„O Vater, armer Vater...“ von Arthur L. Kopit

Vollständig lautet der Titel dieses vergnüglichen Abends: „O Vater, armer Vater, Mutter hing dich in den Schrank, und ich bin ganz krank.“ Der Autor hatte sich schon auf der Studentenbühne der Harvard-Universität, wo Kopit 1959 promovierte, als erfolgreicher Bühnenschriftsteller angewiesen. In „O Vater, armer Vater...“ parodiert er das amerikanische Psychologie-Drama und das absurde Theater. Die Stuttgarter Zeitung gibt zu bedenken, daß für solch einen Literaturspaß in Deutschland mancherlei Anknüpfungspunkte fehlen. Da jedoch der Gastregisseur Dieter Reible nicht Tiefsinn, sondern Jux und abenteuerliches Märchen inszenierte – „das Leben im Kopfstand“ –, hatte die deutsche Erstaufführung auf der dritten Bühne des Württembergischen Staatstheaters „in den besten Augenblicken die Unbeschwertheit eines Traumes im Halbschlaf.“ Die Deutsche Zeitung, meint: „Uns fehlen moderne Komödien? Hier ist eine.“ Die Darsteller: Paula Denk, Ulrich Matschoß, Nikolaus Haenel, Johanna Thimig. Ausstattung: Hanna Jordan.

FRANKFURT AM MAIN (Großes Haus):

„Blick von der Brücke“, Oper von Renzo Rossellini

Das Schauspiel Arthur Millers ist von dem (1908 geborenen) Italiener Renzo Rossellini zum Melodram verbreitert worden. Der Bruder des Komponisten, der filmbekannte Roberto Rossellini, sollte die deutsche Erstaufführung inszenieren, erschien aber nur zu wenigen Probentagen in Frankfurt. Von Generalintendant Buckwitz auf Vertragserfüllung festgelegt, übergab der Filmgewaltige sein Regiekonzept dem Sohn des Komponisten, Franco Rossellini, der den Unmut der Frankfurter Premierenbesucher über solche Praktiken über sich ergehen lassen müßte. „Trotzdem wurde es eine Einheit“, so schreibt die Deutsche Zeitung über die Inszenierung. Doch „Harry Buckwitz hat ein merkwürdiges Mißgeschick, zeitgenössischeOpern zu kultivieren... Mit der Frühjahrsoffensive der amerikanischen Veroperung von Thornton Wilders ‚Alkestiade‘ (Luise Talma) hatte er ebenso, wenig Erfolg wie nun mit seiner Winterschlacht um Rossellinis Veroperung des Millerschen Erfolgswerkes.“ Als „Verismo in Plüsch – nur für den Boulevard“ wird die Oper in der FAZ klassifiziert. „Zu vermerken bleibt jedoch die erstaunliche Routine, zu der sich Rossellinis Frühbegabung wohl im Umgang mit den Ansprüchen der Filmindustrie entwickelt hat.“ Unter dem Dirigenten Alexander Paulmüller „brillierte Leonardo Wolovsky in der Bombenrolle des Eddie Carbone“. Zu dem Bühnenbild von Hein Heckroth (Wolkenkratzer und ein Wald stählerner Krane hoch über dem Arbeitsstübchen) „hat das Hafenbauamt der Stadt Bremen fachkundige Hilfe beigesteuert“ (Stuttgarter Zeitung). Jac