aus ihren Ämtern verdrängt und verdächtig macht, seinen Beutel zum Ruhm des Landes spickt, freylich seine Rolle selten lange spielt, aber wenn es auch, mit Schimpf und Schande beladen, davongehen muß, mehrentheils viel gestifetetes Unglück zurückläßt, was es nie wieder gutmachen kann.

Mit Glockenspiel und Wetterfahne

Vom lädierten Erbe der Väter ist den Kölnern – neben anderen historischen Gebäuden – auch der mittelalterliche Rathausturm geblieben, ein besonderes Objekt kölnischen Bürgersinns.

Der Lauscher an der Wand...

Die privaten Benutzer behördlicher Telephone gehen „goldenen Zeiten“ entgegen. Sie brauchen sich keine Sorgen mehr darüber zu machen, daß ein Unbefugter von Amts wegen ihr Gespräch mithört.

...und manchmal spielte die Orgel

Und dann passierten einige Gewaltakte?“ fragte der Vorsitzende mit ruhiger Stimme. Er stellte die Frage immer wieder in diesem Prozeß, in dem das Grausige schon zum Gewohnten geworden ist: in dem Prozeß gegen Willi Heinrich Dusenschön, ehemals SS-Sturmführer und stellvertretender Kommandant des Konzentrationslagers Hamburg-Fuhlsbüttel, angeklagt des Mordes an dem SPD-Politiker und Journalisten Dr.

Wie arm ist Niedersachsen?

Mister Parkinson hätte seine Freude an der Lektüre des neuen Niedersächsischen Landeshaushaltes. Aus den 100 000 Angestellten und Beamten, die 1962 im Dienste des Landes standen, werden 1963 fast 104 000 werden.

Süßliches Leben - 6 mal 9

Zu 17 Monaten Gefängnis verurteilte die 1. Große Strafkammer in Heidelberg den Angeklagten Peter M., zu fünf Monaten mit Bewährung die mitangeklagte Ehefrau Erika.

Gefährdung der Freiheit durch die Freiheit?

Ohne daß östliche, und westliche Gesellschafts-Ordnungin unbilliger Weise gleichgestellt werden sollten, wird man doch sagen dürfen, daß nicht nur im Osten, sondern auch in unserer westlichen Welt die Freiheit gefährdet ist.

Zeitfragen: Wann ist Piraterei erlaubt?

Im Schatten der Erörterungen, ob es wohl mit der nationalen Würde der Deutschen vereinbar sei, Ilja Ehrenburgs Lebenserinnerungen zu verbreiten und zu lesen, im Schatten von soldatischen Zeitungsfeldzügen, drohenden Flugblättern, Klebezetteln an den Schaufenstern von Buchhandlungen, die „würdelos und geschmacklos genug“ sind, „mit diesem größten Mordhetzer der Weltgeschichte Geschäfte zu machen“, im Schatten von dubiosen anonymen Dankesbriefen an jene, die kein Buch, auch Ehrenburg nicht, aus nationalistischer Selbstgerechtigkeit unterdrückt wissen wollen – im Schatten all dieser meist überaus primitiven Auseinandersetzungen blieb es fast unbemerkt, daß zur gleichen Zeit um das gleiche Buch ein Musterprozeß geführt wurde, der, wenn sein Ausgang auch nicht dazu beitrug, eine verwickelte und unbefriedigende Situation weniger verwickelt und weniger unbefriedigend zu machen, doch überaus symptomatisch war für die Bedingungen, unter denen sich aller literarische Verkehr zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion leider immer noch vollziehen muß.

Das Horoskop in der Zeitung

Mir ist dieses Glück unlängst zuteil geworden. (Der Montagmorgen hatte dadurch zweifellos gewonnen; bis Dienstag abend aber stellte sich in der Tat heraus, daß alles ganz leidlich gegangen war: Beruf, Finanzen und – na ja – auch die Liebesfragen; es war nämlich keine aufgetreten, und das darf man doch als durchaus „günstig“, verbuchen.

