Hauptschwierigkeit: mangelnde Wirtschaftsgesinnung in den Entwicklungsländern

Von Hellmut Hartmann

Hätte man in der Entwicklungspolitik Zeit, so brauchte man sich über Entwicklungsmethoden nicht viel Gedanken zu machen. Man könnte die Dinge sich selbst überlassen und hoffen, daß jedes einzelne Land gemäß seinen Besonderheiten einen ihm gemäßen Fortschritt macht. Diese bestenfalls nur sehr langsam voranschreitende Wohlstandssteigerung ließe sich unterstützen: Man könnte zum Beispiel nach dem neoliberalen Konzept bestimmte Infrastrukturinvestitionen durchführen (Wilhelm Röpke). Damit ist aber nur sehr wenig getan. Die Hoffnung, die Röpke in die selbsttätigen Kräfte des Marktes setzt, die seiner Ansicht nach nämlich schon dann zu wirken beginnen, sobald nur ein vernünftiger, die Freiheit der Individuen nicht einengender Rahmen (Erziehungswesen, Rechtssystem, Straßen usw.) errichtet ist, scheint etwas zu utopisch.

Im günstigsten Falle könnte Röpkes Konzept den "take-off" nach Ablauf einer sehr langen Zeit und unter unerträglichen sozialen Spannungen in einigen Regionen der Entwicklungsländer herbeiführen. Zu einer solch langsam wirkenden und sehr problematischen Politik läßt aber das Drängen der Entwicklungsländer und die Absicht der westlichen "reichen" Nationen, auch in Zukunft in der Weltpolitik eine Rolle zu spielen, keine Zeit. Für den Entwicklungspolitiker heißt das, sich nach anderen, nach effektvolleren Methoden umzusehen.

Die Konsequenz aus der Erkenntnis, daß es in den Entwicklungsländern keine Wirtschaftsgesinnung gibt, die den wirtschaftlichen Aufstieg trägt, kann nur die sein: ein solches "entwicklungsträchtiges Klima" entweder zu etablieren oder zu substituieren.

Man könnte zum Beispiel – wie es der amerikanische Nationalökonom Albert Hirschman in seinem Buch

"The Strategy of Economic Development" (New Haven 1958)