DIE ZEIT

Fall nach oben?

In Bonn kursiert ein Gerücht, ein scheinbar harmloses Gerücht, bei dem den Eingeweihten die Haare zu Berge stehen. Es heißt, der Kanzler wolle Franz-Josef Strauß zum Vorsitzenden der Bundestagsfraktion der CDU/CSU machen und Brentano, den derzeitigen Fraktionsvorsitzenden, zum Justizminister oder Europaminister.

Koalitionshändel – Koalitionshandel

Hätte sich der Bundesverteidigungsminister in der „Spiegel“-Affäre nicht so viele Blößen gegeben, seine Position wäre nach dem Wahlsieg in Bayern unangreifbar.

Frontenwechsel in Asien

Wir haben uns angewöhnt, in Superlativen zu sprechen, ohne uns besonders viel dabei zu denken. Aber ich glaube, es ist nicht zuviel gesagt, wenn man feststellt, daß der Schock, der den Indern zugefügt wurde, als in der vorigen Woche die Chinesen nach Assam durchbrachen, alles übersteigt, was die heute lebenden Generationen in jenem Lande je erlebten.

Direkter Draht

Eine Staffel des strategischen Bomberkommandos hat die Sicherheitslinie überflogen. Die Düsenflugzeuge mit Atombomben nähern sich unbeirrbar ihrem Ziel.

Strauß berief sich auf den Kanzler

Bonn, im November Nun ist ja so ziemlich das meiste von dem herausgekommen, was die Regierung, genauer: der Bundesverteidigungsminister, so lange und nicht gerade mit den geschicktesten Ausflüchten in der „Spiegel“-Affäre vor dem Parlament und der Öffentlichkeit geheimzuhalten versucht hatte.

Nachts, als de Gaulle gewann

Das Wetter war nicht schlecht in Paris am vorigen Sonntag, dem Tag der Stichwahl. Just eine Woche vorher hatte man auf der Fernsehscheibe frierende Menschen in Mänteln und mit Regenschirmen gesehen.

Zeitspiegel

Ägyptische Truppen waren an der Nordgrenze des Jemen in heftige Kämpfe mit Anhängern des vertriebenen Imam Badr verwickelt. Eine Kairoer Zeitung bringt einen Augenzeugenbericht über ein fünfzehnstündiges Gefecht, bei dem die Gegner 350 Mann verloren haben sollen.

Flucht über den Brahmaputra

Langsam kehren sie zurück nach Tezpur – schweigsam, weiß gewandet, genau so freudlos wie sie vor ein paar Tagen die Stadt verlassen haben.

Grenzen des Asylrechts

Generalstaatsanwalt a. D. Kramer behauptet, aus den Auslieferungsverträgen erwachse dem Staatsbürger (Ich frage: welches Staates denn eigentlich?) ein Recht, darauf vertrauen zu können, daß er wegen eines politischen Delikts nicht ausgeliefert werde.

Der CSU-Sieg in Bayern

Die CSU kennt ihre Landsleute genau. In Bayern kann ein Wahlkampf gar nicht laut und grobschlächtig genug geführt werden. Die christlich-sozialen Wahlstrategen verfaßten entsprechende Inseratentexte.

Kadar tanzt nicht aus der Reihe

Zweierlei demonstrierte der 8. Parteitag der ungarischen Kommunisten, der in der letzten Woche in Budapest stattfand: einmal, wie unangefochten der Partei- und Regierungschef Kadir sechs Jahre nach der Revolution im Sattel sitzt und mit welchem Selbstbewußtsein er seinen Kurs verfolgt; zum anderen zeigte der Parteitag die Unruhe und die Wirren, die der nach den Ereignissen um Kuba und Indien unverhüllt an den Tag getretene sowjetisch-chinesische Disput in den Weltkommunismus gebracht hat.

Die Methoden der Koexistenz

Heute ist wieder eine offene Lage...........................................................................................

Gefangene der Vergangenheit

Als im Juli 1945 die amerikanischen, englischen und französischen Truppen in Berlin einrückten, haben wir sie als Befreier empfunden.

