DIE ZEIT

Warum Kennedy handelte

Bei allem Ernst und bei der ganzen Schwere der Entscheidung, die die Vereinigten Staaten getroffen haben, sind die ersten Maßnahmen gegen Kuba noch verhältnismäßig elastisch: Es war zuvor erwogen worden, die kubanischen Raketenbasen sofort zu bombardieren oder die Insel ganz zu besetzen.

De Gaulle und die Parteien

Siebenundzwanzig Millionen französische Wähler gehen am Sonntag zur Urne. Der Wunsch des Staatschefs ist klar: Er empfiehlt dem Lande, den Präsidenten der Republik künftig in direkter Wahl zu bestellen.

Gelassenheit in Bonn

Das offizielle Bonn war von dem Kuba-Entschluß Präsident Kennedys ebenso überrascht wie alle anderen Alliierten auch. Am Montagvormittag hatte man im Palais Schaumburg zwar bereits Informationen, daß sich die Kuba-Frage zuspitze, aber Einzelheiten wußte man dort zu dieser Stunde offenbar noch nicht.

Krieg oder doch kein Frieden?

Dies ist nicht der Augenblick, sich etwas vorzumachen. Seit Montag ist der Krieg in Sicht. Es braucht nichts zu geschehen, aber es kann auch alles passieren.

Krieg im Himalaya

An der Hochgebirgsgrenze zwischen Indien, Tibet und Bhutan haben sich in den letzten Tagen die schwersten Zwischenfälle seit Ausbruch des indisch-chinesischen Konfliktes ereignet.

Für eine Berlin-Krise gewappnet?

Washington, im Oktober Was in Washington contingency planning heißt, das nennen wir Notplanung und denken dabei an Berlin. Nun ist ein Notstand eingetreten.

Es geht ums Geld

Das Beteiligungsverhältnis von Bund und Ländern an der Einkommen- und Körperschaftssteuer muß zugunsten des Bundes geändert werden.

Nothelfer Faisal

Noch nicht auf „Sturm“, wohl aber auf „Veränderlich“ stehen die Zeichen auch im Wüstenkönigreich Saudi-Arabien. Drei Wochen nach der Revolution im Jemen und dem Sturz des Imam beeilt sich König Saud, zu retten, was von seiner Monarchie noch zu retten ist.

Koalitionssturz in Kiel

Nach acht Jahren enger, wenn auch nicht immer ganz reibungsloser Zusammenarbeit ging am Montag die CDU-FDP-Regierungskoalition in Schleswig-Holstein in die Brüche.

Zeitspiegel

Alle Versammlungen, bei denen gegen die Verhaftung oder Verurteilung irgendeiner Person auf irgendeine Weise protestiert werden soll, sind in Südafrika für die nächsten sechs Monate verboten.

Offizielle Fälschung?

Vor kurzem ging bei der französischen Nachrichtenagentur AFP ein Brief des „untergetauchten“ Ex-Oberst Argoud ein, der als Vertreter der OAS die Bevölkerung auffordert, beim Referendum mit „Nein“ zu stimmen.

„Rettet die Republik!“

Heute besteht unsere Pflicht darin, die Republik zu verteidigen und zu retten. Der Volksabstimmung, hinter der sich etwas ganz anderes verbirgt, antwortet der republikanisch gesinnte Senat: Nein.

„Wir sind keine Weichlinge“

Im Vorzimmer des Präsidenten Paul Reynaud begegnete ich einem Sekretär, der mit glasigem Blick und wehendem Schlips sich eben anschickte, zu einem wichtigen Termin in einem Pariser Vorort zu eilen, den er angesichts der notorischen Verkehrsstockungen nicht mehr rechtzeitig erreichen zu können glaubte.

Prächtiger Purpur überall

Jedesmal, wenn eine Generalkongregation des Konzils beendet ist, stürzt ein purpurner Wasserfall die Scala Regia hernieder und ergießt sich in den barocken Säulengang Berninis.

Im Schlagschatten der Ideologie

Der Deutsche Gewerkschaftsbund rief zum Kongreß, und alle, alle kamen, ihre Reverenz zu erweisen: Vertreter der Parteien, der Verbände, der Religionsgemeinschaften.

Wenn Kaisen geht...

Den „politischen Beamten“, jenen hochgestellten Staatsdiener, der bei veränderten politischen Verhältnissen jederzeit in den „einstweiligen Ruhestand“ versetzt werden kann, kennt man in Bremen nicht.

Ohne Klapperstorch

Im Volksmund hat sich der Klapperstorch einen dauerhaften Ruf als Geburtshelfer verschafft. Daß er jedoch auch zu den „Heilmethoden“ zählt, mit denen ein Arzt nicht werben darf, entschied in diesen Tagen ein Gericht zu Münster.