Ein strategischer Fehler

Die Partisanen hatten das Vergnügen, mit eigenen Augen, so kann man sagen, dieses Ereignis zu beobachten. Daher erachteten wir es als unsere Pflicht, in der Presse diese Tatsache zu veröffentlichen, die die Hitlerleute von einer amüsanten Seite charakterisiert.

Strawinsky in Rußland

Die Sowjetenzyklopädie tat seine Werke verächtlich als eine Mischung von größter Primitivität und dekadenter bürgerlicher Verstiegenheit ab; die Iswestija nannte ihn selber, 1951 noch, einen bürgerlichen Formalisten und Kosmopoliten – im damaligen sowjetischen Sprachgebrauch drei Schimpfworte von etwa gleichem Gewicht.

Zeitmosaik

Wir hatten gerade (in der letzten Nummer der ZEIT) der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß der fünfte von vier Akten, über welche die Welt ihre Leser zu informieren versäumt hatte, gut ausgehen möge (seit alters her das Kennzeichen der Komödie): da erfüllte sich diese Hoffnung auch schon.

Kleiner Kunstkalender

Man kennt Thomas Niederreuther vom Deutschen Künstlerbund, wo er seit vielen Jahren als unbeirrbar gegenständlicher Landschafter seine Stelle als krasser Außenseiter behauptet.

Wolfgang Ebert:: Soraya und ich

Die ganze oder wenigstens die Halb-Weit zerbricht sich darüber den Kopf, warum Soraya nicht diesen netten Herrn Sachs geheiratet hat; aber kein Hahn kräht danach, warum die Ex-Kaiserin und ich nicht geheiratet haben.

Selbstverstümmelung

Die beste Rede, die auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse zu hören war, wurde nicht erst nach dem letzten Wort, sondern bereits nach dem ersten Satz mit lebhaftem Beifall bedacht.

Was gespielt wird, ist so wichtig nicht

Was die Berliner Festwochen an neuen Stücken für die Sprechbühne vorwiesen, das hat diesmal manchen Kritiker enttäuscht. Gewiß, im Renaissancetheater wurde ein Vierakter des Pariser Avantgardisten François Billetdoux zum erstenmal in deutscher Sprache aufgeführt: „Geh doch zu Thorp“.

Durch die Sprachmauer

Das Pariser Verlagshaus Editions du Seuil hat vor kurzer Zeit eine Anthologie der ungarischen Poesie vom zwölften Jahrhundert bis zur Gegenwart herausgebracht, die für alle Übersetzungsliteratur beispielhaft sein könnte.

Radiergummis hinter Glas

Zu den großen Mächten der Zeit gehört das Dokumentarische. Die Gegenwart, die auch einige große Figuren – den Arbeiter, den Kommissar, den Partisan – hervorgebracht hat, in denen sie sich wiedererkennt, zeigt ihr Gesicht in der Aufmerksamkeit, die sie dem Authentischen zuwendet.

Fernsehen: Zweimal mehr als Zeitkritik

Zwei junge deutsche Autoren im Mittelpunkt der Woche: Benno Meyer-Wehlack mit der poetischen Sozialkritik seines Schülerstückes „Stück für Stück“ und Karl Wittlinger mit der kabarettistischen Dämonie seines Spiels „Seelenwanderung“.

Theater

In der beengten Orangerie wurde als erste Oper der neuen Spielzeit „Ariadne auf Naxos“ von Richard Strauß durch Harro Dicks inszeniert.

Nana S. philosophiert

Vor zwei Jahren lernten wir Jean-Luc Godards „A Bout de Souffle“ (Außer Atem) kennen. Von diesem Film sagte ein Freund des Regisseurs, der es wissen mußte, er sei ein Selbstbefreiungsversuch Godards gewesen.

Film

„Ein Affe im Winter“ (Frankreich; Verleih: Deutsche Fox): Ein alternder Hotelier (Jean Gabin) im normannischen Tigreville, einst gewaltiger Säufer, hat, einem in Bombennächten abgelegten Gelübde getreu, seit fünfzehn Jahren keinen Tropfen mehr angerührt.