Wettstreit der Pantomimen

Die Berliner Akademie der Künste holte vom 1. bis 22. November Pantomimentruppen und Einzelgänger der stummen Bewegungskunst zu einer kleinen Olympiade in die insulare Stadt.

Zeitlragen: Wie bringt man Zeitschriften unter die Leute?

Leider stand das Ergebnis schon vorher fest, doch ich wollte die langen Gesichter sehen. Und vielleicht... Lebt man schließlich nicht in der allen Künsten aufgeschlossenen größten Stadt der Bundesrepublik? So unternahm ich denn den Rundgang von Buchhandlung zu Buchhandlung, von Kiosk zu Kiosk, auf der Suche nach den kulturellen Zeitschriften dieses Landes.

Der SFB und sein Hörer

Es gibt ihn also wirklich, unseren „Hörer“ Köhler. Dies scheint sicher zu sein, seit wir in der ZEIT vom 16. November über seine Abenteuer mit den Nachrichten des SFB gelesen haben, von denen er so nett und wortreich, wenn auch nicht ohne einen Schuß Boshaftigkeit berichtet.

Zeitmosaik

Fünf der sechs Paderborner Kinos wollen künftig „freiwillig“ keine Filme mehr aufführen, die vom katholischen Filmdienst mit dem Prädikat 4 (abzulehnen, da geeignet, christliche Grundanschauungen zu zersetzen) versehen sind.

Ein hundertstel Professor für den Germanisten

In Ihrer Ausgabe vom 23. XI. veröffentlichen Sie eine Mitteilung des Herrn Bundesinnenministers an den Bundestag, wonach an den Hochschulen der Bundesrepublik auf 100 Studenten 4,8 „Lehrpersonen“ kommen, und knüpfen daran die (ironische?) Glosse, daß die letzteren sich überlastet fühlten und über Mangel an Nachwuchs klagten.

Die Madonna und ihr Stern

Als in der Nacht des 7......................................................................................................

Gelächter im Dunkel

Das bedeutet schon allerlei, besonders wenn man in einer der ersten Reihen sitzt (nur wer über fünf Mark zu investieren bereit war, saß weiter hinten) Man spürt das Kollektiv, die „Volksseele“ im Rücken.

Kleiner Kunstkalender

Zwanzig Gemälde aus dem Nachlaß, Bilder seiner letzten Schaffensphase, den zwanzig Jahren, die er bis zu seinem Tode (1926) in Giverny in seinem Garten zubrachte, sehr berühmt und vereinsamt und von der Entwicklung gänzlich überholt.

Das Theater drückt sich vor Hauptmann

In diesem Monat wäre Gerhart Hauptmann hundert Jahre alt geworden. Zwar sagte er selber: „Meine Epoche beginnt mit 1870 und endet mit dem Reichstagsbrand.

Horvath-Urteil revidiert

Zwei Premierenabende – einer im Akademietheater, der andere im Konzerthaustheater – haben in diesen Tagen wieder Wiens Beziehung zu Ödön von Horvath zur Diskussion gestellt.

Film

„Das schwarz-weiß-rote Himmelbett“ (Deutschland; Verleih: Schorcht): Der Regisseur Rolf Thiele, man weiß es nicht erst seit seiner „Lulu“, hält sich für einen Fachmann in Sachen Erotik.

Fernsehen: Wo bleibt die Synchronisation?

Die beiden Stücke der Woche geben, jedes für sich betrachtet, als Werke der Literatur nicht so sehr viel her: Der „Schlaf der Gerechten“ von Oliver Storz leidet vor allem an dem konstruierten Schluß, der sich einen neuen und völlig überflüssigen Konflikt zusammenbastelt, indem sich die Heldin in eben dem Augenblick zum Märtyrertum entschließt, da die Partei ihr unglaubwürdigerweise den Rückzug in den Paragraphen 51 ermöglichen will; und Emmanuel Robles’ „Montserrat“ gibt mit pointensicherem Kalkül eine Extremsituation, zu deren dichterischer Aufarbeitung Oscar Wildesche Bonmots nicht ausreichen.