Wie nach dem 13. August

Es war am Dienstagnachmittag. In der Lebensmittelabteilung eines großen Hamburger Warenhauses wurde es wieder etwas ruhiger: Die Einkaufsstürme des Vormittags waren vorüber, die Büroschlußwelle hatte noch nicht eingesetzt.

Bayerns Beamte haben es besser

An die 40 000 Mark, so errechnete kürzlich der Bund der Steuerzahler, müssen jeden Monat für eine ganz besondere bayerische Spezialität aufgebracht werden: So hoch beläuft sich nämlich der Differenzbetrag zwischen dem vollen Gehalt, das alle Beamten, die im Münchner Landtag als Abgeordnete sitzen, immer noch bekommen, und ihren Ruhestandsbezügen, die sie nach vollzogener Beurlaubung bekommen würden.

„Unmögliches“ Urteil?

Erich Ollenhauer, der Vorsitzende der SPD, sitzt in Bonn. Als in Hamburg in der vorigen Woche der KZ-Schläger Willi Dusenschön freigesprochen wurde, gab Ollenhauer der „Hamburger Morgenpost“ einen Kommentar: „Ich halte das Urteil für eine unmögliche Sache, jetzt Freispruch mit Verjährung zu begründen.

Tunnel mit Tanzmusik

Nach einer in aller Öffentlichkeit ausgetragenen Polemik zwischen Innensenator Albertz und Bundesminister Lemmer über Nutzen und Frommen des amerikanischen Spielfilms „Tunnel 28“ wurde er nun in der Berliner Kongreßhalle uraufgeführt, vor den Spitzen der Westberliner Behörden und all dem, was man gemeinhin als Creme der Westberliner Gesellschaft bezeichnet.

Gegen die Zwänge der Mehrheit

Ich bin, glaube ich nun, nicht zuletzt deshalb Schriftsteller geworden, weil ich kein Handelnder sein mag. Ich liebe es. nicht, mich auf den Markt zu begeben und zu reden.

Zeitlragen: Was gilt die deutsche Literatur im Inland?

Wer den Begriff "deutsche Literatur" von vornherein eng fassen möchte, lese nach diesem Satz nicht weiter! Was hier unmittelbar folgt, aber auch was auf den nächsten Seiten dieser Zeitung steht, könnte ihm Verdruß bereiten, den er sich ersparen sollte.

Wolfgang Ebert:: Warnung vor Kurt!

Ich bin das Opfer eines Heiratsschwindlers geworden. Als Mann wird man das ja nicht allzu leicht, und es ist auch nicht direkt so, daß man mir erst die Ehe versprochen hat und dieses Versprechen dann nach Inanspruchnahme meines Sparkassenbuches gebrochen hat.

Zeitmosaik

Roman Norbert Ketterer, im In- und Ausland bekannten Kunstauktionator, der vor einigen Wochen überraschenderweise sein „Stuttgarter Kunstkabinett“ „aus gesundheitlichen Gründen“ schloß, meldete sich jetzt aus Italien wieder.

Günter Blöcker:: Die Gruppe 47 und ich

Die freundliche Redaktion dieses Blattes läßt mich wissen, daß ich einem on dit zufolge als Gegner der Gruppe 47 gelte. Mit dieser mich nicht wenig überraschenden Mitteilung verbindet sie die Bitte, ich möge doch einmal meine Einwände formulieren.

Kleiner Kunstkalender

Die erste Wiederbegegnung mit Edwin Scharff (1887–1955) seit der Gedächtnisausstellung von 1956. In Hannover fehlen die monumentalen Bildwerke, auch das bedeutendste Werk der Spätzeit, die Bronzetür für die Klosterkirche Marienthal.

Oskars Empfang in England

Diejenigen Briten, die sich für die zeitgenössischen geistigen Erzeugnisse Deutschlands interessieren, hatten schon vor zwei Jahren den fernen Trommelschlag von Günter Graß gehört.

Nr. 43 vom 23. Oktober 1952: Warten auf den Westverband

Natürlich hat der CDU-Parteitag auch kein praktisches Rezept gebracht, wie das Problem der deutschen Teilung zu lösen sei. Vielmehr haben die Berliner CDU-Tage der Sowjetzonen-Bevölkerung die Anschauung vermitteln wollen, daß die von Adenauer beschrittenen Wege zu Montan-Union, Deutschland-Vertrag und europäischer Verteidigungsgemeinschaft Wege sein sollen zu einer Wiedervereinigung in Freiheit.

Gabriele Münter – kritisch betrachtet

Es war eine selbstverständliche Dankespflicht der Münchner Städtischen Galerie, die Künstlerin, die durch ihre großzügigen Schenkungen und testamentarischen Vermächtnisse die Bestände der Sammlung so sehr bereichert hat, mit einer Gedächtnis-Ausstellung zu ehren.