Funk

Ein Vater, herrschsüchtigund nörglerisch, eine aufsässige 17jährige Tochter, ein 12- oder 13jähriger Sohn, mit seiner Phantasie in einer fernen Welt der Abenteuer zu Hause, und eine Mutter, die zu alldem hilflos resignierend schweigt – das sind die Personen, um die sich Hans-Peter Breuers erstes Hörspiel dreht.

Eine Maschine spielt Büro

Ein Bürobetrieb ist ein vielfach verschlungenes Netz von Nachrichtenkanälen, das mit jeder neuen Aufgabe, mit jeder Einstellung einer neuen Arbeitskraft komplizierter und unübersichtlicher wird.

Wir sitzen falsch

Zuerst sind es kaum bemerkte Unbequemlichkeiten und Beschwerden; eines Tages sind daraus Krankheiten geworden. Es beginnt gewöhnlich mit Kreuzschmerzen, Beschwerden in der Gegend der Halswirbelsäule, Muskelverspannungen und -Verkrampfungen, mit Nacken- und Nervenschmerzen, die bis in die Unterarme und Finger gehen können: ein Teil der Sehnenscheidenentzündungen, der berüchtigten Berufskrankheit der Maschinenschreiberinnen, rühren in der Tat nicht selten von falschem Sitzen her.

Neubau von der Stange

Vor der Tür der Leverkusener Spannbetonfirma Imbau steht hin und wieder ein grauer Bentley mit Zürcher Nummer. Er gehört Professor Max Bill, dem Schweizer Formgeber.

Kopieren, diktieren, telephonieren

Hersteller von Photokopiergeräten propagieren emsig die „Blitzantwort“. Sie warben bisher vergebens: Die Blitzantwort hat kaum Eingang gefunden in die Geschäftskorrespondenz.

Mit den Augen des Polypen...

Es ist eine große Versuchung – und ihr scheinen die Autoren von Sachbüchern für Jugendliche besonders leicht zu erliegen – die Errungenschaften der Technik so darzustellen, als habe sich der Mensch stets bemüht, in seinen Maschinen die Funktionsprinzipien der belebten Natur nachzubilden.

Geschäft mit dem Wunderglauben

Auch unser so aufgeklärtes Zeitalter hat seine Magier. Wie ihre Zunftgenossen im Altertum und im Mittelalter werden sie von den Militärs, den Staatsmännern und Handelsleuten zu Rate gezogen – heutzutage allerdings auch noch von den Parteien, den Werbebüros, ja sogar von kirchlichen Organisationen – und wie eh und je sind ihre Künste geheimnisumwittert, und ihre Worte klingen fremdartigwissenschaftlich wie Zauberformeln.

Literarisch verschlüsselter Klatsch?

Wie entsteht dergleichen eigentlich? Ein Buch ist noch gar nicht-erschienen, ganz wenige können es erst gelesen haben, und schon raunt es allenthalben, daß dies das Buch der Saison sei, der deutsche Roman, der diesmal das Rennen machen werde.

Jazz-Essays und halbaktives Blech

Wer ist der Rembrandt der Tachisten? Wer der Aischylos des absurden Theaters? Wer ist der Kant der Existenzialisten? Dumme Fragen? Aber: Wer ist der Mozart des Jazz? Kein Zweifel, das ist Duke Ellington.

Die zwei Krolows

Dem, der manchmal über neue Poesie redet, ist es geläufig, das Krolow-Gespräch: Schon den Gedichtband von Krolow angeschaut? – Welchem – Na ja, den allerneuesten.

Zu empfehlen

ES GEFÄLLT, weil es, soweit das von Text und Zeichnung her überhaupt möglich ist, durch seine liebevolle Gestaltung vermag, die Erinnerung an selige Stunden mit dieser schönsten aller deutschen Opern immer wieder neu zu wecken.

Kindheitserinnerungen

Alice Herdan-Zuckmayer ist nicht die Frau eines berühmten Schriftstellers (wer sie einmal kennengelernt hat, würde auch nie auf die Idee verfallen, sie sei gerade dies), sie ist ihre eigene Schriftstellerin.

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