Theater

Ein neuer Bühnenautor? Konrad Wünsche, geboren 1928 in Zwickau, „um sprachliche Formulierungen bemüht“, nennt als Anreger Nelly Sachs und Else Lasker-Schüler.

MARTIN GUMPERT:: Euch fehlt die Phantasie...

Aus „An den Wind geschrieben“ – Lyrik der Freiheit 1933–1945, herausgegeben von Manfred Schlösser, das ursprünglich in der Schriftenreihe „Agora“ erschien und jetzt auch in der Sonderreihe des Deutschen Taschenbuch-Verlages vorliegt.

Das schwierige Geschäft des Überlebens

Der Autor: er wurde 1927 in Wien geboren, als Sohn ostjüdischer Eltern; 1938, er war elf, flohen sie mit ihm nach Holland; hier überstand er den Krieg, ging danach für fünf Jahre nach Palästina, studierte zwei Jahre lang am Wiener Max-Reinhardt-Seminar und lebt seit 1954 in London.

Briefe von Munch und Kirchner

Spätestens in den Tagen des Expressionismus hat die bildende Kunst angefangen, ihre Gestaltungsweisen weit mehr aus ideellen und ideologischen Quellen abzuleiten als aus rein handwerklichen Impulsen.

Die üblen Burschen von links

Müde und zufrieden hatte ich mich tief in der Nacht ins Bett gelegt. Zwei Bücher von Rudolf Krämer-Badoni waren gelesen, und die Einleitung der Rezension – eine wunderschön-giftige Betrachtung ad personam – war zu Papier gebracht: daß er sich einbilde, die kapitolinische Gans der Bundesrepublik zu sein, nur weil er bei Tag und Nacht auf der Mauer hockte und schnatterte; daß aber in Wirklichkeit jeder in der Stadt längst wisse, welch gefährliche Leute jenseits der Mauer wohnen, und somit sein Schnattern nur noch eine Funktion habe: der Metzger und Metzgersöhne Messerwetzen in der Stadt zu übertönen; daß er jeden, der ihn für überflüssiges Lärmen nicht streichelt und lobt, jeden, der sich auch um die Zustände in der Stadt kümmert, als dummen "Tintenbuben", als "Stallburschen Chruschtschows" bezeichne; daß eine solche Gans nicht kapitolinisch sei, sondern das, wofür man Gänse gewöhnlich hält.

Zu empfehlen

ES ENTHÄLT die zweihundert schönsten und interessantesten der zwölfhundert Karikaturen, welche Paul Flora während der vergangenen fünf Jahre für die ZEIT gezeichnet hat – mit Kommentaren des Zeichners und einem Vorwort von Marion Gräfin Dönhoff.

Wer hätte das von den Sumerern gedacht!

Wenn wir den Jürgen Thorwald nicht hät-„ten – wir wären bei der Aufrechterhaltung dder Sachbuch-Konjunktur bestimmt schon in die größten Schwierigkeiten gekommen.

Der Durchschnittsmann

Der „Mann im grauen Anzug“, mit dem Sloan Wilson 1956 seinen ersten Erfolg hatte und der sich mit ängstlicher Hartnäckigkeit und so anständig wie möglich den Platz an der Sonne eroberte, ist älter, um einige Erfahrungen und etwas Speck an der Taille reicher geworden.

Neu-Bayreuth und die Vorgänger

Die Schweizer Basilius Presse hatte eine Buchreihe „Theater unserer Zeit“ mit einem Band über „Das Ärgernis Brecht“ begonnen.

In den Gärten verirrt

Eine Kulturgeschichte des Gartens in deutscher Sprache hat lange Zeit gefehlt. Es hat seither Gartenbücher wie Sand am Meer gegeben, die sich Teilaufgaben stellten und gelöst haben.

Isaak Babel – ein wüstes Genie

Es gibt nicht nur einen Schwulst in süßlicher, es gibt auch einen in wüster, in chaotischer Ausführung. Dieser steht sehr hoch im Kurs.

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