Fernsehen: Hausbackener Zuckmayer

Wieder ein „Zeuge des Jahrhunderts“, diesmal Carl Zuckmayer, vorgeführt in Klaus Harpprechts gleichnamiger Sendereihe. Entweder war der Mann so sympathisch oder so redselig, daß man seines Redeflusses nicht Herr werden konnte, oder Harpprecht glaubte an seine extreme Bedeutung – kurz und gut: Zuckmayer erhielt die doppelte Sendezeit wie die anderen Jahrhundertzeugen zugesprochen, obwohl doch da schon wahrhafte Kronzeugen des Saeculums wie Rennfahrer und Admiräle zu besichtigen waren.

Film

„Infam“ (USA; Verleih: United Artists): Kurz nacheinander erreichen uns die neuesten Filme der beiden führenden US-Regisseure der vierziger Jahre, John Ford und William Wyler.

Wie veranstaltet man ein Filmfestival?

Nicht häufig sieht der Kritiker einen Grund, der Jury eines Festivals zu applaudieren. Die Preisrichter der „Internationalen Filmwoche Mannheim 1962“ haben nicht eine gerechte, sondern sogar eine „festivalpolitisch“ kluge Entscheidung getroffen.

SÜDWESTFUNK: „Geschäft mit der Briefmarke“

Vergnüglich war die Sendung nicht. Wer dieses bunte Papierchen Briefmarke bisher nur als anklebbaren Nachweis bezahlter Postgebühr angesehen hat, erzittert vor den Schrecknissen, die es unter den Menschen zu verbreiten versteht.

Theater

Zehn Monate nach der Uraufführung am Broadway erreichte Williams’ vorletztes Stück Deutschland. Gleichzeitig mit Willy Maertens, der in Hamburg sogar den „Süßen Vogel Jugend“ inszeniert hatte, brachte O.

Zu empfehlen

FÜR Jugendbewegte, pädagogische Büchereien und Einrichtungen der Erwachsenenbildung – Walter Z. Laqueur: „Die deutsche Jugendbewegung – Eine historische Studie“; Verlag Wissenschaft und Politik, Köln; 279 S.

Wie fühlen Sie sich so als Schriftsteller?

Malcolm Cowley hat die Geschichte von den jungen Leuten erzählt, die die Paris Review gründeten, die aber nicht genug Geld hatten, berühmte Schriftsteller, deren Mitarbeit ihnen erwünscht war, zu honorieren, und auf den Gedanken kamen, an Stelle von teuren Original-Beiträgen billige Interviews in ihrer Zeitschrift zu veröffentlichen.

Ein Bildungs-Bilderbuch

Es hat sich in den letzten Jahren ein ganz bestimmter Typ des Bildbandes ausgeprägt und durchgesetzt: von einer internationalen Verlegergruppe angeregt und herausgegeben, in aller Herren Ländern gleichzeitig veröffentlicht (so daß trotz der enormen Herstellungskosten der Preis erschwinglich bleiben kann), von einem Redaktionsgremium betreut, das, so scheint es bisweilen, von der Technik, von Layout und Montage und Typographie und allerlei graphischen Gags mehr versteht als von dem Gegenstand, um den es gerade geht.

Statt einer Besprechung

Im Folgenden sei dem geneigten Leser (mit freundlichem Einverständnis von Ludwig Marcuse und Robert Neumann) ein Blick hinter die Kulissen vergönnt, wie wir ihn ja alle zuweilen gern tun.

Ein vorbildliches Städtebuch

Eher und mit mehr Berechtigung als von anderen Stadien gilt von Neapel: es wäre nicht Neapel ohne seine Menschen. Das Buch von Herbert List, dem deutschen Photographen, und Vittorio de Sica, dem italienischen Regisseur (List / de Sica: „Napoli“, aus dem Italienischen von Gottfried zum Winkel; Sigbert Mohn Verlag, Gütersloh; 208 S.

Keine Scheidung zwischen Pornographie und Kunst?

Aber wie verhält sich ein branche-unerfahrener Mann wie ich, wenn ihm die ZEIT-Redaktion den Umbruch eines Buches von Ludwig Marcuse schickt, samt den Spielregeln: „Wir schicken Marcuse gleichzeitig den Umbruch Ihres neuen Romans, wir werden seine Kritik über Sie und Ihre Kritik über ihn gleichzeitig publizieren, und weder Sie noch er werden im voraus sehen, was der andere über ihn geschrieben hat.

Sie kann und kann nicht sterben

Kritik – so meine ich – sollte sich daran nicht vergreifen..................................................................

Clique as Clique can

Beunruhigender, daß die meisten „heißen Eisen“ kultureller oder künstlerischer Natur sind: Die Leidenschaft der literarischen Diskussion steht in umgekehrter Proportion zu der Courage, in die politische Wirklichkeit einzugreifen.

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